Freitag, 07.03.2008

Eisschnelllauf

Anni Friesinger in Nagano auf Rekordjagd

Nagano - Den Tag nach ihrem WM-Triumph über 1.500 Meter genoss Anni Friesinger ausgiebig. Erst durfte sie ausschlafen, dann joggte sie ein wenig durch das zubetonierte Zentrum der Industrie-Metropole Nagano und drehte am Zenkoji-Tempel ein paar Einstellungen für die "ARD"-Sportschau.

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© Getty

Am Sonntag aber will die erfolgreichste Eisschnellläuferin des neuen Jahrtausends noch einmal auf Rekordjagd gehen. "Über 1.000 Meter zählt für mich nur Gold", sagte sie - und ließ keinen Zweifel an ihrem Vorhaben.

Mit dem Gewinn ihres insgesamt elften Titels bei Einzelstrecken-Weltmeisterschaften würde sich die 31 Jahre alte Inzellerin zur erfolgreichsten Eisschnellläuferin in der Historie der Titelkämpfe krönen.

"Ich gönne es ihr von ganzem Herzen. Meine Zeit ist vorbei. Ich hoffe sehr, dass es mit dem deutschen Eisschnelllauf weiter voran geht", sagte die Rekordinhaberin Gunda Niemann-Stirnemann, die an der Stätte ihres Olympiasieges vor zehn Jahren für das "ZDF" als Expertin arbeitet.

Elf WM-Titel erkämpfte die Erfurterin zwischen 1996 und 2001 auf den Einzelstrecken, dazu drei Silbermedaillen. Mit dem Gold über 1.000 Meter würde Friesinger angesichts von achtmal Silber und einmal Bronze an ihrem Vorbild vorbeiziehen.

Acht Siege in zehn Rennen

"Rekorde sind etwas für Journalisten. An so etwas denkt man nicht, wenn man sich auf einen Wettkampf vorbereitet. Wenn es dann am Ende klappt, ist es natürlich schön", meinte Anni Friesinger, die in dieser Weltcup-Saison acht der zehn Rennen über die längere Sprint-Distanz gewann und dabei die Konkurrenz meist um Längen deklassierte.

 Der mit 14.000 Dollar dotierte Gesamt-Weltcup war der verdiente Lohn für diese "Vorarbeit", in Nagano soll der Saison, die angesichts mehrerer Erkrankungen im Januar dennoch nicht optimal verlief, das Sahnehäubchen aufgesetzt werden.

"Eigentlich ist die Saison jetzt schon ein Erfolg, es kann nichts mehr schief gehen", sagt sie. Dennoch bereitet sich die Bayerin, die auch in diesem Winter wieder mit Fotos in Designer-Unterwäsche die Blicke auf sich zog, professionell auf das letzte Rennen der Saison vor.

Team-Start abgesagt

"Ich will kein Risiko eingehen", meinte sie zur endgültigen, wenn auch lange angekündigten Absage des Team-Starts. "Ich erwarte eine gehörige Steigerung der Chinesin Wang Beixing, die sich seit Januar keinem Wettkampf gestellt hat und im Training hier einen ganz starken Eindruck machte", erklärte Friesinger.

Sollte ihr Vorhaben klappen, ist für die kommenden Jahre eine weitere Jagd nach dem letzten WM-Rekord angesagt.

Mit ihrem dann insgesamt 15. WM-Gold - neben ihren zehn Strecken-Titeln holte sie auch schon dreimal Mehrkampf-Gold sowie im Vorjahr die Sprint-WM und ist damit die einzige Athletin der Welt, der dieses Kunststück gelang - wäre auch die ursprünglich als schier unerreichbar angesehene Bestmarke der Gunda Niemann-Stirnemann nicht mehr so fern, die es auf insgesamt 19 WM-Titel brachte.

Angesichts der Erfolgssträhne in diesem Jahr ließ Anni Friesinger schon durchblicken, dass die Winterspiele 2010 in Vancouver nicht zwangsläufig der Schlusspunkt ihrer Karriere sein müssen. Viel Zeit also noch, die letzte Bastion zu stürmen.


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