Freitag, 29.02.2008

Ski alpin

Kristall aus dem Bayernwald: Riesch will Gesamtsieg

Bodenmais - Mit Kristall aus dem bayerischen Bodenmais durften sich schon Stars wie Michael Schumacher, Whitney Houston oder Oliver Kahn schmücken - bald will auch Skirennfahrerin Maria Riesch eine der begehrten Glas-Trophäen ihr eigen nennen.

Unweit des Weltcup-Ortes Zwiesel werden die kunstvollen Kristallgebilde hergestellt, die den Gewinnern im Ski-Weltcup am Saisonende neben Geld und Ruhm gehören.

Seit 25 Jahren produziert das Familienunternehmen JOSKA schon für den Internationalen Skiverband FIS. Doch der Glasherstellungs- und -veredelungsbetrieb beschränkt sich längst nicht auf Ski-Wettkämpfe, er liefert auch für die Stars in anderen Sportarten und im Showbusiness.

Anfang im Hühnerstall

In einem Hühnerstall hatte Josef Kagerbauer - daher der Name JOSKA - im Jahr 1960 begonnen, bis heute ist daraus ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitern geworden. Fünf Jahre nach der Gründung, erklärt Betriebsleiter Alois Adam, sei Kagerbauer beim Eisstockschießen die "Blechpokale" leid gewesen und auf die neue Glas-Idee gekommen.

"Das war der Beginn der Pokalgeschichte, aber der komplette Durchbruch kam mit der Produktion der Weltcup-Kugeln", sagt Adam über den Zuschlag, den der mittelständische Betrieb 1983 von der FIS erhielt. An die 2000 Kugeln, so schätzt er, seien bisher an Sieger in den Haupt- und Nebenwertungen überreicht worden. Im Bayernwald freut man sich über deutsche Gewinner besonders; als bislang letzte deutsche Alpine hielt Hilde Gerg 2002 eine Trophäe aus Bodenmais hoch.

Scherben bei Tomba und Miller

Wenn sich Maria Riesch und ihre Teamkolleginnen am Wochenende auf die Piste am Arber begeben, sind die Kugeln aber nicht mehr in ihrer Nähe. Denn in dieser Woche wurden sie in den Weltcup-Finalort Bormio (Italien) gebracht. 2.400 Euro kostet die FIS die 15 Kilo schwere Große Kugel, 1.200 Euro das 10 Kilo leichtere kleine Modell.

Dass Glas zerbrechlich ist, mussten zu ihrem Leidwesen die nicht sonderlich umsichtigen Alberto Tomba und Bode Miller feststellen. Nur mit Genehmigung der FIS sei die Auslieferung neuer Kugeln erlaubt, sagte Adam, der bei den Weltcup-Finales vorsichtshalber immer ein paar Trophäen "als Ersatz" dabei hat. Tomba und Miller brachten die Scherben Glück: Sie bekamen neue Kugeln.

Auch der Siegerpokal beim Confed-Cup, bei der DTM oder Erinnerungsurkunden von DFB-Pokalendspielen wurden oder werden wie vieles mehr in Ostbayern gefertigt. Laut Adam kommen auch das größte Weißbierglas, die größte Christbaumkugel, die größte Murmel, das größte Osterei und die größte Glühbirne der Welt aus seinem Betrieb. Die nächste Neuerung steht kurz bevor: Bald sollen bei nächtlichen Siegerehrungen Pokale mit LED-Leuchten im Dunkeln funkeln.


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