Weiter heiß auf Medaillen

SID
Freitag, 15.02.2008 | 12:23 Uhr
Biathlon, Müssiggang, Karriere
© DPA
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Östersund - Er ist der erfolgreichste und dienstälteste Biathlon-Trainer der Welt - und weiter heiß auf Medaillen.

Die Freude am Job hat Uwe Müssiggang noch lange nicht verloren. "Die Arbeit mit den Mädels macht mir Spaß. In der jetzigen Mannschaft mit dem offenen und vertrauensvollem Klima ist es sogar ein extrem angenehmes Arbeiten.

Es sind alles Profis, die genau wissen was sie wollen, die Leistung akzeptieren und sich darüber auch gemeinsam freuen", lobte der 56-Jährige die Skijägerinnen, die in seiner Amtszeit 30 internationale Titel sowie insgesamt 61 Mal Edelmetall bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gewannen. 

Bis Olympia 2010 in Vancouver wird Müssiggang auf jeden Fall im Amt bleiben. "Danach entscheiden wir neu. Wenn ich weiter Freude habe und die Mannschaft mich will, könnte ich mir auch vorstellen, noch länger zu machen. Derzeit gibt es überhaupt keinen Grund für eine Nachfolgerdiskussion", wehrte der gebürtige Sachse alle Spekulationen ab. Allerdings klebt er trotz der lebenslangen Jobgarantie durch DSV- Sportdirektor Thomas Pfüller nicht am Posten.

Karriereende verschoben 

Eigentlich wollte der Diplomsportlehrer nach Olympia 2006 in Turin Schluss machen. Doch dann baten die Skijägerinnen den antiautoritär und um Meinungsvielfalt bemühten Bundestrainer um Dienstverlängerung. "Ich würde sofort aufhören, wenn ich die Mannschaft nicht mehr erreiche.

Jeden Tag in vergnatzte Gesichter zu sehen, das würde ich mir nicht antun. Mir würde es ohne die Arbeit nicht langweilig werden", meinte er. "Ich wäre weniger unterwegs, könnte mein Golf- Handicap verbessern und hätte mehr Zeit für die Familie, könnte unser Heim geniesen. Wir wohnen in einem alten Bauernhaus in Berchtesgaden mit Blick auf dem Watzmann wie andere im Urlaub", betonte er.

Das Abstellgleis ist leer 

Das Erfolgsrezept des Mannes mit dem grauen Vollbart ist wohl die Souveränität, die auch auch ohne Machtworte ausstrahlt. Zudem kann er gut zuhören, legt Wert auf die Meinung seiner Sportlerinnen, ist um Konsens bemüht.

"Uwe vermittelt Sicherheit und versteht es meisterhaft, mit Lob und Aufmunterung die Stärken der Sportler in den Vordergrund zu stellen. Er stellt niemanden aufs Abstellgleis. Jede bekommt bei ihm ihre Chance", urteilte Kati Wilhelm.

Gefängnis & Gabelstaplerfahrer 

Müssiggangs Lebensweg wurde durch die deutsche Teilung geprägt. Geboren im sächsischen Pirna, brachte er es als Aktiver bis zum B- Kader der ehemaligen DDR. Nach dem Studium an der DHfK in Leipzig war er Trainer in den Talentzentren der Bezirke Karl-Marx-Stadt und Dresden.

Nach einem gescheiterten Fluchtversuch seines Bruders landete er 1980 als Mitwisser für ein Jahr im Gefängnis, erhielt Berufsverbot, arbeitete fortan als Gabelstaplerfahrer in einer Gärtnerei. Erst vier Jahre später durfte er in die Bundesrepublik ausreisen.

Nach einem Intermezzo als Sportlehrer am Christopherus-Gymnasium Berchtesgaden kam er 1988 zum DSV, gewann mit den Männern bei der WM ein Jahr später zwei Medaillen, ehe er mit der Vereinigung der beiden deutschen Skiverbände Neuland bei den Frauen betrat. Bereut hat er die Entscheidung nach eigener Aussage nie.

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