Montag, 25.02.2008

DSV sucht Rohwein-Nachfolger

Nein, danke! Weißflog will nicht

Frankfurt/Main - Die Entlassung von Skisprung-Bundestrainer Peter Rohwein ist noch nicht verkündet, doch im Deutschen Skiverband (DSV) hat hinter den Kulissen bereits die fieberhafte Suche nach einem Nachfolger begonnen.

weißflog, jens
© DPA

Nachdem die ehemaligen Spitzenspringer Dieter Thoma und Jens Weißflog abgewunken haben, gelten der Schweizer Berni Schödler und Kombinations-Sprungtrainer Andreas Bauer als heißeste Anwärter auf den zum Saisonende mit größter Wahrscheinlichkeit freiwerdenden Job.

In Bauers Brust schlagen derzeit zwei Herzen. "Natürlich würde es mich reizen, in vorderster Linie zu stehen. Aber ich betreue auch ein tolles Team, mit dem ich die Olympischen Winterspiele 2010 angehen kann", sagte Bauer. Schödler, der Simon Ammann und Andreas Küttel in die Weltspitze führte, hatte schon im Vorjahr grundsätzliches Interesse bekundet.

Rohwein will Posten nicht freiwillig räumen

Dass Rohwein seinen Hut nach dreieinhalb Jahren am Saisonende nehmen muss, scheint sicher. Zu tief sind die einst als "DSV-Adler" gefeierten Skispringer gefallen. "Gemessen an den Möglichkeiten, die es in unserem Verband gibt, und an den finanziellen Möglichkeiten, sind die Leistungen ganz einfach nicht ausreichend", fällte Sportdirektor Thomas Pfüller ein vernichtendes Urteil.

Seinen Posten freiwillig räumen wird Rohwein jedoch nicht. "Ich weiß, wohin die Reise geht, denn ich unterhalte mich mit den entscheidenden Leuten. Jetzt bringe ich aber erst einmal die Saison zu Ende. Ich bin auf jeden Fall am nächsten Wochenende noch Trainer und werde auch bis zum letzten Wettkampf dieses Winters an der Schanze stehen", sagte er.

Kojonkoski auch ein Kandidat

Als Nachfolger gehandelt wird auch Norwegens Chefcoach Mika Kojonkoski, der schon einmal ganz oben auf der Wunschliste stand, seinen Vertrag aber gerade erst bis zum Frühjahr 2011 verlängert hat und deshalb sehr teuer sein dürfte. Keine Ambitionen hegt der dreimalige Olympiasieger Weißflog: "Dafür stehe ich nicht zur Verfügung", sagte der 43-Jährige.

Er warnte zugleich davor, die Ablösung Rohweins als alleiniges Heilmittel für den maladen deutschen Skisprung anzusehen. "Man kann nicht erwarten, dass ein neuer Trainer von heute auf morgen wieder Spitzenergebnisse erreicht. Er muss ja auf das Springer-Potenzial zurückgreifen, das ihm zur Verfügung steht", sagte Weißflog. Sollte es zu dem sich abzeichnenden Trainerwechsel kommen, wünscht sich Weißflog einen Fachmann mit Motivationskünsten. "Ich denke, dass wir in Deutschland Trainer mit diesem Potenzial haben", sagte der viermalige Gewinner der Vierschanzentournee.

Tausch zwischen Rohwein und Bauer?

Als einfachste Lösung erscheint ein Tausch zwischen Rohwein, der die Kombinierer von 2000 bis 2003 als Sprungtrainer betreute und zurück an die Weltspitze führte, und Bauer. Der erfolgreiche Sprungtrainer der Nordischen Kombinierer um Ronny Ackermann würde ein mögliches Engagement jedoch nur antreten, wenn die Struktur im Skisprung wieder zentralisiert wird. Rohwein, der aus dem Lager der Winter-Zweikämpfer kommt, will von solchen Denkmodellen (noch) nichts wissen: "Ich befasse mich nicht mit einer Rückkehr zu den Kombinierern. Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht."

Doch Pfüller ist nicht mehr gewillt, dem seit Monaten in der Kritik stehenden Bundestrainer weiter den Rücken zu stärken. "Peter Rohwein hat nicht alles zu verantworten, was schlecht ist. Aber er betreut die Mannschaft seit Oktober. Da kann man nicht mehr davon reden, dass es am Stützpunktsystem liegt, dass wir keine Erfolge haben", sagte Pfüller.

Angesichts des eisigen Gegenwindes verwunderte es kaum, dass Rohwein, der im Oktober 2004 den jetzigen russischen Cheftrainer Wolfgang Steiert ablöste, in Oberstdorf müde, ausgelaugt und emotionslos wirkte. "Es ist nicht relevant, ob ich in der nächsten Saison noch Bundestrainer bin. Ich habe alles für den Skisprung getan und werde es auch weiter tun, denn mein Herz schlägt für den Skisprung und den Verband. Daran wird sich nichts ändern", sagte der Allgäuer.


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