Freitag, 22.02.2008

Biathlon

BKA leitet anonyme Doping-Anzeige weiter

Hamburg - Routinemäßig hat das Bundeskriminalamt in der Affäre um den Doping-Verdacht auch gegen deutsche Sportler die anonyme Anzeige aus Österreich weitergeleitet.

Die vor einer Woche in Wien eingegangene anonyme Anzeige sei zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft in München gegeben worden, erklärte das BKA auf Anfrage.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld bestätigte, dass die Staatsanwaltschaft München I gebeten wurde, diese Anzeige im Hinblick auf die Vorwürfe im Umfeld der deutschen Biathlon-Szene zu prüfen. Ermittlungen wurden nach Angaben Schmidt-Sommerfelds noch nicht eingeleitet.

Stefan Schwarzbach, Sprecher des Deutschen Skiverbandes (DSV), begrüßte das Vorgehen: "Wir sind daran interessiert, dass so schnell wie möglich ermittelt wird." Der DSV hatte im Zuge der Doping-Verdächtigungen gegen deutsche Biathleten Anzeige gegen Unbekannt gestellt.

Unterdessen haben einige der in der anonymen Anzeige namentlich genannten ehemaligen deutschen Biathleten nach Verbands-Angaben eine erweiterte Eidesstattliche Erklärung abgegeben. Vor dem Abflug zu den Weltcup-Rennen nach Südkorea sollten auch die aktiven deutschen Skijäger das Schriftstück unterschreiben.

Keine schwache Erklärung 

"Ich habe mit jedem Biathleten telefoniert", sagte Franz Steinle, der für Rechtsfragen zustände Vize-Präsident im DSV. Der Präsident des Landgerichts Stuttgart stellte fest: "Wir tun alles, um den Verdacht zu entkräften und stehen trotzdem unter Verdacht. Das tut weh."

In der neuen Eidesstattlichen Erklärung stellen die Biathleten fest, dass sie weder "Blutdoping oder vergleichbare unerlaubte Leistungsmanipulationen des menschlichen Körpers" vorgenommen haben oder vornehmen haben lassen.

Anwalt Michael Lehner warf allerdings die Frage auf: "Warum wird nicht festgestellt: Ich habe niemals in meinem Leben verbotene Substanzen der Dopingliste zu mir genommen oder ich habe niemals gedopt."

Der in Doping-Fragen versierte Jurist stellte aber auch fest: "Das ist keine schwache Erklärung." Blutdoping oder vergleichbare unerlaubte Leistungsmanipulation gilt im Ausdauersport als wichtigste Doping-Praxis.

DSV baut auf medizinische Datenbank 

"Die Erklärung ist auch unter juristischen Gesichtspunkten formuliert. Sie beinhaltet nach Auskunft des Ski-Verbandes die Aussage der Athleten, nicht gedopt zu haben", sagte Gerd Graus, der Sprecher des Deutschen Olympischen SportBundes (DOSB).

Dass sie nie gedopt haben oder dopen, haben die Skisportler bereits in ihrer Aktivenvereinbarung festgestellt. Außerdem haben sie eine Erklärung unterschrieben, in der sie darlegen, dass sie "sportliche Leistungen stets sauber und frei von jeglicher unerlaubter Manipulation erbringen".

Bei dennoch aufkommendem Verdacht müssen sie "aktiv dazu beitragen, diesen unverzüglich und überzeugend zu widerlegen". Im seinem Anti-Doping-Kampf baut der DSV eine medizinische Datenbank an der Abteilung für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der Technischen Universität München auf. Dort werden die Laborwerte aller Kaderathleten erfasst.

Unterstützung aus der Politik 

Bei Athleten in den Ausdauerdisziplinen Skilanglauf, Biathlon und Nordische Kombination werden hämatologische Profile erstellt. Die Messung der Hämoglobinmasse stellt derzeit eine Möglichkeit dar, Anhaltspunkte für eventuelle Blutmanipulationen zu bekommen.

In der Affäre um die anonyme Anzeige gab es nun auch Unterstützung aus der Politik. "Wir begrüßen ausdrücklich, dass sich alle Fraktionen des Sportausschusses hinter die Sportler stellen und die Unschuldsvermutung gilt", erklärte der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus Riegert.

"Damit bläst die Sportpolitik nicht in das Horn derjenigen, die im Zusammenhang mit der Doping-Problematik jegliche Differenzierung aufgeben und den gesamten Sport diffamieren. Bevor Vorverurteilungen ausgesprochen werden, ist zunächst das Ergebnis der Ermittlungen abzuwarten."


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