Dienstag, 26.02.2008

Maria Riesch exklusiv

"Ein Star sein ist cool"

München - So ein bisschen wie in einem Verhörzimmer sitzt Maria Riesch da und gibt Interviews über ihr neues Buch. Wie eine Verhörte sieht sie aber nicht aus. Sie ist gut gelaunt und stellt sich geduldig allen Fragen.

riesch, maria
© Imago

Wirklich allen Fragen? Das wollte SPOX.com genauer wissen und hat mit der 23-Jährigen nicht nur über den Skisport gesprochen sondern auch über "Schmierfinken" von der Presse, den sympathischen Herrn Kahn, Soap Operas, Nacktfotos im Playboy und die Stellung "pinkelnder Hund". Und dann ist da noch die Sache mit dem Poesie-Album.

SPOX: Ihr Buch heißt "Abgefahren". Was war das letzte Abgefahrene, das Sie getan haben?

Maria Riesch: Ich mache den ganzen Winter über abgefahrene Sachen, wenn ich mich die wildesten Pisten herunter stürze. Skifahren ist Extremsport. Der Titel passt aber auch zu mir. Ich bin ein bisschen abgefahren, mache verrückte Sachen. Außerdem bin ich immer cool drauf.

SPOX: Was für verrückte Sachen machen Sie?

Riesch: Hauptsächlich das Skifahren natürlich. Andere Dinge wie zum Beispiel Base Jumping sind mir zu krass. Einmal habe ich Bungee Jumping gemacht. Das war zwar ganz okay, aber das muss ich nicht noch mal haben.

SPOX: Wie verrückt muss man sein, um sich eine Abfahrt mit 130 km/h runterzustürzen?

Riesch: Man wächst da eben rein. Man fängt als Kind an und steigert sich immer weiter. Irgendwann gehören die Geschwindigkeiten einfach dazu. Im Auto kommen mir 130 km/h überhaupt nicht schnell vor, auf Skiern ist das dagegen ein besonderer Kick.

SPOX: Nach ihrem Sieg in der Super-Kombination in Whistler Mountain ist jetzt sogar wieder der große Traum vom Sieg im Gesamtweltcup in Reichweite.

Riesch: Ich genieße es, noch im Rennen zu sein. Allerdings mache ich mir nicht den Druck, den Weltcup unbedingt gewinnen zu müssen. Es wäre schon toll, wenn ich Dritte bleibe.

SPOX: Sind Sie jetzt wieder genauso stark wie vor den Verletzungen?

Riesch: Noch stärker sogar. Ich fahre diese Saison abgesehen vom Riesenslalom sehr konstant. Ich bin wirklich froh, dass es so gut läuft.

SPOX: Sie haben zwei Jahre lang die Kehrseite des Sports erlebt, als Sie schwer verletzt waren. Waren die Jahre komplett verloren?

Riesch: Ich glaube, dass es nichts Schlechtes gibt, das nicht irgendwo auch etwas Gutes bewirkt. Ich denke, dass ich mich in dieser Zeit charakterlich sehr positiv entwickelt habe. Ich bin professioneller geworden, vor allem beim Training im Sommer.

SPOX: Wie oft haben Sie ans Aufhören gedacht?

Riesch: Nicht sehr oft. Beim ersten Kreuzbandriss gar nicht, beim zweiten auch nicht direkt. Ich hatte eher Angst, dass es nichts mehr wird, dass das Knie nicht mehr mitmacht.

SPOX: Würden Sie noch einmal so eine Leidenszeit durchstehen?

Riesch: Müsste ich wohl. Ich habe im Moment einfach keinen Bock auf irgendwas anderes als Skifahren. Mit solchen Gedanken befasse ich mich aber gar nicht.

SPOX: Können Sie mir als Nicht-Skifahrer die Faszination des Skifahrens erklären?

Riesch: Da muss man unterscheiden zwischen dem Hobby-Skifahrer und dem Rennfahrer. Mir wäre zum Beispiel Skiurlaub zu langweilig. Da ist es dann nämlich so, dass ganz viele Touristen auf der Piste sind, die mir im Weg herumstehen. Das ist nichts für mich. Ich bin Rennfahrerin. Immer Vollgas, so schnell es geht. Das ist die Faszination für mich.

SPOX: In Ihrem Buch geben Sie auch Trainings-Tipps. Darunter die Übung mit dem netten Namen "pinkelnder Hund".

Riesch: Naja, die Übung, bei der man auf allen Vieren kniet und ein Bein seitlich anhebt, sieht halt so aus. Auf meinem Trainingsplan steht der "pinkelnde Hund" aber nicht.

SPOX: Mögen Sie die Medien?

Riesch: Wenn sie nett über mich schreiben.

Maria Riesch liegt auf Platz 3 im Weltcup
Maria Riesch liegt auf Platz 3 im Weltcup
© Getty

SPOX: Kommt das nicht so oft vor?

Riesch: In Deutschland ist das so eine Sache. Wenn alles gut läuft, dann ist man der Held. Wenn es vermeintlich nicht ganz so toll läuft, was ja auch immer Ansichtssache ist, wird das nicht gut dargestellt. Es ist ärgerlich, wenn man selbst vielleicht gar nicht unzufrieden ist, dann aber lesen muss: Schon wieder nur siebter Platz, oder so. Ich kann nicht jedes Mal aufs Podium fahren.

SPOX: Dennoch könnten wir irgendwann mal Kollegen werden.

Riesch (lacht): Ja, vielleicht gehöre ich auch irgendwann einmal zu den "Schmierfinken". Schon in der Schule hat mir das Schreiben gelegen. Genaue Gedanken habe ich mir dazu aber noch nicht gemacht.

SPOX: Wären Sie gerne noch berühmter?

Riesch: Ein Star sein ist cool. Ich fühle mich aber schon ganz gut, so wie es jetzt bei mir ist.

SPOX: Das heißt, Ihnen genügen sportliche Schlagzeilen.

Riesch: Mich hat auch der Playboy schon gefragt, ob ich nicht Nacktfotos machen will. Mit so etwas hätte ich natürlich sofort eine riesige Schlagzeile. Aber das brauche ich nicht.

SPOX: Auch nicht, um im Gespräch zu bleiben, wenn die sportlichen Erfolge irgendwann mal ausbleiben?

Riesch: Genau das ist doch schrecklich, wenn die Leute sagen: Schau, jetzt reißt sie nichts mehr, jetzt muss sie sich nackig machen. Das ist peinlich.

SPOX: Zum Schluss noch ein paar Einträge ins Poesiealbum, um die Person Maria Riesch besser kennenzulernen. Lieblingsessen?

Riesch: Nudeln, Pizza, Kässpatzn, aber nur die von meiner Oma.

SPOX: Lieblingsgetränk?

Riesch: Apfelsaftschorle.

SPOX: Das sagen alle Sportler.

Riesch: Es ist aber so. Ab und zu trinke ich auch gerne mal einen Milchshake.

SPOX: Und was ist mit Alkohol?

Riesch: Im Winter fast gar nicht. Wenn im Sommer mal eine Party ist, dann trinke ich schon einmal einen über den Durst. Aber wenn man so selten etwas trinkt wie ich, dann verträgt man auch nichts.

SPOX: Lieblingssänger, Lieblingsmusik?

Riesch: Charts, Rock und Pop. Green Day oder Nazareth. Bloß nichts Elektronisches.

SPOX: Lieblingsschauspieler, Lieblingsfilm?

Riesch: Til Schweiger. Keinohrhasen.

SPOX: Lieblingsbuch, Lieblingsschriftsteller?

Riesch: Alles von John Grisham.

SPOX: Lieblingstier?

Riesch: Katze.

SPOX: Hobbies? Außer Skifahren natürlich.

Riesch: Lesen, Kino, DVD, Tennis.

SPOX: Fan von?

Riesch: Oliver Kahn. Ich habe ihn mal persönlich kennen gelernt und ihn als total netten und freundlichen Menschen erlebt. Seitdem halte ich ihn für einen super Typen, der es bestimmt auch nicht immer leicht hat.

SPOX: Jetzt haben Sie durch unser Interview Ihre geliebten Soap Operas verpasst.

Riesch: Stimmt. Wie ist es denn ausgegangen?

SPOX: Wollen Sie sich das nicht lieber auf DVD anschauen?

Riesch: Nein. Ich kann doch nicht jede Folge aufnehmen, die ich verpasse. Da komme ich mit dem schauen nicht mehr hinterher. 

Interview: Alexander Mey

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