Mittwoch, 06.02.2008

Andreas Goldberger exklusiv

Von guten Genen und Unterhöschen

München - Überflieger, Weitenjäger, Liebling der Massen und dennoch kein Stück weit abgehoben: Andreas Goldberger. 

Skispringen, Goldberger
© Getty

Kurz nach überstandenem Leistenbruch steht der rastlose Österreicher wieder auf den Füßen und verrät SPOX.com, womit er sich die Zeit nach seiner Springer-Karriere vertreibt, wie er die Rivalität zwischen Deutschland und Österreich einschätzt und was er schon alles im Briefkasten gefunden hat.

SPOX: Herr Goldberger, warum waren Sie denn nicht im australischen Dschungel? RTL hat Sie doch angerufen.
Andreas Goldberger: Ne, das ist nix für mich. Ich habe ja nicht einmal gewusst, was das überhaupt ist. Ich habe mir das mal angeschaut und dann habe ich gedacht, dass das nicht in Frage kommt.

SPOX: Ihr Manager, Edi Federer, hat über Sie gesagt: "Andi wird mit 35 noch ausschauen wie mit 16." Jetzt sind Sie 35. Was sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel blicken - einen 35-Jährigen oder einen 16-Jährigen?
Goldberger: Einen 35-Jährigen. Klar bin ich gern lustig und offen, das ist mein Naturell. Vielleicht schaue ich auch ein bisschen jünger aus. Das liegt aber primär an den guten Genen, denn meine beiden Omas sind 99 Jahre alt geworden.

SPOX: Sven Hannawald meinte, dass es ihm nach seiner Karriere ein bisschen langweilig war...
Goldberger: Davon bin ich weit weg. Ich versuche jetzt viele Sachen, die ich als Aktiver nicht machen konnte. Als Sportler lebt man im Endeffekt Tag für Tag nur für den Sport. Nun gehe ich Langlaufen, habe mich beim Tennisklub und beim Squashklub angemeldet und gehe Skifahren. Ab und zu gehe ich noch Skispringen und außerdem versuche ich, jungen Leuten das Skispringen beizubringen. Außerdem arbeite ich beim österreichischen Fernsehen und ich habe mich selbständig gemacht. Es ist schön, Aufgaben zu haben, damit es einem nicht so geht, wie es Sven ging. Der hat irgendwie den Sinn verloren.

SPOX: Geht Ihnen das Springerdasein ein bisschen ab?
Goldberger: Nein, gar nicht. Weil ich nach wie vor ab und zu springe, aber eben nur, wenn's mir taugt.

SPOX: Haben Sie eine Gesangskarriere geplant?
Goldberger: Nein. Wer mich mal singen gehört hat, der weiß warum. Ich habe mit einem Bekannten von mir ein Lied aufgenommen, der mich gefragt hat, ob ich mitmachen mag. Und da habe ich ein paar Takte mitgezwitschert.

Er kann's nicht lassen. Andreas Goldberger fungiert als Vorspringer mit Helmkamera.
Er kann's nicht lassen. Andreas Goldberger fungiert als Vorspringer mit Helmkamera.
© Getty

SPOX: Auf welche Musik stehen Sie privat?
Goldberger: Hauptsache rockig. Ich bin totaler Fan der Toten Hosen. Da war ich schon auf fünf oder sechs Konzerten. Denen live zuzuschauen, ist einfach total cool.

SPOX: Wie wäre es mit einer Tanzkarriere? Sie haben bei der Show "Dancing Stars" mitgemacht.
Goldberger: Am Anfang hat mir das überhaupt keinen Spaß gemacht. Ich hab null Musikgehör, habe das vorher nie gemacht und dann war das schon beinhart und extrem anstrengend für mich. Aber wenn man merkt, dass man dazulernt, dann wird das schon lustig. Ich bin dann Zweiter geworden und habe gemerkt, dass man alles lernen kann, wenn man nur will.

SPOX: Sie sind in Österreich nach wie vor ein Idol.
Goldberger: Ja schon. Aber Trainer zum Beispiel wäre nicht meine Sache. Ich mag es lieber, mich um die Zukunft zu kümmern und Kinder bei Talentwettbewerben zu animieren. Thomas Morgenstern ist bei so etwas rausgekommen.

SPOX: Wie empfinden Sie denn die Rivalität zwischen Österreich und Deutschland?
Goldberger: Das ist schon immer ein ganz besonderer Wettkampf. Aber ich glaube, dass es für die Österreicher ganz wichtig wäre, wenn die Deutschen erfolgreich wären. Es muss ja nicht gleich so sein, dass die Deutschen wie bei Hannawald und Schmitt alles gewinnen. Aber als wir damals mit Jens Weißflog und Dieter Thoma gekämpft haben, das war schon lässig.

SPOX: Überraschende Worte. Warum ist der Erfolg der Deutschen wichtig?
Goldberger: Es wäre aus vielerlei Gründen wichtig, dass da wieder etwas vorwärts geht. Denn dort sitzen Skifirmen und auch die Fernsehübertragungen sind entscheidend. Logisch taugt's einem Österreicher, wenn er einen Deutschen schlägt. Wenn wir gewinnen und ein Deutscher ist 15., dann ist das irgendwie nicht gut, aber wenn wir gewinnen und ein Deutscher ist Zweiter, dann ist das wieder gut. Österreich und der Skisprungsport profitiert ja auch davon, wenn die Deutschen gut sind.

SPOX: Was waren denn Weißflog und Thoma für Typen?
Goldberger: Ich bin mit den Deutschen immer super ausgekommen. Mit Christoph Duffner oder Hans-Jörg Jäkle habe ich auch privat viel gemacht. Weißflog fand ich sportlich und menschlich schon immer einen super Typen. Dieter Thoma war ein ganz anderer Charakter. Aber beide waren total lässige Typen, die polarisieren können. Gerade Thoma kann sich mal richtig ärgern oder einem mal die Meinung sagen. Ich bin brutal gern mit denen gesprungen. Das war immer spannend, weil man nicht den Hochnäsigen raushängen lassen konnte, denn beim nächsten Mal hat das Ergebnis wieder ganz anders ausgeschaut.

SPOX: Kein Interview mit Andi Goldberger, ohne dass ich auf Frauen zu sprechen komme. Haben Sie immer noch Verehrerinnen, wohin Sie auch kommen?
Goldberger (lacht): Es ist sicher nicht mehr ganz so wie früher. Aber klar hat man es gern, wenn man angeschwärmt wird. Aber ich bin keiner, der irgendwo durchstolziert. Ich versuche da, ganz normal zu sein. Das ist jetzt schon auch noch eine Anerkennung, wenn ich die Fanpost lese und so was drinnen steht wie: "Du bist nett" und "I mog Di gern." Es gibt ja auch für jede Frau nix Schöneres, wenn man ihr sagt "Du bist a Fesche" oder "Du bist a Liabe".

SPOX: War da mal was Skurriles dabei?
Goldberger: Ja, ein Unterhöschen ist da schon mal drinnen gewesen. Es kam auch mal vor, dass einfach ein Mädchen vor der Haustür stand, die eine Zweitagesreise auf sich genommen hat. Selber kann man sich gar nicht vorstellen, dass man das macht. Aber zum Beispiel in Villingen kommt das ganz oft vor, dass Mädchen dort in Zelten übernachten, nur um in der ersten Reihe zu stehen. Das muss man absolut respektieren, denn es gibt als Springer nichts Tolleres, als irgendwo zu springen, wo haufenweise Menschen unten stehen.

Interview: Richard Rother

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