Skispringen

Tournee der Schmerzen für Uhrmann

SID
Donnerstag, 03.01.2008 | 12:46 Uhr
Michael, Uhrmann
© DPA
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Innsbruck - Frust statt neuer Lust: Für Michael Uhrmann ist die Vierschanzentournee eine Tour der Leiden.

Elf Monate nach seinem schweren Sturz bei der Weltmeisterschaft in Sapporo ringt der Bayer bislang vergeblich um den Anschluss an die Weltspitze, die er in der vergangenen Saison mitbestimmt hatte.

Sowohl in Oberstdorf als auch in Garmisch-Partenkirchen verpasste der 29-Jährige das Finale und stand dicht davor, zur Halbzeit das Handtuch zu werfen. "Wir haben darüber geredet, ihn rauszunehmen. Aber er muss sich durchbeißen", sagte Bundestrainer Peter Rohwein.

Das 3. Tournee-Springen in Innsbruck, Freitag, 13.45 Uhr im SPOX-LIVE-TICKER 

Ständig Schmerzen

Die Folgen des Trümmerbruches im Fuß, durch den Uhrmann für mehrere Monate ausgeschaltet war und seine Karriere sogar in Gefahr geriet, sind immer noch spürbar. Schmerzen sind sein ständiger Wegbegleiter, an der Schanze bewegt er sich oft noch humpelnd. Hinzu kommen Fitnessprobleme.

"Ich habe körperlich einfach Defizite, die ich nicht verschludert habe, sondern die durch die Verletzung entstanden sind. Ich habe nicht die Muskulatur im rechten Bein wie ich sie vorher hatte und dadurch nicht das Gefühl, dass ich den Ansatz der Absprungbewegung absolut explosiv machen kann", beschreibt Uhrmann seinen Zustand.

Rückkehr mit vollen Hosen

Schon der Weg zurück war steinig und schwer. Nach der Operation musste der Olympia-Vierte drei Monate lang an Krücken gehen. Mit eisernem Willen quälte er sich durch die Rehabilitation, während dieser Zeit arbeitete er viel mit dem Psychologen Jan Meyer zusammen. Im September wagte er sich "mit vollen Hosen" erstmals wieder auf die Schanze.

"Vor den ersten Sprüngen wusste ich nicht, ob ich den Sport weiter ausüben kann", berichtete Uhrmann. Bei den ersten Versuchen von der Großschanze sei er sogar völlig überfordert gewesen. "Ich war vorsichtig, ängstlich, total unsicher. Das ist mir extrem schwer gefallen", erzählte der Familienvater.

Kurz vor Weihnachten schnupperte er mit Platz sechs beim Weltcup in Engelberg erstmals wieder Höhenluft. Doch Uhrmann bremste schon dort die aufkommende Euphorie und wurde bei der Vierschanzentournee in seiner Skepsis bestätigt. "Meine Formkurve verläuft in Wellen. Ich bin mit meinen bisherigen Leistungen natürlich nicht glücklich. Aber ich glaube, jeder versteht meine Situation. Von mir werden Top-Ergebnisse erhofft, aber nicht eingefordert", sagte Uhrmann.

Nix verlernt

Aufgrund seiner Vorgeschichte genießt er derzeit im Team einen Sonderstatus. "Er braucht einfach Zeit", appellierte DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller. Der Bundestrainer ist gewillt, ihm diese zu geben.

"Seine momentanen Leistungen entsprechen nicht seinem Standard. Bei ihm ist das eine Gratwanderung, es läuft auf Messers Schneide. Zweimal ist er auf die negative Seite runtergefallen. Ich hoffe, dass es bald zur positiven Seite tendiert", sagte Rohwein. Uhrmann selbst gibt sich kämpferisch: "Ich bin nicht am Boden zerstört. Ich habe das Skispringen nicht verlernt."

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