Weltcup-Führende siegt über 7,5 Kilometer

Kati Wilhelm gewinnt Sprint in Antholz

SID
Donnerstag, 17.01.2008 | 15:26 Uhr
wilhelm, kati
© Getty
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Antholz - Kati Wilhelm hat mit Wut im Bauch beim von Doping-Wirbel überschatteten Weltcup in Antholz ihren ersten Saisonsieg erkämpft.

Die dreimalige Olympiasiegerin aus Zella-Mehlis krönte eine Glanzleistung der nervenstarken deutschen Mannschaft und baute nach dem 17. Tagessieg ihrer Laufbahn die Führung im Gesamtweltcup aus. Als Zweite mit nur 10,5 Sekunden Rückstand wiederholte die ebenfalls fehlerfrei schießende Andrea Henkel (Großbreitenbach) ihr bestes Saisonresultat.

Platz drei ging mit 26,9 Sekunden Rückstand an die Russin Swetlana Slepzowa. "Das war heute ein geniales Rennen. Es war nicht leicht, den Kopf frei zu bekommen, auch wenn wir wissen, dass wir von den Dopingvermutungen nicht betroffen sind", sagte Wilhelm.

Pauschalverdächtigungen sehr schädlich 

Das erstklassige Mannschaftsergebnis der deutschen Damen, die alle unter den ersten 20 landeten, komplettierten vor 6000 Zuschauern in der Südtirol-Arena Simone Denkinger (Gosheim) als Fünfte, Magdalena Neuner (Wallgau) auf dem achten Platz und Sabrina Buchholz (Oberhof) auf Rang neun.

"Hut ab vor den Mädchen. So ein überragendes Mannschaftsergebnis ist angesichts der Gerüchte und Unruhe der vergangenen Tage mehr als gut. Das ging alles nicht spurlos an ihnen vorüber. Heute haben sie gezeigt, dass sie echte Athletinnen sind", lobte Bundestrainer Uwe Müssiggang

Noch vor dem Rennen hatte sich Moderator Michael Antwerpes offiziell im Namen der ARD für die journalistische Fehlleistung mit nicht durch klare Fakten unterlegten Pauschalverdächtigungen entschuldigt. "Es ist nicht vertretbar und mit unserer Berufsauffassung nicht vereinbar, wenn solche Pauschalverdächtigungen erhoben werden, ohne dafür belegbare und nachprüfbare Fakten zu haben", erklärte Antwerpes.

Wie ein Nebelschleier auf der Stimmung

Trotzdem hatten sich in Antholz die Gerüchte um Dopingverstrickungen von Skijägern verschiedener Nationen wie ein Nebelschleier auf die Stimmung des gesamten Weltcup-Trosses gelegt.

"Wenn an der Vermutungen etwas dran ist, sollten endlich Namen auf den Tisch gelegt werden. Die Ungewissheit drückt mächtig auf die Stimmung und belastet natürlich auch die Aktiven", sagte Männer-Bundestrainer Frank Ullrich. Er wiederholte seine Überzeugung, dass aus der deutschen Mannschaft niemand betroffen ist. Die teilt auch der Ruhpoldinger Wolfgang Pichler als Auswahltrainer der Schweden.

"So dumm können die Deutschen doch gar nicht sein", sagte er. "Allerdings denke ich aber auch, dass an den Gerüchten etwas dran ist. Ich nenne keine Namen, doch ich habe in diesem Winter schon einige Sportler anderer Nationen so die Berge hochstürmen sehen, dass ich mir verwundert die Augen gerieben habe. Und ich bin schon einige Jahre im Geschäft", sagte der bayerische Zöllner - und forderte wie praktisch alle Aktiven und Betreuer des Weltcup-Trosses "Ross und Reiter" zu nennen: "Die Ungewissheit schadet dem gesamten Biathlon-Sport."

Keine belastenden Faktoren 

Die "Wiener-Blut-Affäre" hat im Weltcup-Gründungsort zu einem Ansturm von Fernseh-Teams vor allem aus Skandinavien gesorgt. "Natürlich haben die Meldungen auch bei uns ein großes Echo gefunden. Wir haben extra deswegen ein weiteres Team eingeflogen", berichtete der norwegische Fernseh-Reporter Jon Hervig Carlsson. Auch bei der Internationalen Biathlon-Union (IBU) gab es besorgte Anrufe von Sponsoren, die sich bei einem Doping-Netzwerk zurückziehen würden.

"Uns liegen derzeit aber keine belastbaren Fakten vor", erklärte Peer Lange, der IBU-Kommunikationsdirektor. IBU-Generalsekretär Michael Geistlinger dementierte eine Pressemeldung der vergangenen Woche, die Biathlon-Union wolle die Hämoglobin-Grenzwerte bei den Blutkontrollen abschaffen.

Namen sollen genannt werden 

"Wir planen im Gegenteil differenziertere Grenzwerte, angepasst dem individuellen Wert jedes Athleten. So können wir auffällige Veränderungen besser feststellen und sanktionieren", betonte der Salzburger Professor.

Unterdessen hat der schwedische Mediziner Bengt Saltin, der frühere Vorsitzende des medizinischen Komitees des Welt-Skiverbandes FIS, gegenüber dem schwedischen Fernsehen neues Öl ins Feuer gegossen.

Er wisse von aktiven Biathleten, die in Blutmanipulationen in drei österreichischen Labors verstrickt seinen. Namen nannte er nicht. "Ich gehe aber davon aus, dass sie demnächst bekannt werden", sagte Saltin, der seit Jahren mit dem DSV im Clinch liegt.

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