"Ich habe nur von meinem Talent gelebt"

Von Interview: Daniel Börlein
Mittwoch, 24.10.2007 | 15:15 Uhr
© Getty
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München - Er ist die große Hoffnung der deutschen Ski-Herren - die einzige. Und alle wissen das.

Der DSV, der zur offiziellen Saisoneröffnung bei Hauptsponsor Audi in Ingolstadt erst gar keine anderen Fahrer mitbrachte. Die Medienvertreter, die sich bei eben jener Veranstaltung um den 23-Jährigen scharrten. Und auch Neureuther selbst, weiß das. Artig stellte er sich den Fragen der Journalisten und dozierte über Saisonziele und Erwartungen.

Im Interview mit SPOX.com spricht Neureuther zudem über den Abstand zur Weltspitze, seine Traumfrau und was ihn so richtig sauer werden lässt.

SPOX: Sie waren im Sommer mit Bode Miller und Aksel Lund Svindal in Neuseeland im Trainingslager. Was haben Sie von diesen Top-Fahrern gelernt - abseits der Piste?

Felix Neureuther: Von Aksel habe ich sehr viel Professionalität gelernt. Er ist schon extrem fokussiert, ordnet alles dem Skisport unter. Bode ist da fast schon das Gegenteil. Der ist schon auch mal für einen Schmarrn zu haben.

SPOX: Es heißt, er lässt es nach dem Training schon gerne mal krachen.

Neureuther: Naja, ab und zu geht er vielleicht schon mal steil. Allerdings ist es nicht so extrem, wie immer erzählt wird. Er hat in dieser Saison noch überhaupt keinen Alkohol getrunken - hat er mir zumindest gesagt (lacht). Er ist ein super Typ, sehr umgänglich und einfach sehr sympathisch.

SPOX: Und was haben Sie von beiden auf der Piste gelernt?

Neureuther: Jeder hat seinen eigenen Stil, den man auch pflegen sollte. Man sollte versuchen, mit seinem eigenen Stil so viel rauszuholen, wie nur möglich ist. Aber es ist schon wichtig, mit solchen Top-Leuten zu trainieren, weil man immer den direkten Vergleich hat. Dadurch hat man dann den Ansporn, auch im Training immer alles zu geben.

SPOX: Sie hatten also den Vergleich mit der Weltspitze, wie weit sind Sie davon noch entfernt?

Neureuther: Ich bin nicht weit weg.

SPOX: Das heißt, Sie können in dieser Saison ganz vorne angreifen?

Neureuther: Es muss natürlich vieles zusammenpassen. Man muss gesund bleiben, einen guten Tag haben. Aber bisher sieht es ganz gut aus.

SPOX: Wenn es um Felix Neureuther geht, wird auch immer wieder der Vergleich mit Ihren Eltern gezogen. Nervt Sie das?

Neureuther: Teilweise nervt es schon. Aber damit muss ich eben umgehen. Damit bin ich ja auch schon groß geworden. Jeder hat auch wegen meiner Eltern immer auf mich geschaut. Deswegen stört es mich jetzt nicht mehr so extrem. Aber es macht das Ganze natürlich nicht unbedingt einfacher für mich.

SPOX: Ist Ihr Leistungsvermögen Ergebnis harter Arbeit oder auf Talent zurückzuführen, das Ihnen in die Wiege gelegt wurde?

Neureuther: Am Anfang habe ich nur von meinem Talent gelebt, muss ich zugeben. Dann bin ich ein paar Mal ausgeschieden und es ist nicht so besonders gut gelaufen. Und dann habe ich gemerkt: jetzt muss ich auch mal was für den Erfolg tun. Wenn man da vorne mitmischen will, muss man ein gewisses Talent mitbringen, aber auch verdammt hart arbeiten. Und mittlerweile habe ich gelernt, dass harte Arbeit dazu gehört.

SPOX: Von den Eltern gibt's sicherlich auch manchmal Kritik?

Neureuther: Ja, das kommt schon mal vor. Allerdings geht's nicht immer so sehr ums Skifahren, wenn wir während der Saison miteinander sprechen

SPOX: Worum geht es denn dann?

Neureuther: Ums Ski fahren geht es eigentlich eher selten. Da wird eigentlich meistens nur gefragt: "Und, wie war's?" Dann sage ich meistens: "Ja, ganz gut." Und das war's dann schon. Meistens wird dann über andere Sachen geredet: Wie es meiner Schwester in Berlin geht, zum Beispiel. Oder wie es mir eben geht. Vor allem die Mama hält sich in Sachen Ski fahren eigentlich komplett raus.

SPOX: Sie gelten als lockerer Typ, als Spaßvogel. Wann werden Sie mal sauer?

Neureuther: Wenn jemand sagt: "Nur weil er Neureuther heißt." Das macht mich richtig sauer. Und mit Leuten, die so etwas sagen, will ich auch nichts mehr zu tun haben. Aber generell bin ich sicher nicht mehr so der Halodri, wie das schon mal der Fall war. Man wird ja auch reifer und älter. Aber ich habe immer meinen Spaß gehabt und den nehme ich jetzt mit auf die Piste.

SPOX: Sie sind ein Sonnyboy, der bei der Frauenwelt ganz gut ankommt. Wie sieht ihr perfektes Frauenbild aus?

Neureuther: So wie Heidi Klum, ganz klar. Ich kenne Sie zwar nicht persönlich, aber rein äußerlich sieht sie einfach verdammt gut aus. Da kann man immer wieder hinschauen.

SPOX: Zum Sportlichen: Wie lauten die Ziele für die anstehende Saison?

Neureuther: Ich bin letzte Saison Zweiter und Dritter geworden. Ein Platz weiter oben fehlt noch. Das wäre ein Traum.

SPOX: Sie fahren immer mit hohem Risiko. Wird sich daran was ändern?

Neureuther: Wenn man total sicher runter fährt, gewinnt man keinen Blumentopf. Man muss ein Mittel zwischen Sicherheit und Angriff finden. Das habe ich in den letzten Jahren auch gelernt. Aber ich werde sicher noch weiter Gas geben und hoffen, dass ich durchkomme.

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