UFC

Khabib Nurmagomedov vs. Conor McGregor: Das Head-to-Head vor UFC 229

Von SPOX
Conor McGregor (r.) und Khabib Nurmagomedov (l.) treten im Octagon gegeneinander an.
© spox

Khabib Nurmagomedov trifft in Las Vegas auf Conor McGregor (So., 4 Uhr live auf DAZN). SPOX hat im Vorfeld von UFC 229 beide Kämpfer auf Herz und Nieren geprüft.

Wo haben Khabib Nurmagomedov und Conor McGregor ihre Stärken und Schwächen?

Die Erfahrung:

Conor McGregor und Khabib Nurmagomedov sind beide 30 Jahre alt. McGregor hat 24 Profi-Kämpfe bestritten, Khabib 26. Beide sind somit keinesfalls unerfahren, aber auch keine alten Hasen im Business der UFC. Während McGregor seine größte Entwicklung vor 2016 absolvierte, kam Khabib zu diesem Zeitpunkt richtig ins Rollen.

Fraglich ist bei McGregor der Octagon-Rost. Seit November 2016 war er nicht mehr als MMA-Kämpfer gefordert, zwischendurch boxte er gegen Floyd Mayweather. Khabib hingegen steht nach schweren Zeiten aufgrund von diversen Verletzungen voll im Saft und war zuletzt am 7. April dieses Jahres im Einsatz.

SPOX-Urteil: Unentschieden

Das Stand-Up:

Hier sollte der große Vorteil von McGregor liegen. Nicht nur, dass er bereits in seinen letzten Kämpfen der UFC ein herausragendes Striking präsentierte, der Ire dürfte auch bei seinem Ausflug ins Boxen weiter an Erfahrung gewonnen haben.

Keine guten Nachrichten für Khabib, ist McGregor doch ohnehin schon einer der besten Stand-Up-Kämpfer der MMA gewesen. Er hält stets einen sicheren Abstand zum Gegner. Überschreitet dieser eine gedachte Linie, fängt er sich einen Jab oder einen Tritt ein.

McGregor hantiert ideal mit der Distanz zum Gegner und spielt dabei seine gute Armreichweite aus. Dabei basiert ein Großteil seiner Aktionen darauf, den Gegner für den scharfen linken Hook vorzubereiten, die schon manchem Gegner das Licht ausgeknipst hat.

Dabei setzt McGregor auf eine gute Fußarbeit, die den Gegner immer wieder in Schlagweite lockt, um dann auf halber Distanz mit der Faust einen Treffer zu landen. McGregor macht das sehr gut und hat Khabib einiges voraus.

Was für den Russen allerdings zum Vorteil werden könnte, ist seine beharrliche und sehr direkte Art. Khabib marschiert im Octagon vorwärts und verkürzt aktiv die Distanz zu seinem Gegner. Dann muss sich McGregor rückwärts bewegen, verliert Raum und kann eventuell seine gute Takedown-Defense nicht immer ausspielen.

Hier muss Khabib ansetzen, McGregor die Kontrolle über den Kampf nehmen, auf Nahdistanz kommen und dann seine gute Mischung aus Strikes und Grappling einsetzen.

SPOX-Urteil: Vorteil McGregor

Der Clinch:

Kommt Khabib in den Clinch, wird es unangenehm für den Gegner. Nicht nur, dass der Russe mit 21 Takedowns in 15 Minuten einen UFC-Rekord aufgestellt hat, seine Takedowns sind obendrein auch enorm kraftvoll und rauben jedem Kontrahenten beim Aufprall kurz Orientierung und Luft.

Das ist auch das große Ziel Khabibs im Clinch. Kommt er auf diese Distanz, versucht er stets, den Kampf auf den Boden zu verlagern. McGregor hingegen wird sich als Ziel gesetzt haben, dem Clinch schnell wieder zu entkommen und die Mitteldistanz herzustellen.

Dabei überzeugte The Notorious in der Vergangenheit mit einer ordentlichen bis guten Takedown-Defense. Er hat eine gute Balance, hält sich auf den Füßen und flutscht dann wie ein Fisch aus dem versuchten Body Lock seines Gegners.

SPOX-Urteil: Unentschieden

Das Grappling:

Kann sich McGregor den Takedowns seines Gegners nicht erwehren, wird er sich schnell auf dem Boden wiederfinden. Hier hat Khabib, immerhin seit 27 Jahren in der Wrestling-Ausbildung, seine größten Qualitäten.

Das Groundgame des Russen ist enorm stark. Er hält seine Gegner am Boden und entzieht ihnen Sekunde für Sekunde mehr Kraft. Dabei entfaltet sich schnell ein Dilemma: Will der Gegner die Schläge abwehren, bringt sich Khabib in eine bessere Position. Will der Gegner aber flüchten, platziert Khabib Schläge aus kurzer Distanz. Deckung oder Flucht - er ist auf beides vorbereitet.

Eine schnelle Submission ist nicht immer das oberste Ziel Khabibs, der seinen Gegner geduldig für das letzte Manöver vorbereitet. Gleichwohl ist McGregor nicht so harmlos auf dem Boden, wie sein "nur" brauner Gürtel im Jiu-Jitsu nahelegt. Er weiß sich zu wehren, sollte gegen Khabib im Grappling aber klar im Nachteil sein.

SPOX-Urteil: Vorteil Khabib

Die Ausdauer:

McGregor hat es nicht nur einmal selbst gesagt: Er hat ein Ausdauerproblem. Deutlich wurde das insbesondere beim ersten Kampf gegen Nate Diaz als ihm mit fortlaufender Dauer des Fights sichtlich immer mehr die Energie ausging.

Der Ire kämpft normalerweise sehr effizient. Gegen Diaz brauchte er allerdings eine deutlich höhere Schlagzahl und wurde sichtlich müder. Das zeigte sich auch im zweiten Kampf, bei dem er allerdings schon deutliche Verbesserung zeigte.

Somit scheint der Vorteil auf lange Sicht gesehen bei Khabib. Umso länger der Kampf dauert, umso öfter McGregor sich kräfteraubend befreien muss, umso mehr steigen die Chancen für den Russen. Khabib ist ausdauernder, wenngleich McGregor doch sicherlich an seinen Schwächen gearbeitet haben wird.

SPOX-Urteil: Vorteil Khabib

Körperliche Ausgangslage:

Das Tale of the tape zeigt vor allem einen satten Reichweitenvorteil von fast zehn Zentimetern für McGregor, der im Kampf der Distanzen zu einem wichtigen Faktor werden könnte. Khabib ist derweil rund 2,5 Zentimeter größer und hat damit einen leicht besseren Hebel.

Der Russe hat eine etwas kräftigere Konstitution als McGregor, letztlich sind die körperlichen Voraussetzungen aber natürlich sehr ähnlich. Fraglich bleibt die Widerstandsfähigkeit von Khabibs Kinn - und das aus einem guten Grund, getestet wurde es doch bislang wenig bis gar nicht.

SPOX-Urteil: Unentschieden

Mentale Stärke:

In der mentalen Stärke lag bislang immer ein großer Vorteil von McGregor. Er sorgt mit seinem Trashtalk für ungeduldige Feinde und provozierte sogar noch im Octagon weiter. Ein unruhiger Gegner kommt seiner eigenen, sehr ruhigen und durchdachten Taktik entgegen. Dies beweist nicht nicht zuletzt der Kampf gegen Jose Aldo, der nach 13 Sekunden per K.o. entschieden war.

Während Aldo sich aber voll und ganz auf den mentalen Schlagabtausch mit McGregor einließ, und deutlich den Kürzeren zog, scheint Khabib sich wie in einer Blase zu befinden. Der Russe sprang bislang nicht so recht auf den Zug auf und schien seinen Kontrahenten phasenweise fast auszublenden.

Helfen dürften ihm hierbei durchaus sein kulturell anderer Hintergrund. Bis zum "Fight!" von Herb Dean wird sich nicht klar erkennen lassen, wie sehr Khabib das Mindgame abwehren konnte. Klar ist bislang nur, dass McGregor so viel investiert hat wie bei keinem anderen Kampf zuvor - Stichwort Bus-Attacke.

SPOX-Urteil: Unentschieden

Fazit:

Die Unterteilung des Kampfes in seine Teilgebiete scheint eine leichte Tendenz in Richtung Khabib erkennen zu lassen. Das ist wohl auch der Grund, warum viele Experten im Russen den Favoriten sehen. Ganz so einfach ist ein Urteil allerdings nicht zu fällen. McGregors Stand-Up ist herausragend, seine Takedown-Defense gut und genau darauf wird es letztlich ankommen.

Schlüsselfaktor des Duells ist die Fähigkeit des Iren, das wilde Striking von Khabib abzuwehren und sich nicht auf den Boden ringen zu lassen. Gelingt ihm das, rückt der Titelgewinn näher. Auf der anderen Seite wird Khabib versuchen, die Distanz zu McGregor zu durchbrechen und seine Reichweite für den linken Hook zu verringern.

Gelingt ihm das, kann er seine Mischung aus Strikes und Grappling einsetzen, um den Fight wie gewünscht zu gestalten. Je länger der Kampf dauert, desto größer sind wohl auch die Chancen des Russen. Wobei natürlich ein K.o.-Schlag McGregors auch noch spät eine Option darstellt.

Setzt sich der Trend aus den Pressekonferenzen bis in den Octagon fort, wird die mentale Stärker beider Kämpfer nur eine Nebenrolle spielen. Dann kommt es auf die jeweilige Taktik der Kämpfer an und diese befindet sich auf beiden Seiten auf enorm hohen Niveau. Ein Favorit? Ganz schwer!

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