Freitag, 08.01.2016

Mairbek Taisumov im Interview

"Sie sind nicht auf meinem Level"

Mairbek "Beckan" Taisumov zählt zu Europas großen Hoffnungen in der Lightweight Division der UFC. Nachdem er uns in seiner Heimatstadt Wien schon Einblicke in seinen Werdegang gegeben hat, trafen wir ihn mitten in seiner Vorbereitung in Phuket. Direkt aus dem Tiger-Muay-Thai-Camp schildert uns Taisumov exklusiv, wie der UFC-Kalender funktioniert, wie es zu der Zusammenarbeit mit dem türkischen Ringer-Nationalteam kam und welch großer Aufwand hinter einer Kampfvorbereitung steht.

Mairbek Taisumov (M.) mit seinem Team im Tiger-Muay-Thai-Camp in Phuket
© Mairbek Taisumov
Mairbek Taisumov (M.) mit seinem Team im Tiger-Muay-Thai-Camp in Phuket

SPOX: Herr Taisumov, Sie sind mitten in der Vorbereitung für Ihren Kampf in Boston. Können Sie unseren Lesern schildern, wie eine Kampfansetzung bei der UFC zustande kommt und warum Sie sich auf einen neuen Gegner einstellen müssen?

Maribek Taisumov: Es gibt den UFC-Kalender mit den geplanten Veranstaltungen. Du sagst der UFC, wann du dich fit fühlst und an welchem Termin du kämpfen willst. Nach ein paar Tagen bekommst du Bescheid, wann und wo gekämpft wird.

SPOX: In Ihrem Fall haben Sie angestrebt, im Januar wieder in den Octagon zu steigen?

Taisumov: Ich wollte schon im Oktober in Dublin kämpfen. Die Card war allerdings schon voll. Dann habe ich mich für Korea gemeldet, aber auch gesagt, dass ich einen Top-10-Gegner will. Die UFC meinte, ich soll noch etwas warten. Dann haben sie mir für Boston am 17. Januar einen absoluten Top-Gegner vorgeschlagen. Ich habe mich unheimlich gefreut und natürlich sofort zugesagt. Beneil Dariush hat sich leider in der Vorbereitung verletzt, weshalb ich jetzt gegen Chris Wade antrete.

SPOX: Hat sich dadurch in Ihrer Vorbereitung etwas geändert?

Taisumov: Ich versuche immer in Form zu sein und mache nichts anderes, als zu trainieren. Es hat sich nichts geändert, ich bereite mich immer auf das Datum vor. Jeder Sportler kann sich verletzen, ich mache alles, um zum Kampf in Topform zu sein.

SPOX: Wie bleiben Sie in Form? Wie kann man sich die Vorbereitung eines UFC-Kämpfers vorstellen?

Taisumov: Nach meinem letzten Kampf habe ich zwei Trainingslager mit der türkischen Ringer-Nationalmannschaft absolviert. In Wien habe ich ein reines Box-Trainingslager gemacht und jetzt bin ich ja wieder einmal in Thailand. Hier mische ich Boxen, Jiu-Jitsu und Thaiboxen.

SPOX: Wie Sie angesprochen haben, sind Sie wieder in Thailand. Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Tiger-Muay-Thai-Camp zustande gekommen?

Taisumov: Ich trainiere im MMA-Vienna, dort gab es den wirklich guten österreichischen Thaiboxtrainer Luki Storfer. Er hat sogar im Lumpinee-Stadion, dem bekanntesten Thaibox-Stadion, gekämpft. Er hat mir vorgeschlagen ein Trainingslager in Thailand zu absolvieren. Im Tiger-Muay-Thai-Camp hat es mir sofort gefallen, es herrscht eine super Stimmung hier. Ich war zudem damals ein großer Fan von Roger Huerta und plötzlich stand er mir als Trainer im MMA-Raum gegenüber. Die Zusammenarbeit mit ihm hat von Anfang an gepasst, deswegen komme ich auch immer wieder.

SPOX: Wien ist mit Thailand natürlich nicht zu vergleichen, aber wo liegen die größten Unterschiede in der Trainingsarbeit?

Taisumov: In Wien gibt es auch einige gute Sparringspartner, allerdings nicht in dieser Anzahl. Arbi Agujev ist zum Beispiel einer der besten Kämpfer Europas und wird hoffentlich auch bald einen UFC-Vertrag in der Hand halten. In Phuket herrscht aber eine ganz andere Stimmung, du hast alle Möglichkeiten an einem Ort. In Wien must du jemanden zum Box-Training organisieren, dann jemanden zum Ringen etc. Als Draufgabe ist das Essen in Thailand hervorragend und außerdem ist es derzeit "etwas" wärmer als in Wien.

SPOX: Man sieht Sie hier im Camp in den öffentlich zugänglichen Einheiten mit den verschiedensten Trainern arbeiten. Wer gehört alles zu Ihrem Team?

Taisumov: Aus Tschetschenien ist mein Ringertrainer Selimchan Chusseinow angereist, um mich zu unterstützen. Er war sogar Europameister und ist einer der besten Trainer in Russland. Im Stand-Up hilft mir Brad Riddell, er soll bald gegen den mehrfachen Weltmeister Andy Souwer antreten. Für meine Kondition ist Andrew Wood verantwortlich. Er kümmert sich außerdem mit einem weiteren Trainer um die Ernährung und das Gewicht. Es gibt noch mehr Trainer, die hier im Camp arbeiten und sehr hilfsbereit sind.

SPOX: Sparringspartner sind auch extra angereist, um Sie zu unterstützen?

Taisumov: Islam Sizbulatov aus Wien ist mitgeflogen. Yasubey Enomoto und sein Bruder Felipe aus der Schweiz sind hier. Zusätzlich gibt es im Camp gute Jungs, die mich täglich weiterbringen, wie zum Beispiel George Hickman, ein weiterer Trainer, der hier arbeitet. Ich habe sehr starke und hilfsbereite Sparringspartner hier und bin ihnen dafür sehr dankbar. Auch mein Trainer Selimchan Chusseinow ringt natürlich mit mir und wirft mich hin und her. Von ihm lerne ich sehr viel!

SPOX: Ist er wegen dem neuen Gegner Chris Wade, dessen Stärken ja im Ringen liegen, dazugestoßen?

Taisumov: Es passt natürlich gut, dass er jetzt hier ist. Ich trainiere aber auch ständig in Tschetschenien mit ihm. Er brachte mich auch ins Trainingslager mit der türkischen Ringer-Nationalmannschaft. Dort investieren sie Millionen in diesen Sport, die sich auch bezahlt machen. Bei der Weltmeisterschaft in Las Vegas hat die Türkei drei Goldmedaillen geholt und landete im Medaillenspiegel auf dem dritten Platz! Sie haben Selimchan Chusseinow extra fürs Training eingeflogen. Daran sieht man, welch starker Trainer er ist. Normalerweise kommt dort keiner rein, im Gym durften dann auch keine Fotos gemacht werden. Ich war sehr froh über diese Möglichkeit.

Sensationen der Box-Geschichte
19. Juni 1936, New York: Max Schmeling sorgt mit seinem Knockout in der 12. Runde gegen den hoch favorisierten "Brown Bomber" Joe Louis für eine Sensation
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10. Juli 1951, London: Der Engländer Randolph Turpin sorgt für eine Sensation mit seinem Punktsieg nach 15 Runden über Sugar Ray Robinson
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25. Februar 1964, Miami Beach: Cassius Clay alias Muhammad Ali schlägt Favorit Sonny Liston und ist erstmals Weltmeister. Clays Worte gingen um die Welt: "I'm the Greatest. I shook up the World"
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30. Oktober 1974, Kinshasa: Muhammad Ali entthront George Foreman durch Knockout in der 8. Runde im "Rumble in the Jungle", im vielleicht größten Sportereignis des 20. Jahrhunderts
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15. Februar 1978, Las Vegas: In seinem erst achten Kampf als Profi besiegt Leon Spinks Muhammad Ali nach Punkten und sorgt für eine historische Sensation
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6. April 1987, Las Vegas: Sugar Ray Leonard besiegt Titelverteidiger Marvin Hagler nach Punkten. Bis heute ist das Urteil des unfassbar ausgeglichenen Fights umstritten
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10. Februar 1990, Tokio: Mike Tyson verliert sensationell gegen James "Buster" Douglas durch K.o. Ärger gab's, weil Douglas nach einem Niederschlag nach 9 (oder mehr?) Sekunden auf den Brettern weitermachen durfte
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5. November 1994, Paradise/Nevada: 20 Jahre nach dem "Rumble in the Jungle" haut George Foreman Champion Michael Moorer in der 10. Runde um. Mit 45 Jahren und 360 Tagen ist "Big" der älteste Schwergewichtsweltmeister aller Zeiten
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9. November 1996, Paradise: Evander Holyfield entthront Champion Mike Tyson durch Abbruchsieg in der 11. Runde. Eine Sensation! Beim Re-Match kam's zum weltberühmten Biss ins Ohr...
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22. April 2001, Brakpan/Südafrika: Hasim "The Rock" Rahman sorgt für eine Sensation durch seinen K.o.-Sieg gegen Champion Lennox Lewis
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8. März 2003, Hannover: Der 37-jährige Südafrikaner Corrie Sanders (1966 - 2012) sorgt mit seinem t.K.o.-Sieg in der 2. Runde gegen Wladimir Klitschko für eine Sensation
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15. Mai 2004, Paradise: Antonio Tarver bringt dem großen Roy Jones jr. den ersten Knockout seiner Karriere bei. Es war die Revanche für seine umstrittene Niederlage einige Monate zuvor
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10. April 2004, Las Vegas: Im Kampf um den vakanten WBO-Titel bezwingt Lamon Brewster den favorisierten Wladimir Klitschko durch t.K.o. in der 5. Runde. Hinterher wurde über K.o.-Tropfen in Eiswürfeln diskutiert
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6. Dezember 2008, Las Vegas: Im "Dream Match" bezwingt Manny Pacquiao Oscar de la Hoya durch t.K.o. in der 8. Runde. Das Irrwitzige: Leichtgewichtler Pacquiao hatte für den Weltergewichtskampf zwei Gewichtsklassen übersprungen
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9. Juni 2012, Paradise: "Desert Storm" Timothy Bradley Jr. feiert einen so sensationellen wie umstrittenen Sieg nach Punkten gegen den Favoriten Manny Pacquiao
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29. November 2015, Düsseldorf: Der Brite Tyson Fury bezwingt Wladimir Klitschko nach Punkten. Für Klitschko ist es die erste Niederlage seit elf Jahren
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SPOX: Jetzt zu einem eher unerfreulicheren Teil der Vorbereitung, dem Weight-Cut. Was kann man sich darunter vorstellen und wann legen Sie prinzipiell vor einem Kampf damit los?

Taisumov: Da ich für meine Gewichtsklasse ziemlich klein bin, muss ich nicht viel Gewicht machen. Im Leichtgewicht verlieren sie vor dem Kampf teilweise 20 Kilo, ich habe nur rund acht Kilo vor mir. Normalerweise beginne ich zehn Tage vor dem Wettkampf mit dem Weight-Cut. Ich versuche aber immer mich gesund zu ernähren, in den letzten Tagen kommt einfach weniger auf den Tisch. Außerdem laufe ich dann mehr und trinke viel Wasser. Umso mehr man trinkt, umso mehr schwitzt man und verliert Gewicht. Die letzten zwei Einheiten absolviere ich dann meistens im Latexanzug, mehr aber nicht.

SPOX: Für Sie geht es in den nächsten Tagen endgültig nach Boston, am 17. Januar steigt der Kampf. Was haben Sie danach geplant?

Taisumov: Nach dem Kampf will ich einfach nach Wien zurück und etwas Zeit genießen. Egal wo ich bin, ich will immer nach Wien. Wien ist für mich die beste Stadt. Im Februar mache ich ein Seminar in der Türkei und bin dann in Polen zu einem Turnier eingeladen. Dann sind von meinem UFC-Vertrag noch drei Kämpfe offen, aber hoffentlich gibt es bald einen noch besseren Vertrag.

SPOX: Außerdem gibt es da ja noch eine Sache mit Pearson und Iaquinta zu bereinigen, wie Sie uns beim letzten Treffen in Wien erzählt haben?

Taisumov: Mit Beneil Dariush hat ein Top-10-Gegner den Kampf gegen mich angenommen, die beiden wollen aber nichts riskieren und nicht gegen mich antreten. Sie denken vielleicht, sie sind auf einem anderen Level als ich. Ich werde ihnen aber zeigen, dass sie nicht auf meinem Level sind.

Die aktuellen UFC-Champions

Interview: Philipp Ertl

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