"Meine Frau ist das strenge Oberhaupt"

Samstag, 26.09.2015 | 09:59 Uhr
Nick Hein (l.) bereitete sich im Tiger Muay Thai vor
© Jeff Sainlar / Tiger Muay Thai
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In Japan steigt Nick Hein zum vierten Mal unter dem Banner der UFC in das Octagon. Vor dem Duell mit Yusuke Kasuya spricht der 31-Jährige über einen lang gehegten Traum, Essens-Verhandlungen mit seiner Frau, das Ego von Höchstleistungs-Wettkampfmaschinen sowie den Schlagabtausch zwischen Floyd Mayweather jr. und Ronda Rousey. Außerdem: Warum Legende Ulli Wegner falsch liegt.

SPOX: Nick, am Samstag geht für Sie ein Traum in Erfüllung. In der Saitama Super Arena treffen Sie auf Yusuke Kasuya. Was geht Ihnen vor dem Duell mit dem Japaner durch den Kopf?

Nick Hein: Um ehrlich zu sein, ich denke nicht allzu viel über Kasuya nach. Ich weiß natürlich, dass er sich gut vorbereitet hat, aber das gilt auch für mich. Es ist sein erster Kampf unter dem Banner der UFC und das auch noch vor heimischem Publikum, er wird also richtig heiß sein. Ich kenne dieses Gefühl aus Berlin. Es kann eine große Schlacht werden, spektakulär wird es auf jeden Fall.

SPOX: MMA hat im Land der aufgehenden Sonne einen sehr hohen Stellenwert. Was macht Japan für Kampfsportler so besonders?

Hein: Ich glaube, dass die japanische Kultur und der Respekt, den die Menschen voreinander haben, die Basis ist. Vorurteile gegen Kampfsportler gibt es hier nicht, stattdessen nur puren Respekt für die Leistung. Ich habe es in dieser Woche selbst erlebt. Ich wurde unter anderem im Hotel von Fans abgefangen, die mich kannten und nach Fotos gefragt haben. Eine solche Wertschätzung gibt einem ein gutes Gefühl. Ich hoffe, dass wir auch in Deutschland irgendwann an diesen Punkt gelangen.

SPOX: Empfinden Sie es als besonderes Privileg, in Japan antreten zu dürfen?

Hein: Es ist mehr als nur ein Privileg, für mich geht ein Lebenstraum in Erfüllung. MMA ist in Japan schon sehr lange eine riesen Sache. Seit ich auf dem Schirm habe, dass es hier eine solch einmalige Kämpfer- und Fanszene gibt, war es für mich ein Traum, hier antreten zu können - auch wenn dieser damals sehr weit entfernt war. Jetzt ein Teil davon sein zu dürfen, ist sehr schwer zu fassen. Ich versuche deshalb vor dem Kampf die Stimmung einfach nur zu genießen.

SPOX: Auch abseits des Octagons haben Sie eine besondere Beziehung zu Japan. Sie haben unter anderem Ihre Frau dort kennengelernt.

Hein: Durch meine Vergangenheit als Judoka hatte ich im Jahr 2005 einen längeren Aufenthalt von drei Monaten in Japan. Ein Trainingspartner und ich waren zu zweit unterwegs. Unter der Woche wurde hart trainiert, am Wochenende fuhren wir dann immer nach Tokio, weil wir natürlich auch etwas sehen wollten. Wir waren jung, da durfte das Nachtleben nicht fehlen. (lacht) In einem Club ist mir dann direkt eine junge Dame ins Auge gestochen. Da sie zu meinem Glück äußerst kommunikativ war und sehr gut Englisch konnte, kamen wir schnell ins Gespräch. Sie hat mich sofort fasziniert und mir dann tatsächlich auch ihre Nummer gegeben - und ich habe sie dummerweise verschlampt.

SPOX: Bei über neun Millionen Menschen, die in Tokio leben, ein eigentlich fatales Missgeschick.

Hein: Ich hatte damals ein japanisches Prepaid-Handy und absolut keine Ahnung, wie man das Ding richtig bedient. Nach einigen Fehlversuchen war die Nummer dann auf einmal leider weg. Aus Verzweiflung sind wir eine Woche später beide wieder zur exakt gleichen Zeit in eben jenen Club gegangen und haben uns glücklicherweise wiedergetroffen. An diesem Abend hatte ich mir ihre Nummer dann allerdings mindestens 15 bis 20 Mal auf Papier aufgeschrieben.

SPOX: Mit Erfolg, zwei Jahre später folgte die Hochzeit in Tokio. Inzwischen sprechen Sie sogar ein paar Fetzen Japanisch. Findet man Sie auch in Deutschland vorwiegend in Sushi-Bars wieder?

Hein: Ich bin in der Tat des Öfteren dort anzutreffen, ich liebe die japanische Küche. Aber ansonsten hat sich nicht viel geändert. Die kulturelle Verbindung gab es schließlich schon durch das Judo, das seinen Ursprung in Japan hat. Die Kultur hatte es mir ohnehin angetan. Ich bin aber keiner, der Mangas sammelt. (lacht)

SPOX: Bleiben wir beim Thema Küche. Vor dem Kampf gegen Kasuya dürfte das Thema Ernährung einen besonders hohen Stellenwert haben.

Hein: Ich habe in der Tat einen festen Plan, was und wann ich etwas esse. Auch die Menge ist exakt abgestimmt, was nicht immer leicht ist. Zum Buffet geht es beispielsweise mit einer selbst mitgebrachten Waage. Da werden dann etwa die Orangen- oder Grapefruitstücke abgewogen. Das alles läuft sehr strikt ab, es geht nicht anders. Auch meine Frau hat inzwischen den Dreh sehr gut raus und bleibt knallhart. Sie ist sozusagen das strenge Oberhaupt.

SPOX: Hunger schlägt bekanntlich auf die Laune. Entsteht nicht ein gesteigertes Konfliktpotential?

Hein: Manchmal versuche ich wirklich zu verhandeln, dass ich vielleicht auch eine Orange oder so mehr essen kann. Sie bleibt dann aber hart und sagt nein. Im Endeffekt bin ich froh, dass sie das so unnachgiebig durchzieht, weil ich sonst hier und da so meine Probleme hätte, den brutalen Weight-Cut komplett durchzuziehen.

SPOX: Vor Ihrer Reise nach Tokio haben Sie sich wieder im Tiger-Muay-Thai-Gym auf Phuket vorbereitet. Die dortigen Trainingsbedingungen haben Ihnen schon gegen Lukasz Sajewski weitergeholfen.

Hein: Ich kenne nichts Besseres. Ich treibe mein Leben lang schon Leistungssport, bin seit jungen Jahren hineingewachsen und habe weder als Judoka noch in puncto MMA irgendwo eine ähnliche Trainingsstätte gesehen, die vor allem in Sachen Personal und Möglichkeiten so gut ausgestattet ist. Oder um es mit den Worten von Herrn Geissen zu sagen: 'Das ist absolut Endstufe.' (lacht)

SPOX: In Deutschland mussten Sie am Tag noch mehrere Stationen abfahren.

Hein: Das war hart. Vor allem ging dabei eine Menge Energie verloren, von der Zeit ganz zu schweigen. In Thailand habe ich alles auf einem Fleck. Ich glaube, dass es wenig Orte gibt, die mit ähnlichen Bedingungen und einem solchen Umfeld aufwarten können. Die Tiger Road, also die Straße an der das Gym liegt, bietet beispielsweise alles. Seien es gesunde Restaurants, Saunen oder Spas. Dann sind da noch der Strand, die Sportplätze und vor allem unzählige Treppen.

Seite 1: Hein über einen Traum, Ernährung und Verhandlungen mit seiner Frau

Seite 2: Hein über Thailand, MMA als Zehnkampf und Mayweather vs. Rousey

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