Kann Silva die Krone zurückholen?

Von Oliver Copp
Freitag, 27.12.2013 | 18:19 Uhr
Anderson Silva (r.) trifft am Samstag auf Champion Chris Weidman
© ufc
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Am Samstag entscheidet sich bei UFC 168 in Las Vegas, ob Ex-Mittelgewichtsmeister Anderson Silva als der unumstritten größte Kämpfer der UFC-Geschichte in die Annalen eingeht - oder ob Weltmeister Chris Weidman mit einem zweiten Sieg in Folge ein neues Kapitel in MMA-Sport aufschlägt und die Silva-Ära endgültig beendet.

Der Brasilianer Anderson "The Spider" Silva ist mit keinem anderen Kämpfer zu vergleichen - nicht mit den Legenden früherer Zeiten und auch nicht mit den Topstars von heute. Er lebt in einer völlig eigenen Kategorie. Seit inzwischen mehr als sieben Jahren wütet er wie ein Tornado in der UFC.

Mit Schnelligkeit, Reaktionen wie aus einem Hollywoodfilm, überlegener Beinarbeit und dem gefährlichsten Konter-Striking der UFC hat er ganze Scharen von Kämpfern unwürdig aussehen lassen.

Er ist ganz sicher eine Persönlichkeit, die polarisiert. Wenn er sich nicht gefordert fühlt, zieht er im Octagon Sperenzchen ab, die man in vielen Fällen als destruktiv bezeichnen kann - und in einigen wenigen sogar als unsportlich.

Er verhöhnt den Gegner, nimmt die Deckung runter und lässt sich treffen. Er vermittelt seinem Kontrahenten so, dass er sowieso keine Chance gegen ihn habe - was in der Vergangenheit hervorragend funktioniert hat.

Ein Haken beendet Silvas Regentschaft

Nur nicht gegen Chris Weidman. Silva forderte seinen Herausforderer im Hinkampf im Juli wieder und wieder dazu auf, doch endlich zuzuschlagen. Er wich Weidmans Schlägen aus, tat aber so, als stünde er nach den Nicht-Treffern auf wackeligen Beinen.

Das ging eineinhalb Runden lang gut - doch dann wackelte Silva so stark, dass er einem Haken Weidmans nicht mehr ausweichen konnte und tatsächlich zu Boden ging. Die Lichter waren aus, und die UFC hatte einen neuen Mittelgewichtsmeister.

Flüchtige Beobachter des MMA-Sports waren fassungslos und stellten offen die Frage, ob Silva den Kampf absichtlich verloren hat. Doch wer so denkt, kennt Anderson Silva nicht. Ob gegen Patrick Cote, gegen Thales Leites, Forrest Griffin, Yushin Okami oder Stephan Bonnar - Anderson Silva hat jedes Mal mit seinem Gegner gespielt.

Es ging lang gut, wofür ihn viele Experten als Genie bezeichneten. Trotzdem war es nur eine Frage der Zeit, bis Andersons unkonventionelle Art ihn einen Kampf kosten würde.

"Ich habe es übertrieben"

Gegen den überlegt und cool kämpfenden Amerikaner war es dann soweit - mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Wer sich feiern lässt, wenn das Herumgeclowne funktioniert, muss sich auch kritisieren lassen, wenn es nach hinten losgeht. Wer mit dem Feuer spielt, verbrennt sich früher oder später die Finger.

Anderson Silva gab dies im Gespräch mit SPOX unumwunden zu. "Ich bin ich. Ich kämpfe schon immer so, und ich werde immer spielerisch kämpfen. Beim letzten Kampf habe ich es nur übertrieben", so der Herausforderer. "Diesen Fehler werde ich nicht noch einmal machen. Chris Weidman - ich werde dich in der ersten Runde abservieren."

Man merkt im Gespräch, dass es Silva ernst ist. Während er direkt nach der Niederlage von einer Pause sprach und einen Rücktritt nicht ausschloss, ist er nun motiviert, diese einzige Scharte seiner UFC-Karriere auszuwetzen. Er ist der festen Ansicht, dass einzig und allein er bestimmen wird, ob der Kampf als Sieg oder Niederlage ausgeht.

Ein dummer Zufall?

Silva schätzt Weidmans Talent nicht gering - aber man spürt förmlich, dass der Brasilianer die Niederlage als dummen Zufall einstuft. Er lässt keinen Zweifel daran, dass ihm Weidman als Kämpfer nicht das Wasser reichen kann.

"Chris Weidman ist gut, aber auch nicht mehr. Er hat mich in einem schwachen Moment erwischt und daraus Kapital geschlagen. Dafür verdient er Respekt. Jetzt werde ich ihm aber zeigen, dass er sich mit dem Falschen angelegt hat. Es gibt Sportler und es gibt Kämpfer. Ich glaube, dass Chris ein Sportler ist. Ich bin ein Kämpfer. Und wenn es hart auf hart kommt, gewinnt der Kämpfer gegen den Sportler", sagt Silva vorher.

Rousey gegen Erzrivalin

Auch der zweite Hauptkampf des Abends ist ein Rückkampf - diesmal bei den Damen. Die Bantamgewichtsmeisterin der UFC, Ronda Rousey, will gegen ihre Erzrivalin Miesha Tate beweisen, dass sie auch in der UFC die bessere Kämpferin ist.

Sportlich gab es keinen Grund, Miesha diesen Titelkampf zu geben, aber nachdem sich die eigentliche Herausfordererin Cat Zingano verletzte, bot sich die Neuauflage dieses Fight an. Rousey kann Tate nicht ausstehen, und Tate kann mit Rouseys Persönlichkeit nichts anfangen. Rousey geht als haushohe Favoritin in den Kampf und plant, Tates Arm diesmal mit nach Hause zu nehmen.

Siver steigt ins Octagon

Bei UFC 168 wird es ebenso zu einem Kampf mit deutscher Beteiligung kommen. Der Wahlmannheimer Dennis Siver trifft im Federgewicht auf den TUF-Veteranen Manny Gamburyan, den viele zuletzt im Trainerstab von Ronda Rouseys Team bei The Ultimate Fighter gesehen haben. Gamburyan ist äußerst zäh - aber dasselbe kann man auch über Siver sagen.

Der Deutsche wird als der deutlich massigere Kämpfer in Octagon steigen, darf Gamburyan aber keine Gelegenheiten bieten - sonst stehen die Chancen gut, dass er seine zweite Niederlage in Folge einstecken wird. Gamburyan scheint einen Heidenrespekt vor Siver zu haben, was einen taktischen Vorteil für den Deutschen bedeuten könnte.

Tatsächlich hängt der Kampfverlauf aber von der Tagesform ab - der beste Dennis Siver aller Zeiten wird gegen den besten Manny Gamburyan aller Zeiten gewinnen. Wer tatsächlich in Topform auftaucht, wird sich dann am Samstag zeigen.

Außerdem bei UFC 168:

  • Der "Warmaster" Josh Barnett trifft im einzigen Schwergewichtsduell des Abends auf Travis Browne. Der Sieger dieses Kampfes wird sich Hoffnungen auf einen Titelkampf gegen Cain Velasquez machen können... wobei man sich natürlich fragen kann, ob das tatsächlich erstrebenswert ist, wenn man sich Velasquez' Dominanz in seinen letzten Kämpfen so ansieht.
  • Jim Miller braucht gegen Fabricio Camoes dringend einen Sieg. Er mag zwar erst 30 Jahre alt sein, hat aber schon einige böse Schlachten hinter sich. Will er einen letzten Run auf die Spitze machen, muss er gegen Camoes eine entsprechende Leistung abliefern.
  • Urijah Hall wurde während seiner Zeit bei The Ultimate Fighter als der "neue Anderson Silva" gehandelt, doch nach zwei Niederlagen in Folge steht er mit dem Rücken zur Wand. Er trifft bei UFC 168 auf den TUF1-Veteranen Chris Leben, der zwar seine besten Zeiten auch schon einige Jahre hinter sich hat, dafür aber über die eine Sache verfügt, die Hall inzwischen abgesprochen wird: Zähigkeit. Nach drei verlorenen Kämpfen in Folge ist dies Lebens letzte Chance, seinen Verbleib in der UFC zu sichern.

UFC 168: Weidman vs. Silva 2 wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag ab 4 Uhr auf SPOX.com und UFC.tv übertragen. Die Vorkämpfe starten um 00:30 Uhr auf facebook.com/UFC und um 2 Uhr dann parallel auf SPOX.com und UFC.tv.

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