UFC 159: Jones vs. Sonnen

Sonnen greift ein letztes Mal nach dem Titel

Von Oliver Copp
Samstag, 27.04.2013 | 12:23 Uhr
Jon Jones (l.) trifft in Newark auf Chael Sonnen
© ufc
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Wenn Jon Jones im Hauptkampf von UFC 159 am Samstag in Newark, New Jersey ins Octagon steigt, um seine Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht zu verteidigen, trifft er mit Chael Sonnen auf einen Gegner, der viel gefährlicher ist als sein Ruf.

Seit einem guten halben Jahr entzweien sich die Gemüter in der weltweiten MMA-Fanszene wegen der Entscheidung der UFC, dem früheren Mittelgewichtsherausforderer Chael Sonnen einen Titelkampf gegen Halbschwergewichtsmeister Jon Jones zu geben.

Was war geschehen? Jones hätte bei UFC 151 gegen Dan Henderson verteidigen sollen. Dieser verletzte sich kurz vor dem Kampf und musste absagen.

Blog-Vorschau: Jones vs. Sonnen

Die UFC suchte händeringend nach einem Herausforderer, doch ein Halbschwergewichtsstar nach dem anderen winkte ab. "Einen kurzfristigen Kampf gegen Jon Jones? Nicht mit mir" hörte UFC-Präsident Dana White von Lyoto Machida, Shogun Rua, Alexander Gustafsson und noch mindestens zwei anderen großen Namen.

Während der dreitägigen Suche nach einem Ersatz bekam White immer wieder SMS-Nachrichten von einem gewissen Chael Sonnen, der zuletzt im Mittelgewicht an Weltmeister Anderson Silva gescheitert war.

"Mittelmäßiger Kämpfer"

White rief ihn schließlich an und fragte, was er den kommenden Samstag vor habe. "In Las Vegas gegen Jon Jones kämpfen - wieso?" war die ebenso kurze wie klare Ansage des Mannes, der sich immer damit gerühmt hatte, jederzeit gegen jeden Kämpfer antreten zu wollen.

Jones' Management lehnte den Kampf ab - und zwar aus gutem Grund. Chael Sonnen hat den Ruf, immer dann einen Rohrkrepierer zu produzieren, wenn es darauf ankommt.

Trotzdem hat er den seit 2006 unantastbaren Mittelgewichtsmeister Anderson Silva in zwei Titelkämpfen insgesamt fünfeinhalb Runden dominiert, wie es bislang niemand anderem gelang. Einem "mittelmäßigen Kämpfer", wie man Sonnen gern despektierlich nennt, gelingt so etwas nicht. Viele Fans mögen das nicht kapieren, aber Jones' Cheftrainer Greg Jackson erkannte es sofort und zog die Notbremse.

UFC 151 musste komplett abgesagt werden. Dafür wurde vereinbart, dass Jones und Sonnen als Coaches der 17. Staffel der UFC-Realityshow The Ultimate Fighter Teams gegeneinander in die Schlacht führen würden und nach dem Ende der Staffel auch selbst ins Octagon steigen würden.

Ein Sieg bis zum Rekord von Tito Ortiz

Als Trainer konnte der junge Megastar Jones dem erfahrenen Haudegen Sonnen nicht das Wasser reichen. Sonnen stellte sich das bessere Team zusammen, war glasklar der bessere Trainer und tat alles dafür, nicht sich selbst in Szene zu setzen, sondern seinen Kämpfern die Plattform zu geben, die sie brauchten.

Sonnen gewann im Bowling gegen Jones. Er gewann die traditionelle Coaches Challenge. Am Ende standen sogar zwei der Kämpfer von Team Sonnen im Finale - Jon Jones durfte nur von den Rängen zusehen.

Der junge Halbschwergewichtsmeister, der zu Recht als einer der talentiertesten MMA-Kämpfer aller Zeiten gilt, ist kein guter Verlierer. Er ist es nicht gewohnt, in einem sportlichen Wettbewerb den Kürzeren zu ziehen, und tut sich sehr schwer damit, mit Niederlagen umzugehen.

Wie niemand vor ihm stürmte er in kürzester Zeit aus dem Nichts an die Spitze seiner Gewichtsklasse und ist heute - im zarten Alter von 25 Jahren - nur einen Sieg davon entfernt, den Rekord von UFC-Legende Tito Ortiz für die größte Zahl der Titelverteidigungen im Halbschwergewicht zu erreichen. Noch eine erfolgreiche Titelverteidigung danach, und er ist neuer Rekordhalter.

Großmaul, Betrüger, Aufschneider - und talentfrei!

Chael Sonnen ist Jon Jones nur eines: lästig. Jones hält seinen Herausforderer für ein Großmaul, einen Betrüger, einen Aufschneider und für weitgehend talentfrei.

Er nimmt ihn als Herausforderer nicht ernst und vermittelt das auch an allen Ecken und Enden. Wo andere in die wichtigste Phase ihres Trainingscamps eintreten, unterbrach er sein Training für drei Tage, machte seiner Freundin einen Heiratsantrag und entführte sie auf einen Kurztrip auf eine Insel vor der mexikanischen Küste.

Er weigerte sich beharrlich, den Wünschen seines Cheftrainers nachzukommen und an seiner Verteidigung gegen die Arm Triangle - Sonnens wichtigste Offensivwaffe im Aufgabebereich - zu arbeiten. Kurzum: Jones trägt die Nase in Bezug auf Chael Sonnen weit oben.

Leider muss man sich bei genauerem Hinsehen eingestehen, dass Jones allerdings nicht Unrecht hat. Er ist - mit Ausnahme des griechisch-römischen Ringens - überall gleich gut wie Sonnen oder besser. Jones ist viel größer und hat eine um Längen größere Reichweite.

Jones macht sich in allen Bereichen Feinde

Er verfügt über gefährliche Aufgabegriffe und nicht zuletzt wegen seiner langen Beine auch über exzellente Sprawls. Es kann und wird Sonnen nicht gelingen, Jones vorzeitig zu besiegen. Bestenfalls kann er den Weltmeister über längere Zeit am Boden oder am Käfig festnageln und dort dominieren. Wenn man alle Möglichkeiten durchgeht, wer wie gewinnen kann, überrascht auch nicht, dass die Buchmacher den Champions mit im Schnitt 10:1 vorn sehen.

Jones ist ein Ausnahmeathlet. Gleichzeitig vermittelt er oft den Eindruck, dass er sich selbst im Wege steht. Er hat in jungen Jahren sehr viel Aufmerksamkeit bekommen und große Geldbeträge verdient. Es ist nicht verwunderlich, dass das das Potential hat, einem zu Kopf zu steigen.

Jones macht sich in allen Bereichen Feinde. Der Großteil der Fans mag ihn nicht, weil sie ihn für einen arroganten Heuchler halten. Zumindest in zwei bekannten Fällen haben sich Sponsoren von Jones losgesagt, nachdem ihnen seine Verhandlungstaktik zu aggressiv vorkam. Auch in der UFC selbst hat Jones im letzten Jahr wenig für seine Beliebtheit getan.

Vielleicht täte es ihm gut, auch mittelfristig für die eigene Karriere, wenn ihn Chael Sonnen auf den Teppich zurückholt. Der Gewichtsklasse gäbe es auf alle Fälle einen positiven Impuls. Doch dazu müssen in Newark Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen - den 27. April.

Außerdem bei UFC 159:

  • Die Deutsche Sheila Gaff wird gegen die hoch favorisierte frühere Olympia-Silbermedaillistin Sara McMann ihr UFC-Debüt geben. Wird es ihr gelingen, die Amerikanerin aus dem Rennen zu werfen?
  • Der Brite Michael Bisping will mit einem dominanten Sieg gegen Alan Belcher versuchen, seine Titelambitionen wiederzubeleben. Doch Belcher hat ganz eigene Pläne, denn er wartet nun schon seit drei Jahren auf seinen versprochenen Titelkampf gegen Anderson Silva.
  • Cheick Kongo aus Paris will beweisen, dass Roy Nelsons Kinn zwar aus Granit sein mag, seine Fäuste aber dazu in der Lage sind, Granit zu brechen. Viel Glück, Cheick. Du wirst es brauchen.
  • Ringen gegen Jiu Jitsu heißt es, wenn Phil Davis auf den Brasilianer Vinny Magalhaes trifft. Am Boden mag Vinny die Hosen anhaben, doch wie will er den Weltklasseringer Davis nur dort hinbringen?
  • Leonard Garcia und Cody McKenzie versprechen immer Action vom Feinsten. Beide brauchen dringend einen Sieg. Wird Garcia unvorsichtig sein und in die Guillotine von McKenzie stolpern?

UFC 159: Jones vs. Sonnen wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag ab 4 Uhr auf SPOX.com und UFC.tv übertragen. Die Vorkämpfe starten um 1 Uhr auf facebook.com/UFC und um 2 Uhr dann parallel auf SPOX.com und UFC.tv.

Alle UFC-Champions im Überblick

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