Deutschland gegen England in New Jersey

Von Oliver Copp
Samstag, 05.05.2012 | 12:51 Uhr
Pascal Krauss (r.) trifft in New Jersey auf John Hathaway
© Getty
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In der Nacht auf Sonntag kehrt die deutsche Weltergewichtshoffnung Pascal Krauss bei UFC Live: Diaz vs. Miller in New Jersey gegen den Briten John Hathaway ins Octagon zurück.

Eineinhalb Jahre sind im MMA-Sport eine gefühlte Ewigkeit. Eine so lange Zwangspause hat in der Vergangenheit die Karrieren etlicher Kämpfer zum Kippen gebracht. Brandon Vera war einst der Shooting Star im Schwergewicht und ein sicherer Kandidat für die Weltmeisterschaft. Er musste pausieren, und seine Karriere kam seitdem nie wieder in Fahrt.

Brock Lesnar ging als unzerstörbare Dampfwalze in die Verletzungspause und kam als ein völlig anderer Kämpfer wieder. Cain Velasquez wirkte bei seinem Comeback wie ein Schatten seiner selbst und gab die Weltmeisterschaft im Schwergewicht mehr oder minder kampflos ab.

Der bis dato ungeschlagene Pascal Krauss aus Breisach bei Freiburg räumte in seinem UFC-Debüt im November 2011 in Oberhausen den Engländer Mark Scanlon aus dem Weg und heimste sich gleichzeitig noch den Bonus für den besten Kampf des Abends ein. Als erstem für Deutschland startendem Kämpfer gelang ihm ein Sieg in seinem ersten Kampf im Octagon - sowohl Dennis Siver als auch Peter Sobotta verließen bei ihren UFC-Debüts die Kampffläche als Verlierer.

Schulterverletzung: Krauss stand vor dem Aus

Krauss brachte alles mit, was ein künftiger Star braucht: gutes Ringen, ausgezeichnete Standkampffertigkeiten, Humor, Ausstrahlung und ein vernünftiges Englisch. Die Offiziellen waren nach seinem Debüt begeistert, der nächste Gegner wurde bereits diskutiert - doch dann verletzte sich Krauss im Training so schwer an der Schulter, dass eine Operation unumgänglich war.

UFC-Legende Randy Couture schrieb in seiner Autobiographie, dass es für einen Ringer zwei Verletzungen gebe, die das Karriereaus bedeuten könnten: Knieverletzungen und solche an der Schulter. Die Fähigkeit, gegnerischen Takedowns auszuweichen und selbst welche anzusetzen, hängt wesentlich davon ab, wie schnell und stabil die Knie arbeiten.

Sämtliches Grappling am Gegner kann dagegen nur dann funktionieren, wenn die Schulter mitspielt und über ihren vollen Bewegungsspielraum verfügt.

Erneuter Rückschlag im August letzten Jahres

Während man sagt, dass im Striking nicht aus der Schulter heraus geschlagen werden soll, sondern aus der Hüfte, kommt es im MMA-Sport gerade im Bodenkampf doch oft dazu, dass nur aus Arm und Schulter heraus Schwung aufgebaut werden kann. In solchen Fällen schadet eine lädierte Schulter auch erheblich.

Pascal Krauss trainierte im August letzten Jahres für seinen Comebackkampf gegen John Hathaway in Birmingham, England, als er sich im Training nunmehr die andere Schulter auskugelte und abermals einige Monate lang pausieren musste. Der Freiburger wird also nun nach eineinhalb Jahren Pause und Verletzungen an beiden Schultern ins Octagon zurückkehren. Es dürfte nicht überraschen, dass Experten seine Chancen gegen Hathaway deswegen bestenfalls vorsichtig optimistisch einschätzen.

Kämpferisch mag Krauss zwar in einer anderen Liga spielen als der hemdsärmelige Brite, doch spricht neben der Verletzungsserie des Deutschen auch noch für Hathaway, dass er seine erste Niederlage bereits hinter sich hat. Randy Couture spricht - wie viele andere Größen des Sports - davon, dass man erst in dann in die Lage versetzt wird, sein Potential völlig auszufüllen, wenn einem das erste Mal die Grenzen aufgezeigt wurden.

Krauss: Von Kalifornien nach Wisconsin

Gewinnt man, tut man sich schwer damit, zu identifizieren, wo genau man noch Schwächen hat. Bei einer Niederlage fällt eine Manöverkritik dagegen sehr viel einfacher. Hathaway erlebte bereits vor zwei Jahren sein Waterloo, als ihn der erfahrene, auf dem Papier aber völlig unterlegene Mike Pyle über drei Runden vorführte.

Pascal Krauss hat alles richtig gemacht, um zu verhindern, dass ihm gegen Hathaway in New Jersey ähnliches widerfahren wird. Er verlagerte sein Trainingscamp von Kalifornien nach Wisconsin und damit von einem Ort, der für seine Ablenkungen berühmt ist, an einen Ort, der optimales Training fördert, weil dort der sprichwörtliche Hund begraben ist.

Unter dem früheren Kickboxstar Jeff "Duke" Roufus trainieren in Milwaukee gegenwärtig unter anderem der baldige Titelherausforderer Erik Koch und der Meister der Bellator-Liga Ben Askren.

Dem Vernehmen nach schlug sich Krauss ausgezeichnet gegen Askren, der als einer der besten Ringer im MMA-Sport gilt. Die Schultern überstanden das harte, asketische Training in Milwaukee, und dass Pascal in der Nacht auf den Sonntag tatsächlich ins Octagon steigen wird, lässt Hoffnung schöpfen, dass er tatsächlich vollständig genesen ist.

Im Hauptkampf der Veranstaltung trifft der Lokalmatador Jim Miller auf den immer unterhaltsamen Kalifornier Nate Diaz. Während UFC-Präsident Dana White sich auf die Zunge beißen musste, um den Sieger nicht als nächsten Herausforderer um die Weltmeisterschaft im Leichtgewicht auszurufen, erwartet den Sieger bestenfalls ein Ausscheidungskampf - der altbekannte Anwärterstau lässt grüßen.

Jim Miller ist der Favorit

Miller hat acht seiner neun Kämpfe für sich entscheiden können und geht als Favorit ins Rennen, obwohl Diaz zuletzt gegen Takanori Gomi und Donald Cerrone die besten Leistungen seiner Karriere abgerufen hatte. Millers beste Waffe sind seine Würgegriffe.

Ob er damit bei einem BJJ-Schwarzgurt wie Nate Diaz punkten können wird, ist jedoch höchst fraglich. Für Miller spricht sein unbeirrbarer Siegeswille - er lässt sich so leicht durch nichts aus dem Konzept bringen, während Diaz ähnlich emotional kämpft wie sein älterer Bruder Nick.

Würden die beiden zehnmal gegeneinander kämpfen, würde Miller aufgrund seiner Beständigkeit die Mehrheit der Siege davontragen. Die spektakuläreren Siege wären allerdings die von Nate Diaz, der sehr sprunghaft ist, dabei aber an guten Tagen geniale Momente hat und deswegen als unser Überraschungstipp des Abends gilt.

Weitere Highlights von UFC Live: Miller vs. Diaz

- Johny Hendricks wird gegen Josh Koscheck versuchen, nach Jon Fitch auch gleich noch Fitchs besten Freund auszuknocken.

- Rousimar Palhares will eines von Alan Belchers Beinen mit nach Hause nehmen, doch dieser hat garantiert, dass der Brasilianer sie nicht zu greifen bekommen wird.

- Pat "HD" Barry will gegen Lavar Johnson beweisen, dass er mehr als nur ein Pausenclown ist; mit unterhaltsamen Kicksalven ist trotzdem zu rechnen.

- Der Tscheche Karlos Vemola wird nach dem Schwergewicht und dem Halbschwergewicht nun mit dem Mittelgewicht seine dritte Gewichtsklasse in der UFC angehen. Nächstes Opfer des "Terminators": Mike Massenzio.

UFC Live: Diaz vs. Miller wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag ab 2 Uhr auf SPOX.com und UFC.tv übertragen. Die Vorkämpfe starten bereits um 22 Uhr auf facebook.com/UFC, ab 23 Uhr geht es dann weiter auf SPOX.com und UFC.tv.

UFC: Alle Champions im Überblick

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