Evans chancenlos gegen Jon Jones

Von Oliver Copp
Mittwoch, 25.04.2012 | 13:40 Uhr
Auch Rashad Evans (r.) konnte Jon "Bones" Jones nicht stoppen
© Getty
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Jon Jones demonstrierte bei UFC 145 mit einem Sieg über fünf Runden gegen Ex-Weltmeister Rashad Evans, warum ihn bereits heute viele Experten als den besten Kämpfer der Welt bezeichnen.

Niemand ist unschlagbar. Nicht im Fußball, nicht im Boxsport und schon gar nicht im Mixed Martial Arts-Sport. Jeder, der einem etwas anderes erzählt, ist entweder ahnungslos oder hat die letzten zehn Jahre in einer Höhle verbracht.

Lyoto Machida galt als unschlagbar und wurde nach seinem Titelgewinn innerhalb weniger Monate von Mauricio "Shogun" Rua entzaubert. Cain Velasquez sollte das Schwergewicht für viele Jahre anführen, und trotzdem verlor er gleich in seiner ersten Titelverteidigung sang- und klanglos gegen Junior Dos Santos.

Silva seit fünfeinhalb Jahren Champion

Tatsächlich gibt es nur wenige Kämpfer, die Jahr für Jahr, Kampf für Kampf, wieder und wieder ihre Überlegenheit gegen den Rest der Gewichtsklasse unter Beweis stellen. Anderson Silva ist mit nun fünfeinhalb Jahren der am längsten amtierende Champion der UFC-Geschichte.

Georges St. Pierre konnte im Weltergewicht seit seinem zweiten Titelgewinn im Frühjahr 2008 niemand auch nur annähernd gefährlich werden. Jose Aldo mag den früheren Glanz seiner WEC-Karriere verloren haben, doch sein neuer Kampfstil ermöglicht es ihm, seine technische Überlegenheit auszuspielen und gleichzeitig so wenig wie möglich zu riskieren.

Jones deklassiert Main Eventer

Doch so imposant die Karrieren dieser drei Männer sein mögen, könnte man argumentieren, dass Halbschwergewichtsmeister Jon Jones mit seinem Sieg gegen Rashad Evans bei UFC 145 in Atlanta vorbeizog. Noch kein amtierender Champion hat in so kurzer Zeit so viele stilistisch extrem unterschiedlicher Gegner in ihre Schranken verwiesen.

Er deklassierte Striker wie Lyoto Machida, "Shogun" Rua und Quinton "Rampage" Jackson. Er setzte sich deutlich gegen alte Haudegen wie Vladimir Matyushenko und Andre Gusmao durch. Und auch die gefährliche Klasse der exzellenten Amateurringer konnte Jones nicht vor ernsthafte Probleme stellen - Jake O'Brien, Matt Hamill und Ryan Bader können ein Lied davon singen.

Mit Rashad Evans hat Jones nun auch das Kronjuwel des Halbschwergewichts geschlagen - den wohl komplettesten Kämpfer der Gewichtsklasse. Evans hat alles: Er war ein hochdekorierter Amateurringer und hat diese Fähigkeiten stilistisch perfekt auf den MMA-Sport umgemünzt.

Über die Jahre hinweg hat er sich Strikingfähigkeiten erarbeitet, die ihm vorzeitige Siege über Namen wie Chuck Liddell, Forrest Griffin und Tito Ortiz einbrachten. Er hatte in seiner ganzen UFC-Karriere nur einen Kampf verloren - bis Samstag.

Evans wie ein blutiger Anfänger

Jon Jones ließ ihn wie einen blutigen Anfänger aussehen. Evans traute sich die meiste Zeit lang nicht, Takedowns zu versuchen. Er wagte sich nur äußerst spärlich in den Nahkampf. Er war die längste Zeit übervorsichtig mit seinen Kicks. Kurzum spielte Rashad Evans dem Weltmeister genau in die Karten.

Während Evans seinen Gegner in der ersten Runde noch mit einem wunderschönen Highkick zum Kopf traf, war dies für die nächsten zwanzig Minuten seine einzige ernstzunehmende Aktion.

Es war frustrierend, sich den Kampf anzusehen - besonders in den späten Runden. Evans war so gut, dass Jones' spektakuläre Aktionen meist daneben gingen, und während der Weltmeister den Herausforderer mit Ellenbogenstößen im Stand mehrfach zum Wackeln brachte, fand auch Jones keinen Weg, um Evans in ernsthafte Bedrängnis zu bringen.

Niederlage nach Punkten

Nachdem der Champ die ersten drei Runden klar gewonnen hatte, wäre zu erwarten gewesen, dass Evans auf Risiko spielt und eine Niederlage durch Knockout in Kauf nimmt, um Jones doch noch irgendwie zu erwischen. Leider kam nie das Gefühl auf, dass er alles gibt, um den Kampf doch noch zu drehen. Er schien es vorzuziehen, die Niederlage nach Punkten sicher nach Hause zu fahren.

Jon Jones wird nun als nächstes gegen den früheren PRIDE Weltmeister im Mittelgewicht und Halbschwergewicht Dan Henderson antreten.

MacDonald schlägt Mills

Im zweiten Hauptkampf unterlag der Engländer Che Mills der neuen kanadischen Weltergewichtshoffnung Rory MacDonald. Während der Kampf offiziell erst nach 2:20 Minuten der zweiten Runde abgeläutet wurde, ließ MacDonald schon nach der ersten Minute keinen Zweifel daran, wer der Herr im Octagon ist.

Er brachte Mills zu Boden und bearbeitete ihn dort mit Schlägen und Ellenbogenstößen aus der Full Guard und später dem Side Mount heraus. Mills zog sich mehrere Platzwunden zu, und obwohl er trotzdem nicht aufgab, verteidigte er sich in der zweiten Runde nicht mehr intelligent, weswegen Ringrichter Mario Yamasaki den Kampf schließlich abbrach.

Knockout für TUF-Finalisten Schaub

Ben Rothwell besiegte den Ultimate Fighter-Finalisten Brendan Schaub nach 1.10 Minuten der ersten Runde durch Knockout. Schaub erwischte Rothwell mit einem Ellenbogen zum Kopf aus der Drehung, und der Hüne wackelte. Rothwell wich zurück, Schaub folgte ihm und fing sich in der Bewegung einen linken Haken ein, der Schaub zu Boden schickte.

Rothwell setzte dort einen Schlag nach, bevor Ringrichter Herb Dean dazwischen ging. Nach zwei Jahren voller Rückschläge scheint Ben Rothwell einen Schritt in die richtige Richtung gemacht zu haben. Zum ersten Mal sah er optisch nicht aus wie ein leicht außer Form geratenes Schwergewicht, sondern wie ein athletisches Schwergewicht.

Michael McDonald sorgte für die Überraschung des Abends, als er den früheren WEC Weltmeister im Bantamgewicht Miguel Torres nach nur 3:18 Minuten der ersten Runde k.o schlug.

Torres kämpfte taktisch sehr gut und zeigte gute Beinarbeit und traf McDonald mit einer guten Rechten über die Deckung. Der revanchierte sich mit einer Schlagsalve, die Torres' Lichter ausknipste und McDonald in wenigen Sekunden in die Top 5 seiner Gewichtsklasse katapultierte.

Unerwarteter Fight für Hominick

Mark Hominick hätte gegen Eddie Yagin einen Pflichtsieg einfahren sollen, der sich allerdings über 15 Minuten hinweg gänzlich anders entwickelte, als es auf dem Papier zu erwarten gewesen wäre. In den ersten beiden Runden gelang Yagin jeweils ein Knockdown, und er war jeweils nur Sekunden von einem vorzeitigen Sieg entfernt, doch Hominick brachte in beiden Fällen die Angriffe seines Gegners unter Kontrolle.

Die dritte Runde stand schließlich im Zeichen von Mark Hominick. Yagin war erschöpft, selbst gezeichnet, und Hominick konnte seine Kondition ausspielen. Da es ihm aber nicht gelang, Yagin vorzeitig zu besiegen, werteten die Punktrichter mehrheitlich für Eddie Yagin.

Mal ehrlich - wie ein Punktrichter zwei Runden für Hominick werten konnte, ist nicht nachzuvollziehen. Hominick war in den ersten beiden Runden am Rande einer Niederlage - eine Wertung für ihn wirft ein schlechtes Licht auf die Qualifikationen des Punktrichters.

Alessio total überfordert

Mark Bocek setzte sich nach Punkten gegen einen völlig überforderten John Alessio durch. Travis Browne zwang Chad Griggs im ersten Schwergewichtsduell des Abends nach nur 2:29 Minuten mit einem Straight Armbar zur Aufgabe.

Matt Brown gewann einstimmig nach Punkten gegen Stephen Thompson, ebenso wie Anthony Njokuani gegen John Makdessi und Mac Danzig gegen Efrain Escudero.

Chris Clements besiegte Keith Wisniewski durch geteilte Punktentscheidung, und Marcus Brimage gelang dasselbe im Eröffnungskampf gegen Maximo Blanco.

UFC: Alle Champions im Überblick

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