Rio im Kampfsportfieber

Von Oliver Copp
Samstag, 27.08.2011 | 13:58 Uhr
Anderson Silva (l.) und Yushin Okami treffen im Hauptkammpf von UFC 134 aufeinander
© Getty
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Am Samstag kehrt die UFC zum ersten Mal nach mehr als zehn Jahren nach Rio de Janeiro in Brasilien zurück. Im Hauptkampf von UFC 134 in der Nacht von Samstag auf Sonntag (3 Uhr im LIVESTREAM) verteidigt Lokalmatador und Rekordmeister Anderson The Spider Silva seine Weltmeisterschaft im Mittelgewicht gegen den Japaner Yushin Okami.

UFC 134 - auch genannt: UFC RIO - ist noch nicht einmal vorbei, da werden schon die Pläne für eine Rückkehr im Jahr 2012 geschmiedet.

"Wir haben einen riesigen Fehler gemacht, als wir uns dagegen entschlossen, hier in Rio in ein großes Stadium zu gehen", so UFC-Präsident Dana White im Interview. "Wir waren uns zwar sicher, dass wir die 16.000 Plätze in der Halle hier vollbekommen, aber am Ende wurden wir von der Nachfrage völlig überrannt. Nächstes Mal gehen wir mindestens ins Olympiastadion, wenn nicht sogar in etwas Größeres."

Karten nach 46 Minuten vergriffen

Tatsächlich konnte niemand damit rechnen, dass die zukünftige Olympiastadt Rio de Janeiro die Kämpfer der Ultimate Fighting Championship so willkommen heißt. Als die geplanten und für die dortigen Verhältnisse völlig überzogenen Ticketpreise bekannt wurden, rechneten Experten mit einer halbleeren Halle.

Es hieß, die UFC würde den eigenen Marktwert in Brasilien überschätzen, doch dann waren die 16.000 Karten, die in den Verkauf gegeben wurden, innerhalb von 46 Minuten vergriffen.

Der Hauptkampf, eine Titelverteidigung von Mittelgewichtsmeister Anderson The Spider Silva gegen den Japaner Yushin Okami, hätte in den USA keinen Hund hinter dem Ofen hervorgelockt, doch in Brasilien ist er seit Wochen eines der dominanten Themen der Sportberichterstattung.

Okami ist krasser Außenseiter

Okami, der sich seinen Titelkampf durch einen Sieg gegen Nate Marquardt im Hauptkampf von UFC 122 in Oberhausen verdiente, geht als krasser Außenseiter ins Rennen. Zwar hält er auf Papier einen Disqualifikationssieg gegen den Weltmeister, doch glauben die Experten nicht daran, dass er Silva auch nur ansatzweise gefährlich werden kann.

In ihrem ersten Aufeinandertreffen auf Hawaii, bevor beide zur UFC gingen, dominierte der Brasilianer seinen japanischen Kontrahenten, landete dann aber am Boden einen verbotenen Kick aus der Unterlage zum Kopf. Okami entschied sich, nicht wieder aufzustehen und wurde so zum Sieger durch Disqualifikation erklärt.

Silva hat nun im Rückkampf die Chance, diese Scharte auszuwetzen und gleichzeitig Vitor Belfort als bekanntesten und beliebtesten brasilianischen Kämpfer abzulösen. Okami wäre unter normalen Umständen kein Gegner, der den Weltmeister zu Höchstleistungen anspornen würde, aber vor heimischem Publikum wird er sich keine Blöße geben und versuchen, Okami auf spektakuläre Art und Weise zu besiegen.

Gutes Striking, überdurchschnittliches Ringen

Er wäre jedoch schlecht beraten, Okami als Gegner nicht ernst zu nehmen. Der Japaner ist der einzige Kämpfer des Mittelgewichts, der mit Silva in puncto Körpergröße und Reichweite mithalten kann. Er ist ausgesprochen diszipliniert, hat eine unbändige Kraft und eine beispiellose Ausdauer. Sein Striking ist gut, wenngleich nicht gefährlich, und sein Ringen ist ebenfalls überdurchschnittlich. Okami ist überall gut, aber nirgendwo herausragend.

Sollte er Silva schlagen wollen, wird er den Brasilianer zu Boden bringen und ihn dort halten müssen - und das über fünf Runden. Okami wird nicht den Fehler machen, der Chael Sonnen vor einem Jahr den sicheren Sieg kostete, und Silva seinen Nacken förmlich anbieten. Aber er wird - anders als Sonnen - auch keine Überraschungen für den Weltmeister in petto haben.

Mit anderen Worten: Alle Vorzeichen sprechen für eine erfolgreiche Titelverteidigung für Anderson Silva.

Publikumsliebling Rua vs. Griffin

Im zweiten Hauptkampf treffen die ehemaligen Weltmeister im Halbschwergewicht, Mauricio Shogun Rua und Forrest Griffin, aufeinander, um einen potentiellen zukünftigen Herausforderer zu ermitteln.

Rua kann sich der Unterstützung des Publikums sicher sein, wird aber unter Beweis stellen müssen, dass seine Knie- und Schulterprobleme der Vergangenheit angehören, will er eine Wiederholung der Schmach aus seinem UFC-Debüt gegen Griffin vermeiden. Griffin besiegte seinerzeit den mit 4:1 favorisierten Rua mit nur wenigen Sekunden verbleibender Kampfzeit durch Aufgabe.

Griffin wird im Käfig deutlich massiger sein als Rua und hat angekündigt, dass er stark an seinen Jiu-Jitsu-Fähigkeiten gearbeitet hat, damit er am Boden nicht wieder so verloren aussieht wie in den Kämpfen gegen Quinton Rampage Jackson und Rashad Evans. Es stellt sich jedoch die Frage, ob Rua das Geschehen überhaupt auf den Boden verlagern wollen wird, denn im Stand hat er die Vorteile auf seiner Seite.

Der Sieger der ersten Staffel der UFC-Reality-Show "The Ultimate Fighter" geht gegen Rua bei den Buchmachern abermals als Außenseiter ins Rennen, wird aber von führenden MMA-Experten leicht vorn gesehen. Wenn es Rua nicht gelingt, Griffin schnell zu überrennen, wird der Amerikaner Brasilien als Sieger verlassen.

Nogueiras letzter Kampf?

Der dritte Hauptkampf im Bunde hat das Zeug dazu, je nach Ausgang entweder Teil der brasilianischen Folklore zu werden oder nie wieder erwähnt zu werden. Die brasilianische Schwergewichtslegende schlechthin, Antonio Rodrigo Nogueira, bekommt es im vielleicht letzten Kampf seiner Karriere mit dem aufstrebenden Amerikaner Brendan Schaub zu tun, der zuletzt Siege gegen Gabriel Gonzaga und Mirko Cro Cop Filipovic einfuhr.

Nogueira pausierte nach seiner Niederlage gegen den heutigen Weltmeister Cain Velasquez eineinhalb Jahre, um sich etlichen Knie-, Hüft- und Rückenoperationen zu unterziehen, und behauptet heute, zum ersten Mal in den letzten fünf Jahren in Bestform und verletzungsfrei zu sein.

Er ist der beste Jiu-Jitsu-Künstler, den es im Schwergewicht im MMA-Sport jemals gegeben hat. Sein Kinn galt früher als eine Bank, wurde allerdings in den letzten Jahren stark in Mitleidenschaft gezogen und wirft ähnlich wie die Reflexe des Brasilianers viele Fragen auf.

Schaub klarer Favorit

Schaub ist ein gutes, aber nicht herausragendes Nachwuchsschwergewicht und war zweiter Sieger der Schwergewichtsstaffel von The Ultimate Fighter, die auch in Deutschland ausgestrahlt wurde. Sein Ziel: Er will Nogueira in Brasilien ausknocken.

Schaubs Kampfrekord verrät es nicht, aber er sah gegen Cro Cop alles andere als gut aus, bevor er den Kampf in der dritten Runde durch Knockout beenden konnte. Gibt er sich diese Blöße gegen Nogueira, wird er sich schneller in einem Aufgabegriff wiederfinden und abklopfen, als es ihm lieb ist. Trotzdem sehen die Buchmacher den Amerikaner als klaren Favoriten.

UFC RIO wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag ab 3 Uhr live und ungekürzt auf SPOX und UFC.TV übertragen. Die Vorkämpfe starten um 0:45 Uhr auf facebook.com/UFC.

Alle Champs der UFC im Überblick

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