Der vielleicht beste MMA-Kämpfer aller Zeiten

Von Oliver Copp
Montag, 25.04.2011 | 15:05 Uhr
Anderson Silva dominiert das Mittelgewicht der UFC seit Oktober 2006
© Getty
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Anderson Silva dominiert das Mittelgewicht der UFC seit Oktober 2006 und hält als Weltmeister seiner Gewichtsklasse etliche Rekorde. Wie viele Spitzensportler ist er nicht unumstritten - er gilt gemeinhin als arrogant, nicht fannah und äußerst schwierig in der Zusammenarbeit. Keine Frage: Der Weltmeister ist ein vielschichtiger Mensch. SPOX geht dem brasilianischen Ausnahmeathleten auf den Grund.

Der Volksmund sagt, Niveau wirke aus der falschen Perspektive oft wie Arroganz. Im übertragenen Sinne trifft dies auf den amtierenden Weltmeister im Mittelgewicht der UFC, Anderson Silva, zu - doch seine Beweggründe sind andere. Manch einem intelligenten Menschen, der nicht dazu fähig ist, "normale" Gespräche zu führen, wird unterstellt, er sehe von oben auf andere herab und wolle nicht mit ihnen reden. Tatsächlich ist es oft nicht der Wille, sondern die Fähigkeit, die Konversationsebene zu wechseln, die zu diesen für alle Seiten frustrierenden Ergebnissen führt.

Anderson Silvas Sprache ist der Kampfsport, seine Gespräche sind Kämpfe im Octagon, und seine Intelligenz entspricht einer einmaligen Begabung für koordinierte Bewegungsabläufe mit maximaler Wirkung. So richtig zur Hochform läuft er nur dann auf, wenn er sich von seinem Gegner richtig gefordert fühlt... und dies geschieht selten. Hat er das Gefühl, seine Herausforderer spielten nicht in derselben Liga, dann lässt er dies alle Welt spüren.

Gruppe: MMA@SPOX

Die UFC hat Schwierigkeiten, ihn dazu zu bekommen, für bestimmte Gegner zu unterschreiben. Die Medien tun sich schwer, dem Brasilianer auch nur einen verwertbaren Satz zu entlocken. Silvas Manager Ed Soares bekommt seinen Schützling teilweise wochenlang nicht ans Telefon. Und am Ende sehen die Fans fünf Runden lang ungläubig zu, wie der Weltmeister mit seinem Gegner spielt wie eine Katze mit der Maus.

Faible für Big Macs

Schon seit frühester Kindheit hat Anderson Silva den Wunsch gehabt, in allem, was er tut, der Beste zu sein. Im Alter von nur drei Jahren schob seine Mutter ihn und seinen älteren Bruder zu ihrer Schwester nach Curitiba ab, die in der Folgezeit dann fünf Kinder vom Polizistengehalt ihres Mannes ernähren musste.

Dass Anderson von Onkel und Tante genau so behandelt wurde wie ihre eigenen Kinder, prägte ihn fürs Leben. Noch heute sagt er in ruhigen Minuten, wie dankbar er ihnen ist, dass sie ihm trotz aller finanzieller Schwierigkeiten gezeigt haben, dass man mit der richtigen Arbeitseinstellung und den richtigen Werten alles schaffen kann, was man sich vornimmt.

Als Jugendlicher kam Anderson Silva zum Kampfsport, als er Nachbarn beim Jiu-Jitsu-Training beobachtete und wissen wollte, ob er diese gelenkigen Bewegungen auch selbst schaffen könnte. Da das notwendige Geld für eine professionelle Jiu-Jitsu-Schule fehlte, trainierte er erst einmal mit den Nachbarn weiter.

Es folgten Schwarzgurte im Taekwondo und Judo sowie eine gelbe Kordel im Capoeira. Anderson arbeitete parallel zum Training bei McDonald's und sparte sich so die nötigen Kursgelder zusammen. Sein Faible für Big Macs stammt übrigens noch aus dieser Zeit.

Anfangs nur Mittelmaß

Seinen ersten MMA-Kampf gegen Fabricio Marango verlor der Mann mit dem Spitznamen The Spider nach eigenem Bekunden, doch in den offiziellen Rekordbüchern ist davon nichts zu finden. Offiziell verlor Anderson Silva seinen Debütkampf gegen Luiz Azeredo nach Punkten.

In seinen ersten Jahren im MMA-Sport war Silva an sich ein mittelmäßiger Kämpfer ohne große Höhen und Tiefen. Bei der japanischen Liga PRIDE gewann er drei Kämpfe und verlor danach zwei in Folge. Es folgt ein Wechsel zum englischen Veranstalter Cage Rage, wo Silva drei Siege in Serie einfuhr und einen Weltmeistertitel einheimste, den er nie im Käfig verlor.

Während dieser bewegten Zeit war UFC-Matchmaker Joe Silva auf den drahtigen Brasilianer aufmerksam geworden und bot ihm für die Ultimate Fight Night 5 im Juni 2006 einen Kampf gegen den damals aufstrebenden Ultimate-Fighter-Star Chris Leben an, der bei den vier Ultimate Fight Nights davor jeweils erfolgreich war und schon für einen Titelkampf gegen Mittelgewichts-Meister Rich Franklin gehandelt wurde.

49 Sekunden - gnadenlos im Abschluss

Als Silva Leben nach nur 49 Sekunden Kampfzeit die erste vorzeitige Niederlage seiner Karriere durch Knockout bescherte, wusste noch niemand, welch dominante Siegesserie an jenem Abend eingeleitet worden war. Doch der dynamische Striker Silva war anders als alles, was man bis dato im Octagon gesehen hatte: grazil, unglaublich technisch, schnell, präzise und gnadenlos im Abschluss. In den Titelkampf gegen Franklin bei UFC 64 ging er trotzdem als Außenseiter.

Mein erster persönlicher Kontakt mit Silva war am Nachmittag des 14. Oktober 2006 - eine Geschichte, die ich bei passender Gelegenheit gern erzähle. Ich ging durch die Katakomben des Mandalay Bay Events Centers in die noch leere Halle und sah den Herausforderer, wie er wenige Stunden vor dem wichtigsten Kampf seiner Karriere am Octagon saß und die brasilianische Version von Harry Potter las. Obwohl ich an sich Rich Franklin in dem Kampf vorn gesehen hatte, machte ich auf dem Absatz kehrt, ging ins Sports Book und setzte einige Dollar auf den Herausforderer, denn wer so kurz vor einem Titelkampf so ruhig ist, weiß etwas, das ich nicht weiß.

Anderson Silva machte mit Rich Franklin kurzen Prozess und wurde nach nur 2:59 Minuten der ersten Runde der neue Weltmeister im Mittelgewicht. Der Noch-Champion hatte gefühlte hundert Kniestöße aus dem Muay-Thai-Clinch zum Gesicht genommen und konnte sich aus dem Griff der Spinne nicht mehr befreien.

Enttäuchende Zuschauerzahlen

Es folgten vorzeitige Siege gegen Travis Lutter und Nate Marquardt, in denen Silva zwar brillierte, doch das Publikum schien den Brasilianer nicht anzunehmen. Die Zuschauerzahlen, die er zog, waren enttäuschend. Daran änderte auch ein dominanter Rückkampf gegen Rich Franklin und ein Sieg gegen Dan Henderson wenig. Silva, der sich beständig weigerte, Englisch zu sprechen, obwohl er der Sprache durchaus mächtig war, kam beim Publikum trotz seiner spektakulären Siege nicht an. Noch schlimmer: Die ersten Stimmen wurden laut, die sich fürchterlich darüber aufregten, dass ein Weltmeister einer Sportart, die weltweit präsent ist, sich weigert, die Weltsprache Englisch zu sprechen und stattdessen seinen Manager übersetzen lässt.

Auch hinter den Kulissen meldete sich der Brasilianer vermehrt zu Wort und versuchte, Einfluss auf die Gegnerauswahl zu nehmen. Während es aus anderen Sportarten durchaus bekannt ist, dass man versucht, so einfache Gegner wie möglich zu bekommen, suchte Silva das genaue Gegenteil davon: eine Herausforderung. Ihm wurde es - einfach gesagt - zu dumm, gegen Kämpfer ins Octagon zu steigen, von denen er sich sicher war, dass sie ihn nicht in Bedrängnis bringen könnten.

Da passende Gegner aber nicht auf Bäumen wachsen, einigte man sich, dass der Mittelgewichts-Meister fortan auch einzelne Kämpfe in der nächsthöheren Gewichtsklasse, dem Halbschwergewicht, annehmen können würde. Den Anfang machte ein mit Spannung erwartetes Duell mit dem gefährlichen Striker James The Sandman Irvin, der sich ebenso als völlig chancenlos entpuppte und nach 1:01 Minuten abgefertigt war.

Seite 2: Das Duell mit Chael Sonnen

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