Georges St. Pierre bleibt Mr. Unstoppable

Von Oliver Copp
Sonntag, 12.12.2010 | 20:39 Uhr
Georges St. Pierre (M.) hat seinen Gürtel souverän verteidigt
© ufc
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Georges St. Pierre bewies am Samstagabend in Montreal bei UFC 124 in seiner Titelverteidigung gegen Josh Koscheck, dass er nicht nur über alle Gewichtsklassen hinweg einer der besten Kämpfer der Welt ist, sondern dass es niemanden im MMA-Sport gibt, der strategisch so intelligent kämpft.

Es ist fast vier Jahre her, dass St. Pierre seinen letzten Kampf verlor, und fast dreieinhalb Jahre, seit er eine Runde auf den Punktrichterzetteln abgeben musste. Der Mann, dem dieses Kunststück im August 2007 bei UFC 74 gelang, war Josh Koscheck.

Doch das alles half St. Pierres Widersacher nichts. Zwar gelang es dem Herausforderer, den Großteil der Takedowns des Weltmeisters abzuwehren, doch spielte das im Kampf nur eine untergeordnete Rolle. Das wirklich wichtige Thema des Fights war, dass St. Pierre bereits in der ersten Runde harte Jabs mit der linken Hand nutzte, um Koschecks rechtes Auge zum Zuschwellen zu bringen.

Gut durchdachter Schachzug

Das war strategisch für den Champion gleich in doppelter Hinsicht vorteilhaft. Zum einen ist bekannt, dass Kos auf den Beinen hauptsächlich auf seinen harten rechten Haken setzt. Zum anderen kommen viele der besten Angriffe von St. Pierre über links. Sieht also Koscheck auf dem rechten Auge nichts mehr, kann er seinen eigenen Haken nicht richtig timen - und sieht darüber hinaus Angriffe, die über St. Pierres linke Seite kommen, nicht vernünftig und kann sie deswegen nur mit geringerer Wahrscheinlichkeit abwehren.

In der Rückbetrachtung stand das Ergebnis somit schon zu Beginn der zweiten Runde fest, wenngleich Koscheck zu keinem Zeitpunkt aufgab oder den einfachen Ausweg suchte, sich vom Ringarzt für kampfunfähig erklären zu lassen. Weltmeister und Herausforderer gingen über die volle Distanz von fünf Runden a fünf Minuten, und am Ende wurde Georges St. Pierre einstimmig und ohne Rundenverlust zum Sieger erklärt.

Aus Sicht der Liga stellt sich nun die Frage, wie man den nächsten Herausforderer, Jake Shields, in den Augen der Fans glaubwürdig als jemanden präsentieren kann, der gegen diesen Ausnahmesportler eine Chance hat. St. Pierre hat nun mit Jon Fitch, Matt Serra, Matt Hughes, BJ Penn, Thiago Alves, Dan Hardy und Josh Koscheck alles in die Schranken verwiesen, was im Weltergewicht überhaupt eine Rolle spielt.

"Ich werde in den Buhrufen baden": Koscheck schreibt bei SPOX

Shields wird kaum ernst genommen

Jake Shields mag zwar über eine lange Siegesserie verfügen, doch bis auf einen davon ereigneten sie sich alle außerhalb der UFC. Shields' UFC-Debüt gegen Martin Kampmann bei UFC 121 war alles andere als eine glorreiche Vorstellung des Jetzt-Herausforderers. In Kombination mit der Dominanz, die St. Pierre in den letzten Jahren als Weltmeister hingelegt hat, erscheint fraglich, ob Shields als Challenger ernst genommen werden wird.

Für Koscheck ist die Lage allerdings noch dramatischer. Der Veteran der ersten Staffel von The Ultimate Fighter ist ebenfalls ein Ausnahmesportler - doch zwei Niederlagen gegen St. Pierre zeigen nun, dass er sich damit abfinden werden muss, in der Division nur die zweite Geige zu spielen. Er wird auf absehbare Zeit keinen Rückkampf gegen den Kanadier mehr bekommen, weswegen er sich bis auf weiteres auf dem Abstellgleis wiederfinden wird. Für ihn gibt es nur zwei Szenarien, in denen er wieder auf den aufsteigenden Ast kommt: St. Pierre verliert den Gürtel oder gibt ihn kampflos ab und wechselt ins Mittelgewicht.

Ersteres Szenario wird von Sieg zu Sieg unwahrscheinlicher, daher kann Koscheck im Moment nur darauf hoffen, dass es dem Weltmeister irgendwann langweilig wird in seiner Gewichtsklasse und er sich dazu entscheidet, eine Gewichtsklasse nach oben zu gehen, um den dortigen Platzhirsch Anderson Silva herauszufordern.

McCorkle übt sich im Trashtalk - und verliert

Im zweiten Hauptkampf des Abends traf der über 2,10 Meter große Niederländer Stefan Struve auf Sean McCorkle. Im Vorfeld gab es reichlich Trashtalk des Amerikaners, der Struve sichtlich auf die Nerven ging. Letzterer entgegnete nur, er werde seine Statements im Octagon abgeben. Dabei sah es gleich zu Beginn der ersten Runde gar nicht gut für den jungen Holländer aus. McCorkle knallte ihn mit einem Slam auf die Matte und arbeitete dort an einem Kimura-Armhebel aus der Oberlage.

Struve gelang es jedoch, an den Käfigrand zu rutschen, um die vollständige Ausführung des Griffes zu verhindern. Gut zwei Minuten später befreite sich Struve mit einem wunderschönen eigenen Kimura-Ansatz per Sweep aus der Unterlage und landete in der Full Mount, also auf McCorkle sitzend. Dort ließ er seinen Fäusten freien Lauf, und als klar wurde, dass McCorkle sich nicht mehr intelligent verteidigte, ging der Ringrichter sofort dazwischen und beendete den Kampf. Offizielle Zeit: 3:55 Minuten der ersten Runde.

Jim Miller beendete den raschen Aufstieg von Charles Oliveira jäh und besiegte den 21-jährigen Brasilianer nach 1:59 Minuten der ersten Runde mit einer Kneebar - Oliveira machte einen Anfängerfehler und bezahlte dafür. Miller hält nun acht Siege in neun Kämpfen in der UFC und neunzehn Siege in einundzwanzig Kämpfen insgesamt. Seine einzigen beiden Niederlagen? Gegen Frankie Edgar und Gray Maynard, den UFC-Weltmeister im Leichtgewicht und seinen aktuellen Topherausforderer. Wer nun noch den Fehler macht, Miller nicht ganz oben mit zu handeln, hat die letzten zwei Jahre verschlafen.

Danzig siegt durch K.o.

In einem Kampf zweier Ultimate Fighter-Sieger setzte sich Mac Danzig nach 1:54 Minuten der ersten Runde durch Knockout gegen Joe "Daddy" Stevenson durch. Für beide ging es hier um den Verbleib in der UFC, nachdem durch den Zusammenschluss mit der ehemaligen Schwesterliga World Extreme Cagefighting nun über fünfzig Kämpfer im Leichtgewicht unter Vertrag sind, davon aber maximal dreißig gebraucht werden. Danzig hatte angekündigt, Stevensons ungestüme Angriffe zu seinem Vorteil zu nutzen und machte die Drohung wahr, als er im Zurückgehen Stevenson mit einem linken Haken direkt am Kinnwinkel traf und K.o. schlug.

Thiago Alves hatte in den vergangenen beiden Jahren immer wieder Schwierigkeiten, das geforderte Maximalgewicht von 170 amerikanischen Pfund (77 Kilogramm) zu erreichen. Darüber hinaus stand der Mann aus Brasilien mit zwei Niederlagen in Folge gegen Weltmeister Georges St. Pierre und Herausforderer Jon Fitch mit dem Rücken zur Wand: Eine Niederlage gegen John Howard hätte für ihn das sichere Aus bedeutet. In den letzten vier Monaten stellte Alves seine Ernährung komplett um und verlor fast zehn Kilogramm an Masse, ohne jedoch seine Schlagkraft einzubüßen. Für den Muay Thai-Kämpfer Howard wird die Luft mit dieser Punktniederlage auch eng, weil sie seine zweite in Folge ist. Was allerdings für ihn spricht, ist, dass er mit Alves einem Weltklassekämpfer gegenüber stand und über die vollen drei Runden hinweg nie deklassiert wurde.

Miller festigt Platz in der UFC

Dan Miller, der ältere Bruder von Jim Miller, sorgte mit einem geteilten Punktsieg gegen den Kanadier Joe Doerksen zwar beim Publikum in Montreal nicht für Begeisterungsstürme, zementierte aber fürs Erste seinen eigenen Platz in der UFC. Mit den zwei Siegen in der zweiten Jahreshälfte 2010 macht er die drei Punktniederlagen in Folge gegen Chael Sonnen, Demian Maia und Michael Bisping im Jahr davor fast vergessen.

Mark Bocek zwang in einem Kampf der Grapplingexperten Dustin Hazelett nach nur 2:33 Minuten der ersten Runde mit einem Triangle Choke zur Aufgabe. Das Ergebnis an sich überraschte nicht, die Deutlichkeit des Kampfverlaufs allerdings sehr wohl. Für Hazelett war dies der erste Kampf im Leichtgewicht, nachdem er seine vorherigen Kämpfe in der UFC durchgehend im Weltergewicht absolviert hatte. Mit drei Niederlagen in Folge ist er nun jedoch so gut wie draußen.

Rafael Natal gegen Jesse Bongfeldt endete als mehrheitliches Unentschieden. Der dritte Punktrichter sah Natal vorn. Sean Pierson besiegte im besten Kampf des Abends Matt Riddle nach Punkten und sicherte sich damit als Lokalmatador einen längeren Vertrag bei der UFC. Ricardo Almeida setzte sich nach Punkten gegen T.J. Grant durch, und John Makdessi gewann ebenso nach Punkten gegen Pat Audinwood.

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