Turnen

Auch Turn-Olympiasiegerin Simone Biles Opfer von sexuellem Missbrauch durch US-Teamarzt

SID
Auch Simone Biles wurde vom US-Teamarzt sexuell missbraucht.
© getty

Die viermalige Turn-Olympiasiegerin Simone Biles ist ebenfalls Opfer von sexuellem Missbrauch durch US-Teamarzt Larry Nassar geworden. Das erklärte die 20-Jährige am Montagabend in einem emotionalem Statement in den sozialen Medien.

"Die meisten von euch kennen mich als glückliches, albernes und energiegeladenes Mädchen", erklärte sie: "Aber zuletzt fühlte ich mich teilweise gebrochen. Und je mehr ich versucht habe, die Stimmen in meinem Kopf auszublenden, umso lauter haben sie geschrien. Ich habe keine Angst mehr, meine Geschichte zu erzählen. Auch ich bin eine der Überlebenden, die von Larry Nassar sexuell missbraucht wurden."

Seit Monaten erschüttert der Skandal den Verband USA Gymnastics. Mehr als 100 Turnerinnen beschuldigen Nassar, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. Darunter befinden sich auch die dreimalige Turn-Olympiasiegerin Gabby Douglas, deren Teamkollegin Aly Raisman oder die Olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin McKayla Maroney.

Nassar zu 60 Jahren Haft verurteilt

Nassar, der fast drei Jahrzehnte und bei vier Olympischen Spielen für den US-Verband tätig war, muss sich derzeit wegen der sexuellen Übergriffe vor Gericht verantworten. Teilweise waren die Opfer jünger als 13 Jahre.

Nassar hat sich in mehreren Fällen schuldig bekannt und wurde Anfang Dezember wegen Besitzes von kinderpornografischem Material zu 60 Jahren Haft verurteilt. Weitere Urteile stehen noch aus.

"Es war nicht mein Fehler"

"Es gibt viele Gründe, warum ich zurückhaltend war, meine Geschichte zu teilen. Aber jetzt weiß ich, dass es nicht mein Fehler war", schrieb Biles: "Viel zu lange habe ich mich gefragt, ob ich zu naiv war. War es mein Fehler? Jetzt weiß ich die Antworten auf diese Frage: Nein. Nein, es war nicht mein Fehler."

Biles war mit viermal Gold und einmal Bronze einer der großen Stars der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. 2017 wurde sie zur Weltsportlerin des Jahres gewählt. Derzeit arbeitet sie nach einer Pause an ihrem Comeback - allerdings ausgerechnet an dem Ort, an dem sie missbraucht wurde.

"An die Trainingsstätte zurückkehren, an der ich missbraucht wurde"

"Es bricht mir das Herz, wenn ich daran denke, dass ich bei der Arbeit für meinen Traum von Tokio 2020 kontinuierlich an die Trainingsstätte zurückkehren muss, an der ich missbraucht wurde", schrieb sie: "Ich habe mir geschworen, dass meine Geschichte größer wird als das, und ich verspreche euch allen, dass ich niemals aufgeben werde. Ich werde einem Mann und den anderen, die ihn haben gewähren lassen, nicht erlauben, mir meine Liebe und Freude zu stehlen."

Im Skandal steht auch der Verband massiv unter Druck. Zuletzt reichte Maroney Klage gegen USA Gymnastics und das US-Olympiakomitee USOC ein. Die 22-Jährige soll vor einem Jahr von USA Gymnastics laut Medienberichten 1,25 Millionen Dollar (rund 1 Million Euro) erhalten haben, damit sie über die Vorgänge um Nassar schweigt.

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