Montag, 06.10.2014

Auf der Tribüne wie erstarrt

Turnerinnen verpassen WM-Finale

Die Cheftrainerin ging lieber spazieren, ihre Schützlinge waren wie erstarrt: Hilflos auf der Tribüne sitzend sind die deutschen Kunstturnerinnen bei den Weltmeisterschaften in Nanning im Mannschafts-Wettbewerb vorzeitig ausgeschieden. Rang neun in der Qualifikation war zu wenig, um das Team-Finale am Mittwoch (13.00 Uhr) zu erreichen.

Elizabeth Seitz stürzte bei ihrer Übung am Doppelreck
© getty
Elizabeth Seitz stürzte bei ihrer Übung am Doppelreck

"Natürlich sind wir unglaublich enttäuscht. Der frühe Vogel findet ja eigentlich den Wurm, aber bei uns war diesmal der Wurm drin. Eigentlich können die Mädchen sehr ausgeglichen turnen. Dass dann so viele Fehler passieren, damit war nicht zu rechnen", sagte die Teamchefin, die schon gar nicht mehr in der Halle war, als die Riege Australiens an ihrer Truppe vorbeizog und Achte wurde.

Mit langen Gesichtern und feuchten Augen schlichen sich die Mädchen aus dem Guangxi Sports Center. Die am frühen Morgen erturnten 216,969 Punkte waren zu wenig, um ein Ticket in der absoluten Weltklasse zu buchen. Dass damit zumindest der erste Olympia-Schritt Richtung Rio de Janeiro gemacht war, daran verschwendete niemand einen Gedanken.

Lisa-Katharina Hill wuchs über sich hinaus

Einzig Lisa-Katharina Hill erfüllte nicht nur die Erwartungen, sie wuchs sogar über sich hinaus. Die Stuttgarterin erkämpfte sich sowohl als 19. im Mehrkampf als auch gänzlich unerwartet als Achte am Stufenbarren jeweils einen Finalplatz.

Die deutschen Turnerinnen waren um 9.00 Uhr Ortszeit denkbar schlecht in den noch jungen Tag gestartet. Am eigentlichen Paradegerät Stufenbarren konnte nur Hill überzeugen, niedergeschlagen war besonders Elisabeth Seitz. Die Mannheimerin hatte sich trotz einer Fußverletzung extra für das Doppelreck zur Verfügung gestellt, verfehlte aber beim Def den oberen Holm und stürzte.

"Ich bin schon extrem enttäuscht. Es soll wirklich keine Ausrede sein, aber es ist gar nicht so einfach, sich nur auf ein einziges Gerät zu konzentrieren", sagte die Olympia-Sechste, die schon die europäischen Titelkämpfe verletzungsbedingt verpasst hatte.

Drei Absteiger auf dem Schwebebalken

Auch am Schwebebalken konnte das deutsche Quintett keinen Boden gutmachen, im Gegenteil: Gleich drei Absteiger kosteten wertvolle Punkte, da half auch die lautstarke Unterstüzung ihrer männlichen Kollegen von der Teilnehmertribüne aus nichts.

Erst am Boden stabilisierte sich das Team, ehe beim Sprung mit fünf soliden Versuchen ein ansatzweise versöhnliches Wettkampfende zustandekam.

Wirklich zufrieden mit sich und ihrer Leistung konnte aber nur Hill sein. Die 22-Jährige, die bislang eher als solide Mannschaftsturnerin galt, hatte ihre Nerven mit Abstand am besten im Griff und genoss das ungewohnte Interesse an ihrer Person.

"Am Barren habe ich die Übung meines Lebens geturnt, und der Gesamtwettkampf war nahezu perfekt für mich", sagte Hill, die ihren bislang größten internationalen Erfolg "einfach nur cool" fand. Noch fehlt ihr eine Olympiateilnahme, 2012 in London war sie lediglich Ersatzturnerin.

USA stärkstes Team in der Vorrunde

Titelverteidiger USA stellte in der Vorrunde mit 235,038 Punkten das stärkste Team. Den US-Girls am nächten kamen erwartungsgemäß WM-Gastgeber China (230,753) sowie Ex-Weltmeister Russland (228,135).

Auch in der Einzelwertung gab es keine Überraschungen. Weltmeisterin Simone Biles (59,599) setzte sich vor der Olympia-Dritten Alija Mustafina (58,874) aus Russland sowie der Rumänin Larisa Iordache (58,365). In den Entscheidungen beginnen jedoch alle Athletinnen wieder mit null Punkten.

Die Welttitelkämpfe werden am Dienstag (13.00 Uhr) mit der Teamentscheidung der Männer fortgesetzt. Dabei will der Chemnitzer Andreas Bretschneider eine Weltneuheit präsentieren, einen Vorwärtssalto über die Reckstange (Kovacs) mit anschließendem gehockten Doppelsalto.


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