Tischtennis-WM 2017: Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov im Doppel-Interview

"Das Bett steht immer noch parat"

Mittwoch, 24.05.2017 | 11:47 Uhr
Timo Bolls und Dimitrij Ovtcharovs Freude kannte in Rio keine Grenzen, als das Team mit Bastian Steger erneut eine Medaille gewann
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SPOX: Wenn es im Sinne Ihres Sportes ist und Sie es für angebracht halten, üben Sie nicht selten Kritik an der Sportart oder dem Verband. Sie haben sich für bessere Bedingungen und höhere Preisgelder auf der Pro Tour, der Weltcup-Serie, ausgesprochen. Wie ist da die Entwicklung?

Ovtcharov: Es hat sich etwas gebessert, aber nicht so, wie es unter Profibedingungen angemessen wäre.

Boll: Es war früher auch schon mal höher, oder?

Ovtcharov: Ja, definitiv. Ein kleines Beispiel?

SPOX: Nur zu.

Ovtcharov: Wenn man ins Halbfinale der China Open gelangt, kann ein Sportler seine Kosten decken und die Finalisten machen Plus - und 250 Leute machen Minus. Das geht natürlich nicht und ist ein ganz langer weg. Die neuen Turnierserien, die indische oder die japanische Liga, stehen in den Startlöchern und auch unsere europäischen Vereine tun einiges. Es tut sich viel außerhalb des Weltverbandes ITTF. Das eine ist besser als das andere und Konkurrenz belebt das Geschäft.

SPOX: Aber nur auf Weltcupturnieren der ITTF können Sie Punkte für die Weltrangliste sammeln, die Ihre Setzung jetzt etwa bei der WM festlegt.

Ovtcharov: Und das System soll sogar nochmal umgestellt werden, um alle Spieler zu zwingen, diese Turniere zu spielen. Anreisen, nichts verdienen, nur um eine gute Ranglistenposition zu gewährleisten? Damit die Topspieler dort sind, die ITTF das Turnier gut vermarkten kann? Aber wir Spieler haben davon nichts. Das ist der falsche Ansatz. Und da habe ich noch nicht über die Bedingungen vor Ort gesprochen. Wir sollten einen Anreiz haben, die Turniere zu spielen, weil wir es wollen und es gut ist und nicht, weil wir es müssen.

SPOX: Herr Boll, Sie prangern seit geraumer Zeit Materialdoping an: Glauben Sie, dass Sie auch in Düsseldorf auf Spieler mit illegal präpariertem Material treffen?

Boll (überlegt lange): Das ist schon möglich, aber das ist auch nicht die neue Nachricht. Ich setze mich weiter dafür ein. Es kommen leider wenig Impulse zurück von der ITTF.

Ovtcharov: Das ist das gleiche wie bei anderen Themen.

Boll: Ja, es ist schwer. Aber man merkt schon: Es gibt ja private Initiativen, da werden Sachen ausprobiert, analysiert, Studien gemacht. Da ist einfach ein anderer Zug dahinter als beim Verband, wo die Mühlen sehr langsam drehen, bis ein Antrag gestellt wird. Da vergehen ungelogen Jahre, bis sich was tut.

Ovtcharov: Es müssten einfach viele Spieler mit dem Renommee von Timo in den Gremien sitzen, die selbst die Probleme kennen, nahe dran sind.

SPOX: Gibt es keinen Spielerrat?

Ovtcharov: Den gibt es, aber ohne Stimme und das bringt ja nichts. Es müssten im Executive Commitee and Board of Directors - sagen wir - drei Spieler dabei sein, die wirklich Ahnung von der Materie haben und das nachvollziehen können und das den Funktionären auch glaubhaft vermitteln können, dass diese Dinge gut für den Sport wären. Insgesamt läuft es ja gut bei der ITTF. Aber manchmal wird auf die falschen Dinge gesetzt.

SPOX: Sie hatten beide sehr früh, sehr individuelle Förderer, um professionell zu trainieren und konnten früh in die Weltklasse vordringen und den Chinesen Paroli bieten. Ihre jüngeren Nationalmannschaftskollegen sind auf dem Weg in die Weltspitze schon in ihren Zwanzigern. Ist es mit der Leistungssportstruktur in Deutschland überhaupt möglich, dass zukünftige Generationen im internationalen Vergleich ähnliche Erfolge wie Sie feiern?

Boll: Ich bin ja nicht bei allen Sichtungen dabei.

SPOX: Aber Sie sehen einige Talente im deutschen Tischtenniszentrum trainieren. Stichwort: Arbeitsmoral, Talent, Trainingsbedingungen.

Boll: Das stimmt. Heutzutage gibt es viele andere Charaktere als früher, aber ich will auch niemanden verurteilen. Ich glaube schon, dass die nächsten zehn Jahre nicht einfach werden für das Tischtennis, wenn dann irgendwann auch Dima mal aufhören sollte - ich sowieso. Dann wird ein kleines Loch kommen. Deswegen müssen wir jetzt bei den ganz Kleinen schauen, und einen oder am besten mehrere rauspicken und vielleicht noch individueller fördern. Aber: Es ist natürlich auch nicht leicht, alle zwei Jahre einen neuen Top-Ten-Spieler hervorzubringen. Wir sind nicht China.

SPOX: Aber wollen dennoch mithalten.

Ovtcharov: Wenn man erst nach dem Abitur anfängt, professionell zu trainieren, dann hat man gegenüber den Chinesen zwölf Jahre verloren und zwei Millionen Trainingsstunden Rückstand. Das wird man mit 18 nicht aufholen, höchstens Anschluss finden. Aber ein Spieler wird nicht die Nummer eins werden wie Timo oder die Chinesen ab und an ärgern wie ich. Deshalb ist die Sichtung und Förderung in jungen Jahren so wichtig.

Boll: Es sind besondere Umstände und Maßnahmen nötig, um da mitzuhalten. Die Unternehmungen unserer Förderer waren ja nicht von unserem Sportsystem geschöpft - sein Dad, der sich jeden Tag zweimal mit ihm in den Keller gestellt hat.

Ovtcharov: Oder bei Timo der Verein mit 13?

Boll: Ja, mit 13 ist der Verein zu mir in den Ort gezogen, damit ich bessere Trainingsbedingungen- und Partner hatte. Dazu einen Trainer, der sich besonders fokussiert hat auf mich. So geht es aber fast jedem Spieler, der hier so rumläuft.

SPOX: Das heißt: Es geht nur durch individuellste Förderung?

Boll: Zumindest kommst du im Tischtennis gegen das asiatische Sportsystem nicht an mit den normalen deutschen Bedingungen. Die trainieren dort drei, vier Einheiten am Tag - wir reden hier von sieben, achtjährigen.

Ovtcharov: Die ziehen früh um, gehen früh nicht oder kaum zur Schule.

Boll: Das ist nicht nur in China der Fall, auch in Japan. Da sind die 13-Jährigen so stark. Da war einer bei den Indian Open im Finale gegen Dima. Allein vom athletischen Aspekt hätte ich das niemals für möglich gehalten. Das ist unvorstellbar. Deshalb ist es nicht einfach. Aber wenn alles zusammenpasst, dann ist es schon noch möglich, in diese Phalanx einzubrechen. Durch das normale System eher nicht.

SPOX: Ihnen ist es beiden gelungen. Gibt es eigentlich etwas, was Sie am anderen beneiden. Was Sie noch stärker machen würde?

Ovtcharov: Timos Gabe, Dinge so unfassbar schnell zu erlernen! Nehmen wir zum Beispiel den Rückhandflip, die Banane über dem Tisch. Da benötigt der Typ vielleicht eine Woche, ich ein Jahr.

Boll lacht.

Ovtcharov: Ja ist doch so. Du stellst dich an den Tisch und sagst: "Ja, dann mache ich das jetzt mal." Und dann läuft das.

Boll: Dafür wäre ich gerne nochmal in dem Alter von Dima.

Beide beginnen zu lachen

Boll: Im Ernst. Sein Fleiß und seine Akribie sind der Wahnsinn. Es gibt wenige Sportler, die sich so opfern können und dem Sport alles unterordnen können wie er. Das habe ich so nie gehabt.

Ovtcharov: Wo wir beim Stichwort Gelassenheit wären. Nach einer knappen, harten Niederlage kann Timo sagen: "Das war ein gutes Spiel. Ich habe alle getan, was ich konnte." Und dann geht er heim und alles ist gut. Mir geht es dann mitunter mal drei Tage schlecht. Und wenn er gewinnt, bleibt er auf dem Boden. Da fliege ich dann mal mehr. Diese Mitte ist schon beneidenswert.

Seite 1: Boll/Ovtcharov über ihre veränderte Freundschaft und ein gemeinsames Haus

Seite 2: Boll/Ovtcharov über den Doppel-Zwist und den Druck der Heim-WM

Seite 3: Boll/Ovtcharov über Verbandskritik, Materialdoping und den eigenen Nachwuchs im Kampf gegen Asien

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