Samstag, 24.01.2015

"Mythos Borussia Düsseldorf"

Boll & Co. wie einst Roßkopf & Fetzner

Der "Mythos Borussia Düsseldorf" lebt: Deutschlands Aushängeschild hat im Champions-League-Viertelfinale wieder einmal ein "Spiel für die Ewigkeit" abgeliefert. Wie einst die Weltmeister Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner in legendären Europapokal-Schlachten der Rheinländer drehten Timo Boll und Co. beim 3:1 im Rückspiel gegen Titelverteidiger AS Pontoise Cergy (Frankreich) den schier aussichtslos erscheinenden 1:3-Rückstand aus dem Hinspiel durch insgesamt 17:16 Sätze noch in einen denkwürdigen Triumph.

Timo Boll & Co stehen im CL-Halbfinale
© getty
Timo Boll & Co stehen im CL-Halbfinale

"Diese Mannschaft ist unglaublich", sagte Boll im Gespräch mit dem "SID" mit glänzenden Augen über den Coup des deutschen Meisters: "Auch wenn wir immer unsere theoretische Chance betont haben, habe ich ja selbst kaum daran geglaubt, dass wir das schaffen können. Aber wir sind eine echte Mannschaft mit lauter Siegertypen, die immer bereit sind, restlos alles zu geben."

Tatsächlich erschien der im Hinspiel noch zweimal düpierte Weltranglistenneunte formal durch zwei Erfolge - darunter auch das entscheidende 3:1 gegen den eine Position tiefer notierten Team-Europameister Marcos Freitas (Portugal) - als Matchwinner der frenetisch gefeierten Gastgeber.

Doch für Bolls Schlusspunkt hatten seine Kollegen die Vorlagen gegeben: Erst der indische "Heißläufer" Sharath Kamal Achanta mit einem weiteren Zähler und besonders Düsseldorfs spektakuläre Abwehr-Attraktion Pangiotis Gionis (Griechenland) beim 2:3 gegen Freitas.

"'Pana' hat vor Kamals Sieg Freitas ja so gezogen, dass ich dachte, dass Freitas sich bald in der Box übergeben müsste, und dass Freitas dann müde war, ist natürlich am Ende ein wichtiger Vorteil für mich gewesen", sagte Boll und teilte bereitwillig den Lorbeer für das aus dem Feuer gerissene Match mit seinen Kollegen.

Boll als Integrationsbeauftragter

Längst lebt der einstige Einzelgänger Boll auch vom unvergleichlichen Teamspirit bei seinem Klub. Als Leader leistete der 33-Jährige nach den Abschieden der Nationalspieler Patrick Baum und Christian Süß (beide Fulda) für die Neuzugänge Gionis und Patrick Franziska auch außerhalb der Box nachhaltige Integrationsarbeit.

"Timo ist ein exzellenter Mannschaftsspieler. Borussias Geheimnis ist, dass großer Wert auf viel gemeinsames Training und viele gemeinsame Aktivitäten gelegt wird", sagte Roßkopf dem "SID".

Der heutige Bundestrainer war als Düsseldorfs "Mr. Europacup" an den ersten neun von inzwischen 14 Erfolgen des "Bayern München des Tischtennis" auf internationaler Bühne maßgeblich beteiligt. Bis heute davon unvergessen ist besonders der Europapokalsieg 1991 gegen Levallois UTT (Frankreich) durch ein 5:0 nach einem 1:5.

Das nächste deutsch-französische Duell der Düsseldorfer im Halbfinale der Königsklasse mit ASTT Chartres bietet gleichfalls "Krimi"-Potenzial. Im Wissen um ihre Stärke reifen aber bei Boll und seinen Kollegen angesichts des schon gewonnenen Pokals und ihrer noch weißen Weste in der Bundesliga auch schon Träume von der Wiederholung der "Triples" von 2010 und 2011.

Die Grundlagen dafür sah Borussias Verwaltungsratschef Hans Wilhelm Gäb, Ehrenpräsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) und Ehrenvorsitzender des Sporthilfe-Aufsichtsrates, nach dem Ausrufezeichen gegen Pontoise auf jeden Fall gegeben: "Beinahe mehr noch als durch ihre Erfolge imponiert diese Mannschaft durch Charakter."


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