Tennis

Wunderkind Felix Auger-Aliassime: Der Spitzname klingt nach Superstar

Felix Auger-Aliassime kratzt mit 18 Jahren schon an den Top 20 der Welt.

Am Montag beginnt in Wimbledon (jeden Tag im LIVETICKER) wieder das wichtigste Tennisturnier der Welt. Seit Stan Wawrinkas Triumph bei den US Open 2016 gab es kein Grand-Slam-Turnier mehr, bei dem der Sieger nicht Novak Djokovic, Rafael Nadal oder Roger Federer hieß. Einer, der die Phalanx der Big Three durchbrechen könnte, heißt Felix Auger-Aliassime. 18 Jahre alt. Kanadier. Spitzname: FA2. SPOX hat mit seinem Förderer gesprochen und stellt einen jungen Mann vor, der gute Chancen hat, eines Tages die Nummer eins der Welt zu sein.

"Ich habe ihn zum ersten Mal bei einer Talentsichtung in Montreal gesehen, da war Felix sieben Jahre alt. Mein erster Eindruck war, dass er sehr talentiert und vor allem mit sehr viel Freude bei der Sache ist", sagt Louis Borfiga im Gespräch mit SPOX.

Borfiga ist eine der entscheidenden Personen dafür, dass Kanada auf dem Weg zu einer großen Tennisnation ist. Borfiga half einst mit, dass in Frankreich ein erfolgreiches Nachwuchsprogramm installiert wurde. Spieler wie Jo-Wilfried Tsonga oder Gael Monfils arbeiteten in ihrer Jugend mit Borfiga zusammen.

Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung zog es Borfiga vor über zwölf Jahren nach Kanada. Heute ist er als Vizepräsident im kanadischen Tennisverband für die Elite-Förderung verantwortlich. Sein Musterschüler: Felix Auger-Aliassime.

Auger-Aliassime: Der erste Titel ist nur eine Frage der Zeit

Der 18-jährige Sohn von Marie Auger aus der kanadischen Provinz Quebec und von Sam Aliassime, einem Tennistrainer mit togolesischen Wurzeln, ist 2019 der heißeste Teenager-Name im Welttennis. Was seinen Spitznamen angeht, ist FA2 schon auf einem Niveau mit NBA-Superstars wie LBJ - LeBron James. FA2 ist aber auch auf bestem Wege, sich ein elitäres Kürzel zu verdienen.

Auger-Aliassime steht aktuell auf Rang 21 der Welt, nachdem er zu Jahresbeginn noch außerhalb der Top 100 zu finden war. Aber seitdem hat Auger-Aliassime das Halbfinale beim Masters-Event in Miami erreicht und stand in Rio, Lyon und zuletzt in Stuttgart im Endspiel.

Wer Auger-Aliassime nach der Niederlage gegen den formstarken Italiener Matteo Berrettini bei der Siegerehrung beobachtete, sah einen unglaublich sympathischen, eloquenten und reifen 18-Jährigen.

Auger-Aliassimes bärenstarke Rasenform

Aber auch einen 18-Jährigen, der tierisch angefressen war, dass sein erster Titel auf der Tour weiter auf sich warten lässt. FA2 bestätigte seine starke Rasenform im Anschluss mit der Halbfinal-Teilnahme in Queens, dort stand am Ende der magische Feliciano Lopez im Weg. Auf dem Weg ins Halbfinale hatte er übrigens einen gewissen Nick Kyrgios geschlagen. Auf beiden Seiten des Netzes eine potenzielle Nummer eins, wenn es um das reine Talent geht. Aber nur auf der einen Seite des Netzes stand ein Junge, der dafür auch den nötigen Kopf hat.

"Felix ist jetzt schon ein kompletter Spieler mit einer perfekten Technik, aber das Beeindruckendste an ihm ist seine starke Persönlichkeit und Präsenz, die er schon mit 18 hat. Er ist menschlich ein unglaublich guter Junge, der die richtigen Werte verkörpert", erzählt Borfiga über einen Jungen, der abseits des Courts gerne Klavier spielt und seine Fähigkeiten auf der Players Party in Monte Carlo unter Beweis stellte.

Wie hoch das Ansehen in Spielerkreisen bereits ist, zeigten Aussagen von Stefanos Tsitsipas. Der Grieche hat wie Auger-Aliassime das Potenzial und das Charisma, die Ära nach den Big Three zu prägen. Eigentlich ist Tsitsipas auch eine Stufe weiter als Auger-Aliassime. Zwei Jahre älter, in der Weltrangliste bereits auf Rang sechs nach oben geprescht. Aber er kann gegen FA2 nicht gewinnen. Zu Junioren-Zeiten nicht und in diesem Jahr zog er auch in Indian Wells und in Queens den Kürzeren.

Auger-Aliassime: Der Albtraum-Gegner von Tsitsipas

"Es beunruhigt mich, dass ich ihn nicht schlagen kann. Es nervt mich, dass er besser ist als ich. Aber ich muss das wohl akzeptieren, vielleicht werde ich ihn nie schlagen können", sagte Tsitsipas offen. Und fügte an, was er FA2 zutraut. "Er hat das gesamte Paket. Es würde mich nicht überraschen, wenn er auch Nadal, Djokovic oder Federer schlägt. Wir werden ihn in den Top 5 sehen. Vielleicht noch nicht in diesem Jahr, aber dann sicher im nächsten oder übernächsten."

Auger-Aliassime in den Top 5 der Welt? Das ist keine gewagte Prognose mehr. Aber es ist nicht mal gewagt vorherzusagen, dass Kanada in einigen Jahren sowohl bei den Damen als auch bei den Herren in den Top 5 oder Top 10 vertreten sein wird - unter Umständen sogar mehrfach.

Die Doppel-Olympiasieger von Sydney aus dem Jahr 2000, Daniel Nestor und Sebastien Lareau (Finalsieg über Woodforde/Woodbridge!), dienten als erste große kanadische Tennisvorbilder. 2011 wurde dann ein gewisser MIL-osh Rau-nitch zum Senkrechtstarter, ein Kanadier war plötzlich bei einem Grand-Slam-Turnier gesetzt - und die Tenniswelt verblüfft. Von wegen in Kanada wird nur Eishockey gespielt.

Kanada kopierte viele Talentprogramme aus dem Eishockey, mittlerweile gibt es in Montreal, Vancouver, Toronto und Calgary vier hochmoderne Trainingszentren, es hat sich eine Tenniskultur entwickelt. Dazu wurden einige der besten Coaches aus aller Welt verpflichtet. Neben Borfiga war unter anderem auch der ehemalige Becker-Coach Bob Brett am Aufschwung beteiligt.

Raonic erreichte 2016 das Wimbledon-Finale, er ist aber inzwischen auch aufgrund von Verletzungsproblemen in den Schatten gedrängt worden. Gleiches gilt bei den Damen für Eugenie Bouchard, die vor gerade mal fünf Jahren im Wimbledon-Finale, in zwei weiteren Grand-Slam-Halbfinals und auf Platz 5 der Weltrangliste stand.

Am 8. August werden nur die ganz Großen geboren

Bouchard inspirierte damals den weiblichen Nachwuchs in Kanada. Mit dem Ergebnis, dass die 19-jährige Bianca Andreescu 2019 mit dem Titel in Indian Wells (Finalsieg gegen Angelique Kerber) für einen Paukenschlag sorgte und als kommender Star im Damen-Zirkus gilt. Dass zuletzt bei den French Open die Siegerin bei den Juniorinnen Leylah Annie Fernandez hieß, 16 Jahre alt ist und ebenfalls aus Kanada kommt, passt ins Bild.

Bei den Herren pushen sich Auger-Aliassime und Denis Shapovalov gegenseitig nach oben. 2016 holte sich Shapo den Junioren-Titel in Wimbledon, zwei Monate später triumphierte FA2 bei den US Open. "Jedes Mal, wenn ich ihn gewinnen sehe, denke ich mir: 'Auf geht's, ich will auch wieder was gewinnen.' Mal schauen, wie weit wir zusammen nach oben klettern können", sagt Shapo, der die Top 20 in diesem Jahr bereits einmal knackte und momentan auf Rang 27 liegt.

Auger-Aliassime könnte in Wimbledon im Achtelfinale in einem Monster-Match auf Novak Djokovic treffen - erst im Finale wäre ein Duell mit seinem Idol Roger Federer möglich. Federer, der mit Auger-Aliassime bereits in Dubai trainierte und große Stücke auf ihn hält, wird am 8. August 38 Jahre alt. Quizfrage: Welches Supertalent, das die Tenniszukunft in den nächsten 15 Jahren mitgestalten wird, hat zufällig auch am 8. August Geburtstag? Richtig, Felix Auger-Aliassime. Aber FA2 reicht.

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