Novak Djokovic' verrücktes Tennisjahr 2016

Was machen Sachen, Novak?

Von Jannik Schneider
Sonntag, 20.11.2016 | 22:31 Uhr
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Die Klatsche bei den ATP-Finals gegen Andy Murray zeigt beeindruckend deutlich, dass es für Novak Djokovic alles andere als einfach ist, seine Form wiederherzustellen und - zumindest was die letzten Prozent betrifft - abzurufen. Was ist seit dem French-Open-Titel vor fünf Monaten eigentlich geschehen - warum genügt der Djoker nicht mehr allerhöchsten Ansprüchen, die Murray momentan an ihn stellt?

Novak Djokovic wird ab dem kommenden Tennisjahr eine eigene Realityshow erhalten, die ein internationaler Streamingdienst auch in Deutschland ausstrahlen wird. Dabei sollen der Serbe und sein Team in der Serie "Novak" während der kompletten Zeit auf der Tennistour 2017 von einem Kamerateam begleitet werden. Der Djoker als gläserner Profi. Diese Meldung platzte Anfang September.

Die Idee, die Planung und die vertragliche Festhaltung der Show wurden wohl früher im Jahr 2016 festgehalten. Da befand sich der serbische Volksheld noch in einem gefühlten Allzeithoch. Im Juni vervollständigte er mit dem Sieg über Andy Murray bei den French Open den Karriere-Grand-Slam. Nach vier Grand-Slam-Titeln in Folge war für viele Experten sogar der Golden-Slam ein realistisches Unterfangen.

Doch seit dem strahlenden Erfolg auf dem roten Sand von Paris hat der 29-Jährige vor allem abseits des Platzes für Aufsehen gesorgt und zusätzlich einige herbe sportliche Niederlagen einstecken müssen. Komprimiert wären bereits genug Anekdoten für quotenstarke Staffeln dabei gewesen. Schön blöd, wird sich vielleicht der eine oder andere Macher der Realityshow heimlich denken, dass die Verfilmung erst 2017 beginnt.

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Die erste Folge hätte sich sicherlich den Dingen gewidmet, die sich in Djokovics Team rund um den heiligen Rasen von Wimbledon abspielten. Zur Verwunderung der allermeisten Fans und Experten scheiterte der damalige Weltranglistenerste bereits in Runde drei an Sam Querrey. Gut, eine sportliche Niederlage alleine reicht nicht, um ein breites Publikum vor den Bildschirmen zu fesseln. Vielmehr beschäftigten jedoch die Nebengeräusche, die das Ausscheiden auf mysteriöse Art und Weise begleiteten.

Öffentliche Becker-Kritik und private Probleme

Zum einen wären da die erstaunlich scharfe, aber vor allem öffentliche Kritik seines Trainers Boris Becker nach dem Aus des Titelverteidigers: "Nach Paris haben alle Novak gratuliert. Das hat er dann wohl etwas zu sehr genossen und dann die Vorbereitung vernachlässigt." Djokovic selbst bewahrte die Etikette und antwortete öffentlich nicht auf die Aussagen seines Coaches.

Wahrscheinlich, weil der Serbe über gute Manieren verfügt. Vor allem wohl aber, weil den Serben zu jenem Zeitpunkt private Probleme mehr beschäftigten. Dies gab er Wochen später am Rande einer Pressekonferenz bei den US Open offen zu. Detailgetreuer wurde die Gazzetta dello Sport, die von einer handfesten Ehekrise im Hause Djokovic erfahren haben wollte. Demnach soll Frau Jelena ihrem Mann angedroht haben, ihn mit ihrem gemeinsamen Sohn zu verlassen.

Das Aus in Wimbledon bedeutete aus sportlicher Sicht den jähen Abschied vom Golden Slam. Über die privaten Angelegenheiten verlor das Team kein Wort. Wie sich das für eine gute Show gehört, hätte es in einer der nächsten Ausstrahlungen zwischenzeitlich sogar ein kleines Hoch gegeben. Der Djoker setzte sich beim Masters-Turnier in Kanada die Krone auf und überzeugte mit fehlerfreiem Baselinetennis. Alles also wieder gut?

Drama in Rio - Verletzung in New York

Doch im Stile eines Staffelfinales ging es in Rio de Janeiro hochdramatisch zu. Körperliche Probleme ließen den Djoker mit ungewohnter Schwerfälligkeit im Juli über die Trainingsplätze bei Olympia schlürfen. Die Schulter machte ebenso Probleme wie der Ellenbogen sowie eine Zehenverletzung. Juan Martin del Potro kämpfte den Serben in der Auftaktrunde nieder. Djokovic, der wiederholt betont hatte, wie wichtig ihm Olympia sei, verließ unter Tränen den Platz.

Die körperlichen Verschleißerscheinungen wären dem TV-Zuschauer auch in der Folge nicht verwehrt geblieben. Sie setzten sich auch im August bei den US Open fort. Doch Djokovic selbst verlor kein Wort darüber. In dieser Folge wäre sein Trainer zum "Goodguy" aufgestiegen. Denn dieses Mal war es Becker, der sich nach lauterwerdender Kritik der Medien vor seinen Schützling stellte und ihn ob der Beschwerden verteidigte.

Ansatzweise romantisch wurde es ebenfalls: In Flushing Meadows kehrte Jelena Djokovic in die Box zurück und unterstützte ihren Gatten, der sich trotz der Beschwerden ins Finale vorspielte. Doch Stan Wawrinka erwies sich am Finalabend als spielerisch und körperlich stärker.

Lustlos-Aussage wird zum Boomerang

Unerwartet interessant verlief die vierwöchige Spielpause aufgrund eines vielbeachteten Interviews des Branchenprimus' im Schweizer Blick. Dort ließ er verlautbaren, nach dem Titel in Paris schlichtweg die Lust am Tennis verloren zu haben. "Ich habe einen riesigen Druck verspürt, der abgefallen ist. Deswegen habe ich die Lust etwas verloren." Auch zu seinen Verletzungsproblemen äußerte er sich: "Die Müdigkeit beschäftigt mich. Mein Körper ist nicht mehr derselbe wie mit 20. Die vielen Jahre auf dem höchsten Niveau haben ihren Preis."

Die Medienlandschaft nahm die Motivationsprobleme naturgemäß dankend auf, die Nachricht beherrschte weltweit die Schlagzeilen. Es traf das Team des Djokers wie ein extrem früh genommener Return eines seiner härtesten Konkurrenten und drängte es in die Defensive.

Eine ganz eigene Folge hätten die Showmacher wohl dem Thema Yoga widmen müssen. Denn inmitten all dieser Baustellen tauchte ein Youtube-Video auf, das den Serben in einer Meditationsrunde von Pepe Imaz zeigt, dem Inhaber der spanischen Tennisschule in Marbella. In diesem hält der Serbe auch eine Art Motivationsrede. Dem ein oder anderen Berichterstatter war da zu viel Hokuspokus dabei.

Der Djoker in der Schublade

Der Djoker meditiert bereits seit Jahren, Yoga ist fester Bestandteil in seinem Trainingsprogramm. Dass er der visuellen und esoterischen Komponente generell große Bedeutung beimisst und auf diesem Weg seine größten Erfolge feierte - geschenkt.

In Kombination mit der kolportierten Sinnkrise, die das Blick-Interview in der öffentlichen Wahrnehmung gefestigt hatte, wurde Djokovic in eine Schublade gesteckt: Trainingsfaul, leidenschafts- und motivationslos mit dem Fokus auf unwichtige Dingen. Das alles wäre kein schönes Ende der 2016er-Staffel geworden.

Doch dürfen sich Fans des Serben 2017 auf "Novak", die Serie, freuen? Wird er sich bis zu den Australian Open im Januar und langfristig wieder heranpirschen an Murray?

Seite1: Private Probleme und eine Sinnkrise: Der Djoker in der Schublade

Seite2: Machtwechsel als neuer Reiz?

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