French Open: Hawk-Eye der Herren

Einer für ... die Musketiere!

Freitag, 20.05.2016 | 19:44 Uhr
Sind scharf auf den Titel: Andy Murray, Novak Djokovic und Rafael Nadal
© getty
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Das zweite Grand Slam des Jahres öffnet am Sonntag seine Pforten. Der Topfavorit ist ein alter Bekannter, der Rekordsieger befindet sich auf Kollisionskurs und ein Herausforderer setzt auf das Gesetz der Serie. SPOX stellt die Hauptakteure vor, rechnet die Chancen der Deutschen aus und sagt, worum es geht.

Der Top-Favorit: Das mag wie eine kaputte Schallplatte klingen, doch Novak Djokovic ist auch in Roland Garros der große Favorit. Er befindet sich schon wieder in beeindruckender Verfassung und gewann bereits die Australien Open zu Jahresbeginn. Insgesamt stand der Djoker sechsmal in dieser Saison in einem Endspiel. Er gewann fünf davon, zuletzt die das Sandplatz-1000er-Turnier von Madrid; nur in Rom musste er sich im Finale Andy Murray geschlagen geben.

Und auch der Draw meint es gut mit ihm, frühestens im Halbfinale kann er auf ein Kaliber treffen, das annähernd an sein sportliches Niveau heranreicht. In Runde eins sollte er Lu Yen-Hsun aus Taipei keine Mühe haben und er im Viertelfinale winkt ein Duell mit Sandplatzspezialist David Ferrer. Dessen Landsmann Rafael Nadal wäre im Anschluss der wahrscheinliche Halbfinalkontrahent. Den wiederum hat er jedoch zuletzt im Viertelfinale von Madrid in zwei Sätzen niedergerungen.

Der Titelverteidiger: Etwas überraschend und wohl nur aufgrund der Power seiner Badehose bewies Stan Wawrika, dass er in der Tat "The Man" ist. Er marschierte durchs Turnier, schaltete dabei Landsmann und Rekord-Grand-Slam-Champion Roger Federer aus und schlug dann im Finale völlig unerwartet Novak Djokovic, der auf dem Weg zum Nole-Slam (alle vier Grand-Slam-Titel gleichzeitig innehaben) war. Im Finale ließ er dem Serben dann in vier recht souveränen Sätzen keine Chance und gewann seinen zweiten Grand-Slam-Titel nach Melbourne 2014.

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Was seine Chancen im diesjährigen Turnier anbelangt, beginnt der Wettbewerb potentiell kitzlig für ihn. Lukas Rosol ist ein unangenehmer Gegner in Runde eins. Danach aber ist das Feld überschaubar bestellt. Im Viertelfinale wäre ein Clash mit Raonic durchaus denkbar. Sollte es bis zum Halbfinale reichen, wäre Andy Murray der wahrscheinliche Kontrahent.

Beste Vorbereitung - abgesehen vom Djoker: Natürlich hat Novak Djokovic die beste Vorbereitung auf Sand hingelegt, schließlich gewann er eines der drei 1000er auf dem Belag und stand einmal im Finale. Aber auch Murray präsentierte sich zuletzt in guter Verfassung, siegte in Rom und unterlag dem Djoker in Madrid - dort hatte er ihn ebenfalls nah am Rande einer Niederlage, nachdem er den zweiten Satz sehr überzeugend gewonnen hatte. Letztlich folgte dennoch der Einbruch. Als Nummer zwei der Welt und der Setzliste muss er sich jedoch vor sonst keinem Gegner verstecken.

In der unteren Hälfte des Tableaus beginnt der Schotte gegen einen Qualifikanten und wird frühestens in der dritten Runde auf einen halbwegs ernstzunehmenden Gegner treffen. Doch Ivo Karlovic dürfte auf Sand so seine Probleme haben, seinen schnellen Aufschlag in die sonst übliche Dominanz umzumünzen. Gleiches gilt für John Isner, der in der vierten Runde ein möglicher Gegner wäre. Eine andere Hausnummer wäre dann schon ein Kei Nishikori im Viertelfinale. Übersteht er dies, winkt ein Halbfinale gegen Wawrinka oder Raonic. Für den Schotten sicher alles im Bereich des Möglichen. Und dann wäre ein drittes großes Finale in Serie gegen Djokovic möglich - man sagt ja nicht umsonst, dass aller guter Dinge drei seien ...

Letztes Jahr: Sicherlich ist das Highlight des Vorjahres der Triumph von Wawrinka über Djokovic. Aber nicht minder beeindruckend war der Sieg des Djokers über Rafael Nadal im Viertelfinale. Nadal hatte zuvor sage und schreibe fünf French-Open-Turniere in Folge gewonnen - fünf! In dieser Zeit kam der Mallorquiner nebenhei auf die Wahnsinnszahl von 39 Siegen in Roland Garros nacheinander. All das waren natürlich Rekordserien für die Ewigkeit. Zudem bedeutete dies, dass erstmals seit 2009 der Sieger des Herrenturniers nicht Nadal oder Federer hieß. Atemberaubende Fakten.

Schwerster Draw: Kein Top-Ten-Spieler hat wohl in diesem Jahr ein so schwieriges Programm vor sich wie Richard Gasquet. Der Franzose beginnt gleich mal gegen Thomaz Bellucci, was sicher kein Zuckerschlecken wird. Anschließend kann er gegen Sam Querrey wohl etwas durchschnaufen, doch in der dritten Runde wartet mit Nick Kyrgios schon ein junger Wilder, der für nahezu jeden an guten Tagen gefährlich werden kann. Sollte Gasquet auch das überstehen, hießen die wahrscheinlichsten zwei weiteren Gegner Nishikori und Murray. Sehr weit wird Gasquet dann also nicht kommen.

Leichtester Draw: Den leichtesten Draw insgesamt hat naturgemäß die Nummer eins, doch ebenfalls kaum zu stoppen sein wirf Rafa Nadal. In seinem sandigen Wohnzimmer beginnt er gegen Sam Groth, dann käme wohl Facundo Bagnis und im Anschluss sicherlich Fabio Fonini oder Nicolas Mahut. Die Liste kann man weiterführen, unterm Strich aber wäre ein Ausscheiden Nadals vor dem Halbfinale eine faustdicke Überraschung, zumal er beim 1000er in Monte Carlo vor ein paar Wochen bewiesen hat, dass er es nach wie vor drauf hat - besonders auf Sand. Im Halbfinale dann käme es zum Aufeinandertreffen mit Djokovic - aus neutraler Sicht geht es kaum besser.

Upset Alerts: Die SPOX-Glaskugel verrät, dass es dieses Jahr in der ersten Runde kaum Überraschungen geben wird. Die gesetzten Spieler wirken zu stabil dafür. Aber ein paar kleine Wackelkandidaten haben wir dann doch ausgemacht. Da wäre zum einen das Match zwischen Fabio Fognini, an Position 32 gesetzt, gegen Marcel Granollers. Der Italiener mag leicht favorisiert sein, doch der Katalane zeigte in dieser Saison schon gute Form. In Madrid sowie in Istanbul reichte es jeweils fürs Viertelfinale. Soweit wird es in Roland Garros nicht gehen, aber ein Sieg in Runde eins ist durchaus möglich.

Das zweite "Risikospiel" für einen der gesetzten Teilnehmer ist Alexandr Dolgopolovs Auftritt gegen Fernando Verdasco. Der Ukrainer ist an Position 28 gesetzt, Verdasco von Haus aus Sandplatzspezialist. Auch hier ist durchaus mit einer kleinen Überraschung zu rechnen.

Die Deutschen:

Die deutsche Nummer eins ist weiterhin Philipp Kohlschreiber, der auch als einziger seiner Landsleute auf der Setzliste auftaucht - an Position 24. Er startet gegen Nicolas Almagro und sollte diese Hürde nehmen. Anschließend wartet wohl Jiri Vesely. In Runde drei könnte das Ende der Fahnenstange aber schon erreicht sein, denn mit David Goffin wartet einer der aufstrebenden Stars der Szene.

Alexander Zverev wiederum beginnt gegen einen Franzosen. Pierre-Hugues Herbert sollte aber für den Youngster zu packen sein. Anschließend wäre die 18 der Setzliste, Kevin Anderson, gleich der erste Brocken. Übersteht Zverev den auch noch, spricht vieles dafür, dass ein Match gegen Dominic Thiem aus Österreich steigt. Spätestens aber danach wäre wohl in jedem Fall Schluss, denn Nadal wäre dort der Gegenspieler.

Probleme deutscher Talente: Zverev - und sonst?

Ebenfalls in der oberen Hälfte des Brackets findet sich Florian Mayer. Dieser eröffnet gegen Malek Jaziri, müsste im Erfolgsfall dann aber gegen Toms Berdych antreten, was wohl schon eine Nummer zu groß wäre.

Am anderen Ende des Turnierbaums trifft man schließlich Benjamin Becker an. Er spielt gegen Andrey Kuznetsov. Käme er weiter, wartete aber schon Nishikori und damit das fast sichere Aus.

Geschichtsstunde: Wer auch immer sich am Ende in Roland Garros durchsetzt, wird den "Coupe des Mousquetaires", also den Musketier-Pokal, erhalten. So heißt die 1981 designete Trophäe nicht etwa wegen der berühmten Geschichte um D'Artagnan und seine drei Weggefährten von Alexandre Dumas. Vielmehr entschied Philippe Chatrier - nach dem der Center Court auf der Anlage in Paris benannt ist - als damaliger Präsident des französischen Tennisverbandes, die Trophäe als Hommage an vier große französische Tennisspieler zu gestalten: Jacques Brugnon, Jean Borotra, Henri Cochet und Rene Lacoste, die damals die "vier Musketiere" genannt wurden.

Wie auch in Wimbledon üblich, darf der Sieger den Pokal nicht mitnehmen. Er steht für gewöhnlich im Büro des Präsidenten der FFT und wird nur zur Siegerehrung rausgeholt. Der Sieger erhält anschließend eine Nachbildung, die geringfügig kleiner ist.

Die French Open auf einen Blick

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