Montag, 18.01.2016

Karriereende von Lleyton Hewitt

Zum letzten Fight ins Wohnzimmer

Ein letztes Mal will Lleyton Hewitt bei den Australian Open noch angreifen, dann wird er seine Karriere vor den heimischen Fans beenden. Der 34-Jährige kann auf eine Laufbahn mit frühen Erfolgen und Rekorden zurückblicken. Sein Motto bis zum Schluss: Kämpfen!

Hewitt gewann in seiner Karriere 30 ATP-Titel im Einzel
© getty
Hewitt gewann in seiner Karriere 30 ATP-Titel im Einzel

Ein letztes Zurechtrücken der nach hinten gedrehten Baseballcap. Ein letzter Griff an den Dämpfer. Eine wie in Zeitlupe anmutende Ausholbewegung, dann der Aufschlag.

Tausendfach begann Lleyton Hewitt sein Service auf diese Art und Weise. Bei den Australian Open 2016 wird er diesen Ablauf ein letztes Mal wiederholen. Dann geht eine große Karriere zu Ende.

"Ich habe vor, noch die Australian Open 2016 zu spielen und danach höchstwahrscheinlich aufzuhören", kündigte Hewitt seinen Rücktritt bereits vor zwölf Monaten an. Mittlerweile ist aus dem Vorhaben ein fester Entschluss geworden.

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Ein besseres Turnier für einen krönenden Abschluss hätte der Australier wohl nicht wählen können. Das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres findet nicht nur vor heimischer Kulisse statt und bietet damit den idealen Schauplatz für einen emotionalen Abschied. In Melbourne zog Hewitt auch das erste Mal die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich.

Bewunderung von Nadal

Im zarten Alter von 15 Jahren qualifizierte er sich 1997 für die Australian Open - als bis heute jüngster Spieler in der Geschichte. Seitdem verpasste Hewitt das Turnier nicht ein einziges Mal, sodass er nun zum sage und schreibe 20. Mal beim größten Sport-Event des Landes antreten wird.

In Runde eins trifft Hewitt auf James Duckworth (134) - eine durchaus machbare Aufgabe. Doch schon in der zweiten Runde könnte es happig werden: Dort wartet aller Wahrscheinlichkeit nach mit David Ferrer ein Top-10-Spieler. Ein Weiterkommen der aktuellen 306 der Welt wäre gegen den Spanier schon eine echte Überraschung.

Dass Hewitt überhaupt in diesen hinteren Sphären der Weltrangliste zu finden ist, liegt allen voran am Verletzungspech der vergangenen Jahre. Probleme mit den Knien und zwei Hüftoperationen zwangen ihn zu zahlreichen Pausen. Immer wieder musste sich der heute 34-Jährige zurückkämpfen.

"Er hatte so viele Verletzungen und doch hat er bis zum Ende gefightet", lobte Rafael Nadal den Aussie-Star unlängst: "Jedes Mal, wenn er gesund auf dem Platz stand, zeigte er diese Leidenschaft. Das ist etwas Großartiges!"

Titel und Rekorde

Kampf. Leidenschaft. Diese Attribute sind seit jeher symptomatisch für Hewitts Tennis. Sein Spiel ist weniger geprägt von der Eleganz eines Roger Federers oder der Power eines Novak Djokovic. Hewitt ist ein Dauerläufer, der selten auf den direkten Winner geht, sondern von der Grundlinie aus versucht, seine Gegner über lange Ballwechsel zu Fehlern zu zwingen.

Nichtsdestotrotz ist der Mann, der jeden wichtigen Punkt mit einem lauten "C'mon!"-Ruf bejubelt, ein ausgezeichneter Volley-Spieler mit einem der präzisesten Schmetterbälle auf der Tour. Zudem galt sein Return schon früh als der vielleicht beste der Welt.

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Seine herausragenden Fähigkeiten brachten Hewitt schnell erste Erfolge ein: Mit gerade einmal 17 Jahren gewann er als Nummer 550 (!) der Welt seinen ersten von insgesamt 30 ATP-Titeln. Wenig später qualifizierte er sich für die Olympischen Spiele 2000 in Sidney, ehe er noch im selben Jahr an der Seite von Max Mirnyi bei den US Open im Doppel triumphierte.

2001 gelang dann der endgültige Durchbruch in die Weltspitze. Dem Finalsieg gegen Pete Sampras in Flushing Meadows folgte nur einige Monate später der Erfolg in Wimbledon, dem bedeutendsten Turnier der Welt.

Als 20-Jähriger spielte sich Hewitt so zur jüngsten Nummer eins aller Zeiten - und verteidigte diesen Status insgesamt 80 Wochen lang, 75 davon ohne Unterbrechung. Darüber hinaus wurde er 2001 und 2002 als ATP-Spieler des Jahres ausgezeichnet. Es war definitiv die Zeit seiner Karriere.

Die vergebene Chance

Nur die Erfüllung eines Traums blieb ihm über all die Jahre verwehrt: ein Triumph bei den Australian Open. 2005 schaffte es der zweimalige Davis-Cup-Champ zwar bis ins Finale, musste sich dort aber nach langem Kampf Marat Safin geschlagen geben.

"Natürlich war ich danach enttäuscht", sagte Hewitt kürzlich in einem Interview beim australischen Sender Channel 7: "Ich hatte alles gegeben, aber er war einfach zu gut."

Auf dem Weg ins Endspiel schaltete der Lokalmatador Größen wie Nadal und Andy Roddick aus. David Nalbandian bezwang er im Viertelfinale in fünf intensiven Sätzen - und zeigte dabei eines seiner legendären Marathon-Matches.

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Besonders in Erinnerung: das Dritt-Runden-Duell bei den Aussie Open 2008 gegen Marcos Baghdatis. Nach knapp fünf unglaublichen Stunden verwandelte Hewitt seinen fünften Matchball um 4.33 Uhr und beendete damit eine Rekord-Schlacht. Nie zuvor in der Geschichte endete ein Spiel zu einem späteren Zeitpunkt.

Voller Einsatz bis zum Schluss

Denkwürdige Matches will "Rusty" auch dieses Jahr den Zuschauern im Melbourne Park bieten. Laut seinem Fitnesscoach Nathan Martin trainiert der scheidende Profi dafür seit Anfang November täglich sechs Stunden, sechs Tage die Woche. Schlag- und Krafttraining, Boxen, Schwimmen, Laufen - all das steht auf dem quälenden Programm, wie Martin gegenüber PerthNow offenbarte.

Unabhängig davon, ob Hewitt den enormen Aufwand nochmal in Siege ummünzen kann, Standing Ovations werden ihm sicher sein. Zum Abschluss seiner großen Karriere.

Komplett aus dem Tennis-Zirkus zurückziehen will sich Hewitt übrigens nicht. Ab März wird er als Kapitän des australischen Davis-Cup-Teams tätig sein und dort seine "Erfahrungen an die Jüngeren weitergeben".

Mit Bernard Tomic und Nick Kyrgios stehen bereits die nächsten Talente aus Down Under bereit - und hoffen auf ebenso viel Erfolg, wie ihn einst Hewitt hatte.

Die Australian Open 2016 im Überblick

Dominik Geißler

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