Andrey Rublev im Porträt

Ein Bengel auf dem Weg zum Zaren

Dienstag, 20.10.2015 | 13:42 Uhr
Rublev überzeugt vor allem mit seiner Vorhand
© getty
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Sein Talent? Mega! Sein Selbstvertrauen? Riesig! Das jahrelange Warten der Russen auf einen Spieler mit Weltklasseformat hat offenbar ein Ende. Andrey Rublev setzte auf der Profitour bereits erste Ausrufezeichen, doch sein Verhalten auf dem Platz sorgt bei Kontrahenten für viel Ärger. Er vergleicht sich mit Cristiano Ronaldo und strebt nebenbei eine Musik-Karriere an. An seinem 18. Geburtstag wirft SPOX einen genaueren Blick auf den neuen Tennis-Zaren.

30. Januar 2005 in Melbourne, es läuft das Finale der Australian Open zwischen Marat Safin und Lleyton Hewitt. Matchball Safin. Der Russe holt zum Aufschlag aus, trifft den Ball perfekt, macht den Service-Winner und bezwingt damit den Lokalmatador nach vier Sätzen.

Es ist nicht nur einer der größten Erfolge in Safins Karriere, es ist auch der bis heute letzte Titel eines russischen Spielers bei einem Grand-Slam-Turnier.

Als Andrey Rublev den Triumph seines Landsmannes vor dem Fernseher im gut 14.000 Kilometer entfernten Moskau verfolgte, war er gerade einmal sieben Jahre alt. Und er wusste spätestens jetzt: Das will er auch schaffen. Dabei hatte ihn das Tennis-Virus schon längst gepackt.

Die Mutter als Trainerin

Bereits im Alter von drei Jahren legte der Knirps den Schläger kaum noch aus der Hand. "Er hatte viele Spielsachen, Stofftiere und einen Fußball. Sein Lieblingsspielzeug aber waren der Schläger und ein Tennisball", erinnert sich Mutter Marina Marenko.

Die Tennistrainerin, die unter anderem mit Anna Kournikova zusammenarbeitete, hatte fortan nur noch die Karriere ihres Sohnes im Blick.

"Mein ganzes Leben hat sie mich unterrichtet", beschreibt Rublev die Bedeutung seiner Mutter für die eigene Karriere. Mit Erfolg: Nach nur einem Jahr auf der ATP World Tour steht der 18-Jährige in den Top 180 der Weltrangliste. Als erster 17-Jähriger seit Rafael Nadal gelang es ihm, fünf Mal die erste Runde bei einem ATP-Turnier zu überstehen. Auch für das russische Davis-Cup-Team war er bereits erfolgreich.

Bester Junior der Welt

Zuvor überzeugte Rublev, der nach einem russischen Ikonenmaler benannt ist, bereits während seiner Juniorenkarriere. So gewann er bei den Olympischen Jugendspielen 2014 die Bronzemedaille im Einzel sowie Silber im Doppel.

Im selben Jahr triumphierte er auch noch bei den French Open und sicherte sich somit als erster Russe seit 40 Jahren einen Juniorentitel. Mit dem Erfolg in Roland Garros setzte sich der Rotblondschopf auf Rang eins der ITF-Junioren-Weltrangliste.

Vater ist ein Restaurant-Mogul

Doch wer ist dieser Junge, dem viele die ganz, ganz große Laufbahn prophezeien? Als Vorbild und Rückhalt dient Rublev vor allem der Vater.

Der ehemalige Boxer sorgt als Restaurant-Mogul sogar für die Verköstigung des Sohnemanns. "Er hat viele Restaurants überall in Moskau", erzählt der Teenager stolz: "Ich esse also nie zu Hause. Wir haben 13 bis 14 Restaurants und alle sind verschieden. Das ist gut."

Doch trotz der endlos erscheinenden Menge an Essen, die Rublev Abend für Abend zur Verfügung steht, fehlt es dem Youngster noch an Körpermasse. Besonders in den Beinen müsse er Muskeln aufbauen, um auch längere Matches ohne größere Probleme bestehen zu können, weiß Rublev.

Perfekte physische Voraussetzungen

Mit 1,88 Meter Körpergröße hat er eigentlich die perfekten physischen Voraussetzungen für einen Tennisspieler. Er ist groß genug für einen guten Aufschlag, hat aber dennoch die nötige Beweglichkeit für ein starkes Grundlinienspiel.

Genau hier liegt Rublevs Qualität: Er agiert druckvoll aus dem Feld heraus und versucht immer wieder, mit seiner Vorhand zu attackieren. Auch am Netz hat der Rechtshänder seine Stärken, wie er im Doppel mit seinem Partner Alexander Zverev schon mehrfach bewiesen hat.

Und Rublev will sich weiter verbessern, ist ehrgeizig und entsprechend fleißig. Mit Roger Federer, Milos Raonic und Nadal hat er gleich mehrere Vorbilder, deren jeweiligen Stärken er genauestens studiert, um diese dann in sein eigenes Spiel übernehmen zu können.

Der hart arbeitende Sänger

Obwohl Rublev seine Tenniskarriere zweifellos mit vollem Engagement vorantreibt, besitzt er noch eine zweite Leidenschaft: die Musik.

Mit ein paar Freunden hat der bekennende Metallica- und AC/DC-Fan eine Boyband namens "Summer Afternoon" gegründet, in der er als Sänger aktiv ist. Inzwischen hat das Quartett sogar ein Musikvideo (einen Coversong von One Directions "Steal my girl") veröffentlicht.

Wenn sich auch über Rublevs stimmliches Talent diskutieren lässt, seine Fähigkeiten auf dem Tennisplatz sind längst unbestritten. Dies ist auch Nadal nicht verborgen geblieben, als er den damals 16-Jährigen für eine Woche zum Training nach Mallorca einlud. "Der hat richtig was drauf", staunte der Spanier hinterher.

"Er hatte einige Tipps für mich", war Rublev vom Besuch beim Sandplatzkönig begeistert: "Der Größte war, dass ich weiter hart arbeiten muss. Ja, ich weiß, ich muss noch härter arbeiten."

"Er hat mich bedroht"

Doch nicht alle gestandenen Profis sind gut auf Rublev zu sprechen. Im Gegenteil: Auf der Tour hat sich der Rookie bereits nach kurzer Zeit einen schlechten Ruf verschafft. Einen Ruf als unsportlicher Bengel.

"Ich bin enttäuscht darüber, was während des Spiels passiert ist. Mein Kontrahent missachtete die Regeln mehrmals und bedrohte mich. Die Partie hätte abgebrochen werden müssen", war der Argentinier Renzo Olivo nach einer Pleite gegen den Russen derart schockiert, dass er mit einem Brief an die Öffentlichkeit ging.

Auch mit Fernando Verdasco geriet der polarisierende Jungspund aneinander. "Es geht nicht um den Kampfgeist, den er besitzt, sondern darum, wie unhöflich er ist", beklagte sich der ehemalige Top-10-Spieler auf einer Pressekonferenz nach der Niederlage im April: "Er ist erst 17, aber so schlecht erzogen. Er zeigt seinen Gegnern wenig Respekt."

Jubeln wie Ronaldo

Konkret ging es in erster Linie um die ausfallenden, provokant wirkenden und teilweise auch schlichtweg völlig übertriebenen Jubelgesten Rublevs. Eine Kritik, mit der das Talent übrigens wenig anfangen kann.

"Nur weil ich einige meiner Punkte emotional feiere, heißt das noch lange nicht, dass ich schlecht erzogen bin", erklärt Rublev sein Verhalten: "Wenn Cristiano Ronaldo es tut, ist er es doch auch nicht, oder? Das ist einfach die Art, wie ich bin."

Der nächste Safin?

Sich so früh mit einem der besten Sportler der Welt zu vergleichen, ist zumindest mutig. Es zeigt aber auch, wie Rublev denkt, wo er hin will, was er sich zutraut.

Verläuft seine Karriere weiter so steil nach oben wie bisher, könnte Rublevs Traum wahr werden. Dann könnte er als erster Russe seit Safin einen Grand-Slam-Pokal in die Luft stemmen - und der neue Zar des Tennissports werden.

Die Weltrangliste der Herren im Überblick

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