Mittwoch, 15.10.2014

Tränen nach dem K.o. in Luxemburg

Große Sorgen um Petkovic

Das große Rätselraten um Andrea Petkovic macht nicht nur Bundestrainerin Barbara Rittner gut drei Wochen vor dem Fed-Cup-Finale in Prag große Sorgen. Unter Tränen deutete "Petko" nach ihrer Niederlage gegen Pauline Parmentier in Luxemburg außersportliche Probleme an.

Andrea Petkovic steckt momentan in der Krise
© getty
Andrea Petkovic steckt momentan in der Krise

Die sonst so fröhliche Andrea Petkovic gab ein Bild des Jammers ab: Blass, mit tiefen Augenringen und völlig verheult saß die topgesetzte Darmstädterin nach ihrem Erstrundenaus in Luxemburg im Presseraum. Ihre Antworten gab Petkovic mit tränenerstickter Stimme - aber die Erklärungsversuche warfen nur noch mehr Fragen auf.

"Mir geht's momentan nicht so gut, gesundheitlich und privat", sagte die French-Open-Halbfinalistin und gestand: "Ich bin momentan nicht in irgendeiner Verfassung, Tennis zu spielen." Danach verließ sie mit gesenktem Kopf das Podium.

Die physische und mentale Krise der eigentlichen Stimmungskanone Petkovic kommt zur Unzeit. In dreieinhalb Wochen steht das Fed-Cup-Finale gegen Gastgeber Tschechien in Prag an.

Eigentlich fest für Einzel eingeplant

Auch Teamchefin Barbara Rittner war am Mittwoch besorgt und wollte im Verlauf des Tages noch ausführlich mit der Weltranglisten-16. sprechen. Petkovic war neben der deutschen Nummer eins Angelique Kerber (Kiel) eigentlich fest für die Einzel in Prag eingeplant.

Doch bereits während des Matches gegen die Französin Pauline Parmentier (4:6, 2:6), die Nummer 78 im WTA-Ranking, hatte die Hessin immer wieder gegen die Tränen ankämpfen müssen. Die Favoritin wirkte fahrig und war im zweiten Satz nur ein Schatten ihrer selbst. Schon eine Woche zuvor war Petkovic in Linz überraschend in der Auftaktrunde gescheitert.

Dass sie danach selbst für ihren Trainer Eric van Harpen unauffindbar war und entgegen ihrer Gewohnheit nicht zur Pressekonferenz kam, erscheint im Rückblick in einem ganz neuen Licht.

"Das absolute Highlight"

Dabei ist die Saison für die ehemalige Nummer neun der Welt bislang erfolgreich verlaufen. Im Juni erreichte die immer wieder vom Verletzungspech gebeutelte Petkovic in Paris erstmals das Halbfinale eines Grand-Slam-Events. Zudem gewann sie, der viele Experten die Rückkehr in die Top Ten zutrauen, die Turniere in Bad Gastein und Charleston.

Der Fed-Cup-Triumph in Prag, das hat Petkovic jüngst immer wieder betont, wäre "das absolute Highlight, der Wahnsinn, auf einer Stufe mit einem Grand-Slam-Titel. Dafür würde ich alles geben."

Unwahrscheinlich, dass Petkovic in der nächsten Woche am Tournament of Champions in Sofia teilnimmt. Eine Absage könnte sie allerdings wertvolle Weltranglistenpunkte kosten und mit Blick auf die Setzliste bei den Australian Open im Januar 2015 von Nachteil sein. In den sozialen Netzwerken versuchten Fans, die 27-Jährige aufzumuntern. "Wir warten auf dein Lachen. Du bist eine Kämpferin", twitterte ein Anhänger.

Viel Arbeit für Rittner

Besonders auf Rittner wartet nun viel Arbeit. Die Bundestrainerin gibt am 29. Oktober ihr vierköpfiges Aufgebot bekannt, und trotz ihrer Krise ist Petkovic nicht aus dem Team wegzudenken. Um die weiteren zwei Plätze kämpfen Sabine Lisicki (Berlin), Julia Görges (Bad Oldesloe), Mona Barthel (Bad Segeberg) und Doppel-Spezialistin Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn).

Lisicki ist zwar gemessen an der Weltranglite die deutsche Nummer drei (WTA 25), doch die Wimbledon-Finalistin von 2013 war nicht bei den Siegen im Viertelfinale in der Slowakei und im Halbfinale in Australien (jeweils 3:1) dabei.

Für Ex-Profi Nicolas Kiefer ist Lisicki auch deshalb keine Alternative. Sie sei zwar aufgrund "vieler, nicht nur sportlicher Aktivitäten", das "bekannteste Gesicht" im deutschen Tennis, aber Lisicki passe einfach nicht in die eingeschworene Mannschaft mit Kerber, Petkovic, Görges und Grönefeld, sagte der 37-Jährige dem Internetportal ran.de. Nicht zuletzt, weil Lisicki polarisiere, "immer ihr Ding durchziehen will und gerne im Mittelpunkt steht". Das könne durchaus zu Unruhen im Team führen, sagte Kiefer.

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