Mittwoch, 02.05.2012

"Achterbahnfahrt wird bald vorbei sein"

Tommy Haas auf Abschiedstour in Deutschland

Als die Gedanken von Tommy Haas zu seiner kleinen Tochter Valentina Evelyn schweiften, wurde sein Blick traurig. "Ich bin gerade neun Tage von ihr weg, das macht es nicht leichter", sagte der 34 Jahre alte Tennisstar. Doch dann hellte sich seine Miene wieder auf: "Ich würde in diesem Jahr gern Halle spielen, dann Wimbledon, wo ich hoffentlich eine Wildcard bekomme, Stuttgart, Hamburg - und da würde ich meine Tochter mitnehmen."

Tommy Haas befindet sich auf seiner Abschieds-Tour vom Tenniszirkus
© spox
Tommy Haas befindet sich auf seiner Abschieds-Tour vom Tenniszirkus

Es wird nämlich seine Abschiedstournee sein, vorrangig durch seine inzwischen zweite Heimat Deutschland. Derzeit sagt er in der einstigen Wahlheimat München "Servus", wo er so offen wie nie zuvor über den bevorstehenden Rücktritt sprach. Spekuliert wird über einen Abschied nach den US Open.

"Früher habe ich hier selbst Fotos mit Stich und Edberg gemacht - die habe ich jetzt noch. Jetzt machen Kinder Fotos mit mir. Es ist ja vielleicht das letzte Mal, dass ich hier bin", erzählt Haas. Die Eltern sind zur Iphitos-Anlage am Rande des Englischen Gartens gekommen, die Neffen und Nichten auch und passend zu dem Anlass trägt Haas bei seinen Spielen auch ein "Bavaria-Blue-Shirt" im bayerischen Weiß-Blau.

"Ich habe in München so viele schöne Momente erlebt. Als ich elf war, sind wir hierhergekommen", berichtete Haas mit nachdenklichem Blick.

Verletzungen das große Problem

"Solche Spiele sind der Grund, warum ich das noch mache. Aber es ist halt eine Achterbahnfahrt und irgendwann wird es sowieso vorbei sein", sagte Haas. Er ist es leid, wegen diverser körperlicher Probleme und ständiger Schmerzen der Weltspitze hinterherzulaufen. Mal ist es die Schulter, in letzter Zeit war es vor allem das Knie, das immer wieder Probleme bereitete und ihn an Turnierstarts hinderte:

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"So etwas tut weh, und geht tierisch auf die Seele. Die Verletzungen waren mein großes Problem, sonst hätte ich die vielen Jahre viel erfolgreicher spielen können." So wird seine Karriere ohne Grand-Slam-Titel enden, umso mehr kann er jetzt seine olympische Silbermedaille von Sydney 2000 schätzen. Und er wäre im August in London gern zum dritten Mal bei Olympia dabei.

Seine Ambitionen und die Nominierung für die Daviscup-Partie im Februar sorgten sogar für ein Zerwürfnis im deutschen Tennis. Inzwischen wirkt Haas versöhnlicher. Er hofft, dass er eine Wildcard für das olympische Einzelturnier in Wimbledon bekommt und will sich mit Christopher Kas, seinem Konkurrenten um einen Doppelplatz, gütlich einigen.

"California und Bavaria"

Überhaupt scheint Haas inzwischen viel mehr zu interessieren, dass er Zeit für seine US-Lebensgefährtin Sara Forster und die kleine Valentina in den Staaten hat. "Es sind ja neun Stunden Zeitunterschied da hin. Ich rede per Skype oder i-Chat mit meiner Tochter.

Ich habe gerade ein bisschen mit ihr gequatscht, aber das ist ja mit 17 Monaten noch nicht so einfach", verriet er mit einem Grinsen. Haas erzählte auch, dass er in der Zeit nach seiner Karriere vor allem im Sommer in Deutschland sein will, weil es ihm hierzulande im Winter auf Dauer zu kalt ist.

Der dunkelhaarige Mann mit dem Vieltagebart hat einen US-Pass, will aber auch ohne Tennis weiter sein "Doppelleben" in beiden Heimatländern führen: "California und Bavaria - das klingt cool für die Zukunft." Und wie wird sie ohne Tennis? "Sehr nett!" Schließlich wird Valentina Evelyn dann endlich ganz im Mittelpunkt stehen...

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