Sonntag, 15.01.2012

Advantage Regelmann: Pat Cash im Interview

"Dann wäre ich jetzt vielleicht tot..."

Australiens Tennis-Legende Pat Cash ist neben Roger Federer und Stefan Edberg einer von nur drei Spielern, die in ihrer Karriere Wimbledon sowohl bei den Junioren als auch bei den Herren gewonnen haben. Aktuell hat der 46-Jährige bei "CNN" seine eigene TV-Sendung "Open Court". Vor dem Start der Australian Open in Melbourne sprach SPOX mit Cash über ein Leben als Rockstar, Reiki, Depressionen, Boris Becker und den Wayne Rooney des Tennissports.

Pat Cash uns sein liebstes Hobby: die Musik!
© Getty
Pat Cash uns sein liebstes Hobby: die Musik!

SPOX: Pat, neben Ihren Medien-Aktivitäten spielen Sie auch immer noch auf der Seniors Tour und bei den Grand Slams sind Sie auch meistens dabei. Da gab es ja im vergangenen Jahr ein ganz besonderes Highlight...

Pat Cash: Das stimmt. Ich habe zusammen mit Mark Woodforde das Senioren-Doppel-Turnier gewonnen. Jetzt habe ich in Wimbledon bei den Junioren, Herren und den Senioren gewonnen. Stark, oder? (lacht) Ich spiele so um die zwölf Turniere pro Jahr und in der Hauptsache geht es darum, Spaß zu haben. Es findet alles in einer einer sehr relaxten Atmosphäre statt. Außer man spielt gegen John McEnroe. John nimmt das Ganze nach wie vor unglaublich ernst.

SPOX: Außerdem beschäftigen Sie sich auch mit der Reiki-Heilkunde, Sie sind sogar ein qualifizierter Reiki-Heiler. Wie sind Sie dazu gekommen?

Cash: Ich mag es einfach, auch einige seltsame Dinge zu machen. Ich glaube an die alternative Medizin und durch einen Freund, der Kurse gegeben hat, bin ich zur Reiki-Behandlung gekommen. Heute gebe ich selbst ein oder zweimal im Jahr einen Kurs. Ich beschäftige mich auch ein bisschen mit der Wahrsagerei und interessiere mich für Tarot-Karten. Ich bin ein Typ, der es braucht, ganz verschiedene Dinge zu tun.

SPOX: Lassen Sie uns über den größten Erfolg Ihrer Karriere sprechen. Den Wimbledon-Titel 1987. Sie haben damals Jimmy Connors, Mats Wilander und im Finale Ivan Lendl geschlagen. Welche Erinnerungen haben Sie an diese zwei Wochen?

Cash: Ich habe dort die besten zwei Wochen meines Lebens gespielt. Zum richtigen Zeitpunkt habe ich es geschafft, das gesamte Paket zusammenzubringen und mir einen Grand-Slam-Titel zu holen. Dafür lebt man als Tennisspieler. Ansonsten gibt es vor allem eine Sache, an die ich denken muss, wenn ich an Wimbledon 1987 denke. Wie unglaublich sich das Spiel auf Rasen doch seitdem verändert hat. Wenn Lendl in der heutigen Zeit spielen hätte können, hätte er Wimbledon mal gewonnen. Es ist so viel langsamer geworden. Es gibt kein Volleyspiel mehr. Es ist ein ganz anderer Stil geworden.

Legende Pat Cash: Die besten Bilder
Let's meet Patrick Hart "Pat" Cash! Hier mit mit seiner brasilianischen Ex-Frau Emily Bendit
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Pat und seine Kids. Insgesamt ist Cash Vater von vier Kindern
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Als Cash 1987 in Wimbledon gewann, war er mit dem norwegischen Model Anne-Britt Kristiansen liiert
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Das Wimbledon-Finale 1987: Ivan Lendl vs. Pat Cash! Modisch bis heute unerreicht...
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Cash besiegte Lendl 7:6, 6:2, 7:5 und stieg danach hoch in seine Box
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Cash gehörte zu den großen Serve-and-Volley-Spielern seiner Zeit
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Inzwischen hat er in Melbourne seine eigene Statue. Klar, dass die auch sein Stirnband tragen muss!
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Cash an der Seite von Maria Scharapowa
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Cashs große Leidenschaft: die Musik
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Cash und Leconte auf der Bühne, da wird es dann schon schnell legendär
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2011 gewann Cash wieder in Wimbledon, im Senioren-Doppel mit Mark Woodforde
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Cash ist immer noch aktiv und spielt pro Jahr etwa 12 Turniere auf der Champions Tour
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Und er hat nach wie vor mächtig Spaß dabei...
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SPOX: Ist das nicht irgendwie traurig?

Cash: Doch, absolut. Der Unterschied zu damals ist der Mangel an Vielfalt im heutigen Tennis. Man sieht keine Spieler mehr ans Netz kommen. Bitte nicht falsch verstehen: Es ist Wahnsinn, was die Spieler heute für Fähigkeiten haben. Wie viel Power sie haben, wie physisch stark sie sind, wie fit sie sind. Aber meiner Meinung nach ist es eines der großen Probleme im Tennis, dass der technologische Fortschritt, mit den Veränderungen an den Saiten und Bällen, zu weit gegangen ist. Es ist völlig unmöglich geworden, ans Netz zu kommen. Du kannst so nicht mehr gewinnen. Es geht einfach nicht. Dabei ist das Netzspiel doch ein großer Teil des Tennissports. Es müsste Regulierungen geben, die das wieder möglich machen. Ich sage Ihnen mal was.

SPOX: Bitte.

Cash: Das Beste, was dem Tennissport im letzten Jahr passiert ist, waren die French Open. Warum? Weil man die Bälle schneller gemacht hat, sodass jemand wie Roger Federer attackieren, ja sogar mal ans Netz kommen konnte. Und die Rallyes wurden kürzer. Dahin müssen wir wieder zurückkommen. Es ist im Moment viel zu sehr so, dass die Spieler nichts anderes machen, als die ganze Zeit an der Grundlinie hin- und herzulaufen und so hart wie sie nur können auf die Bälle draufprügeln. Die Ballwechsel sind zu lang, es gibt keine Vielfalt - und das killt mich ein wenig, wenn ich das anschauen muss. Ich finde es ein bisschen langweilig.

SPOX: Ein Pat-Cash-Boris-Becker-Match war da natürlich etwas ganz anderes früher. Sie haben zweimal in Wimbledon gegen Boris verloren. Wie war eigentlich Ihr Verhältnis zu ihm?

Cash: Ich denke, es ist fair, wenn man sagt, dass Boris im Umgang miteinander jetzt nicht gerade der einfachste Spieler war. Ich mag ihn heute, wir sehen uns ab und zu und haben dann eine gute Zeit, aber damals hat er einige nicht so nette Dinge über mich gesagt. Ich hatte nie ein Problem mit ihm. Aber das ist alles lange her, sehr, sehr lange. (lacht)

SPOX: Sie waren dicht dran, neben Wimbledon auch die Australian Open zu gewinnen und standen auch dort im Endspiel. Zweimal sogar. Aber beide Male zogen Sie in fünf Sätzen den Kürzeren. Einmal gegen Stefan Edberg und einmal gegen Mats Wilander. Sind das die bittersten Niederlagen Ihrer Karriere?

Cash: Definitiv. Das waren meine größten Enttäuschungen. Zweimal so nahe dran zu sein und es dann nicht zu packen, tat weh. Aber ich habe in beiden Endspielen gut gespielt. Im Match gegen Edberg hatte ich sogar große Probleme mit der Schulter und wusste zu Beginn des Tages nicht, wie ich überhaupt einen Satz gewinnen soll. Und ein Jahr später gegen Wilander, das war ja das erste Jahr im neuen Stadion im Melbourne Park, habe ich auch sehr gut gespielt. Mats war nur einen Tick besser. Ich habe mir nichts vorzuwerfen.

SPOX: Ganz oben auf Ihrer Highlight-Liste stehen sicher auch die beiden Davis-Cup-Triumphe 1983 und 1986. Beide Male haben Sie gegen Schweden (Joakim Nyström, Mikael Pernfors) das entscheidende Einzel gewonnen.

Cash: Der Davis Cup ist für uns Australier sehr wichtig. Es ist eine tolle Möglichkeit, mal im Team zusammenzuspielen. Das haben wir ja als Tennisspieler sonst nicht. Da entstehen starke Beziehungen untereinander. Ich denke, wenn man die Serben oder Spanier fragt, dann werden sie einem sagen, dass der Davis Cup heute sogar noch wichtiger ist als damals. Es hängt ganz vom Land ab. Bei euch in Deutschland hat der Davis Cup vielleicht an Bedeutung verloren, aber eben nur, weil ihr keine Mannschaft mehr habt, die irgendwas gewinnen kann.

SPOX: Um den Davis Cup zu gewinnen, braucht jedes Land auch eine Top-Doppel-Paarung. Sie haben in Ihrer Karriere auch im Doppel zweimal das Wimbledon-Finale erreicht. Einmal haben Sie gemeinsam mit McNamee gegen McEnroe/Fleming verloren. Sollten die Topspieler wieder mehr Doppel spielen?

Cash: Ich muss den Top-Spielern zugestehen, dass es schon schwierig ist, beides zu machen. Ich habe hauptsächlich am Anfang und am Ende meiner Karriere Doppel gespielt, in meiner Blütezeit im Einzel weniger. Aber: Ich liebe es, Doppel zu spielen. Ich finde, dass das Doppelspiel sehr wichtig ist. Es macht Spaß, Doppel zu spielen. Es macht Spaß, beim Doppel zuzuschauen. Aber es findet in der Öffentlichkeit leider wenig statt, weil es die großen Namen ja nur ab und zu mal zum Training spielen. Ich finde aber, dass die ATP noch mehr unternehmen sollte, um das Doppel zu promoten. Dabei geht es auch darum, es mehr Spielern zu ermöglichen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Es ist gar nicht so einfach, vom Tennis zu leben. Die ATP hat die Pflicht, sich um ihre Spieler zu kümmern. Und zwar um alle. Nicht nur um die Top 4. Die streichen fast alles Geld ein.

Cash über ein Leben als Rockstar, Depressionen und seinen Aussie-Open-Tipp

Interview: Florian Regelmann

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