Ana Ivanovic im Interview

"Geld motiviert mich nicht"

Von Interview: Florian Regelmann
Dienstag, 20.04.2010 | 11:46 Uhr
Für viele die schönste Sportlerin der Welt: Ana Ivanovic
© Verano
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Ana Ivanovic war 2008 nach ihrem Grand-Slam-Sieg bei den French Open die beste Tennisspielerin der Welt. Sie war schön und erfolgreich. Jetzt ist sie für viele nur noch schön. Die 22-Jährige ist in der Weltrangliste auf Rang 57 zurückgefallen. Bei SPOX spricht die Serbin über die Gründe für ihren frustrierenden Absturz, ihren Weg zurück - und über tolle Komplimente.

SPOX: Es ist gar nicht allzu lange her, da waren Sie nach der Weltrangliste die beste Tennisspielerin auf diesem Planeten. Aktuell sind Sie nur noch die Nummer 57. Was ist passiert?

Ana Ivanovic: Das ist eine gute Frage, die ich mir auch oft gestellt habe. Der Grund für meinen Absturz ist, dass ich aufgrund von einigen bitteren Niederlagen und sehr frustrierenden Verletzungen sukzessive an Selbstvertrauen verloren habe.

SPOX: Sie haben Ihre Verletzungsprobleme angesprochen: Welchen Einfluss hatten diese genau?

Ivanovic: Um ehrlich zu sein, bin ich mit meinen Verletzungen nicht sehr gut umgegangen. Ich habe ständig verkrampft versucht, wieder zu meiner Bestform zu finden und wie die Ana zu spielen, die die Nummer eins der Welt geworden ist. Stattdessen hätte ich auf meinen Körper hören und eine Pause machen sollen. Es hat alles mit meiner Daumenverletzung vor zwei Jahren nach Wimbledon angefangen, als ich mich zu sehr unter Druck gesetzt habe, um für die Olympischen Spiele und die US Open wieder fit zu sein. Da habe ich mich zu sehr gehetzt.

SPOX: Wie tief war die Frustration zwischenzeitlich bei Ihnen? Sie gelten als unglaublich ehrgeizig. Das muss alles sehr hart für Sie gewesen sein.

Ivanovic: Oh ja, das war es. Es war mit Sicherheit keine einfache Zeit in meiner Karriere. Es ist so leicht, die Geduld zu verlieren und sich von seinem Spiel total frustrieren zu lassen. Aber das hilft einem ja nicht weiter. Stattdessen habe ich gelernt, dass ich versuchen muss, ruhig zu bleiben und zu akzeptieren, dass es einfach noch Zeit braucht, bis ich mein Spiel und mein Selbstvertrauen wieder gefunden habe.

SPOX: Sind Sie zwischendurch mal an einen Punkt gekommen, an dem Sie den Schläger am liebsten in die Ecke geschmissen und etwas anderes gemacht hätten?

Ivanovic: Nein, überhaupt nicht. Jeder, der glaubt, dass ich wegen meiner Probleme über das Ende meiner Karriere nachgedacht habe, muss total verrückt sein. Ich liebe Tennis und will in diesem Sport noch viel erreichen.

SPOX: Was macht Sie zuversichtlich, dass wir bald wieder die alte Ana sehen werden?

Ivanovic: Ich habe den großen Vorteil, dass ich ein großartiges Team um mich herum habe, das hundertprozentig hinter mir steht und an mich glaubt. Wir wissen alle, dass ich noch viel Arbeit vor mir habe. Aber wissen Sie was? Das ist vollkommen okay. Ich habe kein Problem damit, hart zu trainieren, weil ich sehr motiviert bin. Unglücklicherweise hängt es zu einem Großteil vom Tennis ab, wie glücklich ich in meinem Leben bin, aber so ist es nun einmal, weil ich das Spiel so sehr liebe. Und wie Sie vorhin gesagt haben: Ich bin sehr, sehr ehrgeizig.

SPOX: Wo sehen Sie sich im Moment?

Ivanovic: Ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich habe im vergangenen Jahr einige Matches verloren, die ich eigentlich hätte gewinnen müssen - das hat mein Selbstvertrauen negativ beeinflusst. Ich bin von einer Enttäuschung in die nächste geschlittert. Aber das hat sich jetzt alles geändert, seit ich mit Heinz Günthardt zusammenarbeite. Ich fühle, wie mein Selbstvertrauen wieder steigt. Ich habe wieder eine klare Vision, wie mein Spiel aussehen soll. Das ist ganz wichtig und macht mir für die kommenden Monate Mut.

SPOX: Wie genau kann Ihnen Günthardt helfen?

Ivanovic: Heinz hat mir schon so viele Dinge beigebracht. Er ist ein sehr intelligenter Mensch - es macht Spaß, sich mit ihm zu unterhalten. Ich bin begeistert von den Plänen, die er für mein Spiel hat. Jede Trainingseinheit ist ein Vergnügen. Und ich sehe auch schon die ersten sehr guten Resultate im Training.

SPOX: Heinz Günthardt ist den Tennis-Fans in Deutschland vor allem deshalb ein Begriff, weil er mit Steffi Graf zusammengearbeitet hat. Was fällt Ihnen eigentlich als erstes ein, wenn Sie an Steffi denken?

Ivanovic: Um ehrlich zu sein, bin ich kein großer Experte, was die Tennisgeschichte angeht. Ich erinnere mich aber natürlich, wie ich Steffi habe spielen sehen. Und wie ich vor allem ihre Vorhand bewundert habe. Auch ihre ruhige, gelassene Art auf dem Court hat mich beeindruckt. Sie ist einer der größten Champions in der Geschichte des Tennissports. Mehr muss man zu ihr nicht sagen.

SPOX: Steffi Graf wurde von vielen sehr bewundert, aber im Vergleich zu den Komplimenten, die man über Sie lesen kann, war das alles noch harmlos. "Die schönste Sportlerin der Welt", "eine Prinzessin auf dem Tenniscourt": Was bedeuten Ihnen solche Komplimente?

Ivanovic: (lacht) Was soll ich jetzt dazu sagen? Wie jede Frau auf der Welt freue ich mich über solche Komplimente, es ist sehr schmeichelhaft, so etwas zu hören. Aber das schönste Kompliment, das man mir machen könnte, sollte dann bitte lieber etwas mit meinem Intellekt zu tun haben als mit meinem Aussehen.

SPOX: Aufgrund Ihrer Werbeverträge können Sie jede Menge Geld verdienen, auch wenn Sie nie wieder die Top 10 erreichen sollten. Wie groß ist dennoch der Drang, wieder ganz nach oben zu kommen und vielleicht zum zweiten Mal die Nummer eins der Welt zu werden?

Ivanovic: Ich habe das große Glück, dass meine Liebe zum Tennis es mir ermöglicht hat, gutes Geld zu verdienen. Aber Geld motiviert mich nicht. Meine Motivation ist es, mich mit den Besten der Besten zu messen und Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Meine Motivation, wieder ganz nach oben zu kommen, ist extrem hoch und ich denke dabei wirklich nie ans Geld. Sicherlich ist es eine schöne Position, in der ich mich befinde, aber Geld hat keinerlei Auswirkung auf meinen Glückszustand.

SPOX: Kim Clijsters und Justine Henin sind nach Rücktritten beide wieder auf die Tour zurückgekehrt. Können Sie sich vorstellen, einen ähnlichen Weg einzuschlagen?

Ivanovic: Nein, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in fünf oder sechs Jahren noch Tennis spielen werde. Ich will eine lange Karriere haben. Ich bin erst 22 Jahre alt und es gibt noch so viele Ziele, die ich erreichen kann. Ich werde erst aufhören, wenn ich keinen Spaß mehr am Spiel habe - und es wird noch lange dauern, bis das der Fall ist.

Hier geht's zur offiziellen Homepage von Ana Ivanovic

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