Historie

Herbstmärchen ausgeschlossen

Von Alexander Mey
Donnerstag, 20.09.2007 | 13:09 Uhr
tennis, davis cup, 1988, becker, kuehnen, jelen, steeb
© Getty
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München - Davis-Cup-Finale 1988, Deutschland - Schweden, 1. Einzel, Carl-Uwe Steeb gegen Mats Wilander, 5. Satz, Matchball Wilander: Steeb lässt sich nicht einschüchtern, knallt seine Vorhand longline auf die Linie und schafft wenig später den Ausgleich. Am Ende gewinnt der krasse Außenseiter 8:6 im Fünften und bringt das DTB-Team auf die Siegerstraße.

Dank der Siege von Boris Becker gegen Stefan Edberg und dem Doppel Becker/Jelen gegen Edberg/Jarryd holt Deutschland zum ersten Mal den Davis Cup. Wiederum dank Becker gelingt ein Jahr später erneut gegen Schweden die Titelverteidigung.

Beim dritten Sieg 1993 war Becker nicht dabei. An seiner Stelle führte Michael Stich die Mannschaft um Patrick Kühnen und Marc-Kevin Goellner gegen Australien zum dritten Triumph.

Haas eröffnet gegen Andrejew

Jetzt ist Patrick Kühnen Teamchef einer Mannschaft, die zum ersten Mal seit besagtem Jahr 1993 den Einzug in ein Davis-Cup-Finale schaffen kann. Ab Freitag geht es in Moskau gegen die favorisierten Russen.

Tommy Haas eröffnet die Begegnung gegen Igor Andrejew, es folgt die Partie zwischen Philipp Kohlschreiber und Nikolaj Dawidenko. Im Doppel trifft die deutsche Verlegenheits-Combo Waske/Petzschner auf Juschni/Tursunow. "Ein Sieg wäre für das deutsche Tennis sensationell", sagt Kühnen, der 1995, als Deutschland zum letzten Mal in einem Halbfinale stand, nicht dabei war.

Stich und das Drama von Moskau 

Sehr wohl dabei war aber Michael Stich, und zwar an der Seite von Boris Becker. Auch damals ging es in Moskau gegen Russland, damals war das deutsche Dreamteam jedoch hoher Favorit.

Bis zum letzten Einzel zwischen Stich und Andrej Tschesnokow, das beim Stand von 2:2 die Entscheidung bringen musste. Eigentlich schien im Vorfeld klar, dass der Deutsche das Kind schon schaukeln würde, doch geschwächt von zwei Spielen zuvor musste er über fünf Sätze gehen. Dort hätte beim Stand von 7:6 für Stich alles gut werden müssen, denn neunmal durfte sich die DTB-Delegation zum Jubeln bereit machen, neunmal hatte Stich Matchball.

Jahrhundert-Finale verpasst 

Aber diese russische Gummiwand auf der anderen Netzseite wollte einfach diesen letzten Punkt nicht abgeben. Das Rebreak kam, das Schicksal nahm seinen Lauf, Stich verlor 12:14 und beendete, ohne es damals zu ahnen, eine Ära erfolgreicher deutscher Davis-Cup-Teams.

"Es tat mir damals besonders leid für das Team, weil wir dadurch das so genannte Jahrhundert-Finale zu Hause gegen die USA mit Sampras und Agassi verpasst haben", sagt Stich heute.

Das war schon bitter, denn ein Finale Becker/Stich gegen Sampras/Agassi hätte sicher zu monumentalen Tennis-Schlachten geführt.

Zeit der Schlachten ist vorbei 

Schlachten, die man heute nicht mehr sieht oder zumindest nicht mehr wahrnimmt. Denn es ist einfach nicht dasselbe, mit Becker und Stich um den Finaleinzug zu fiebern oder mit Haas und Kohlschreiber. Wo sich vor zwölf Jahren die ganze Familie mit Oma, Opa und Hund vor dem Fernseher versammelt hat, schauen heute nur noch die Tennisfans genauer hin.

Der Rest erfährt aus den Nachrichten, ob es geklappt hat oder nicht. Wenn ja, super! Wenn nein, dann eben nicht.

Flächendeckende Euphorie wie bei Fußball- oder Handball-WM wird die Partie am Wochenende im Land nicht entfachen.

Herbstmärchen ausgeschlossen.

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