Der Held von München

SID
Dienstag, 10.02.2015 | 14:14 Uhr
Mark Spitz pflügt durchs Wasser: 1972 war niemand schneller als er
© getty
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Mit sieben Goldmedaillen bei Olympia 1972 in München stellte der US-Schwimmer Mark Spitz einen Rekord für die Ewigkeit auf, bis ihn Michael Phelps 36 Jahre später übertrumpfte. Immer an seiner Seite: der Schnurrbart. Sein Markenzeichen inspirierte sogar die Konkurrenz.

Andere rasierten sämtliche Körperhaare weg, um schneller zu werden: Mark Spitz wurde mit ausgesprägtem Schnurrbart und spitzbübischem Lächeln 1972 bei Olympia in München zur historischen Figur. Sieben Starts, sieben Goldmedaillen - dies schien ein Rekord für die Ewigkeit.

Bis sein US-Landsmann Michael Phelps 2008 in Peking achtmal triumphierte. Doch in einem bleibt Spitz, der am Dienstag (10. Februar) 65 wird, unerreicht: Im Gegensatz zu Phelps gewann er jedes Gold in Weltrekordzeit. Der Nachfolger schwamm in Peking über 100 m Schmetterling "nur" olympischen Rekord.

"Meine Rekorde haben Phelps gepusht"

"Wenn ich der erste Mensch auf dem Mond war, dann ist Michael der erste Mensch auf dem Mars", sagt Spitz zur Leistung des Nachfolgers, doch er macht auch deutlich: "Der Grund, warum Michael Phelps mehr Medaillen geholt hat, heißt Mark Spitz. Er hatte sein Leben lang mich als Ziel. Meine Rekorde haben ihn gepusht, sie haben ihn zu dem gemacht, der er heute ist."

Phelps gewann exakt die doppelte Zahl an Edelmetall: Waren es bei Spitz 11 Medaillen (9 Gold, 1 Silber, 1 Bronze), nachdem er 1968 in Mexiko City als 18-Jähriger bereits mit beiden Freistilstaffeln gesiegt und zwei Einzelmedaillen gewonnen hatte, so fischte Phelps 22 (18-2-2) aus drei Olympiabecken: sechsmal Gold 2004 in Athen, achtmal 2008 in Peking und viermal 2012 in London, wo er als erfolgreichster Sportler der Olympia-Geschichte noch zwei Silbermedaillen gewann.

"Michael nahm sich allerdings auch mehr Zeit. Ich musste daran arbeiten, dass es ein Leben nach dem Schwimmen geben würde. Deshalb war ich ein Vollzeitstudent, Phelps ein Vollzeitschwimmer", sagte Mark Spitz, der nach München schon mit 22 Jahren zurücktrat, um seine Popularität zu vermarkten.

Der Versuch, in Hollywood als Filmstar Fuß zu fassen, scheiterte aber ebenso wie sein Comeback im Wasser, als er mit 41 Jahren die Qualifikation für Olympia 1992 in Barcelona verpasste. Sein erfolgreich florierendes Immobiliengeschäft gab Spitz später auf, gibt heute gutbezahlte Motivationskurse.

Der Bart macht ihn schneller

Seine Goldmedaillen hat der mit Ex-Model Susan Weiner verheiratete Mark Spitz nur selten aus dem Schrank geholt: "Einmal für ein Bild, das ich selbst bezahlt habe und Anfang der 80er-Jahre von mir machen ließ. Das zweite Mal, als Matthew, mein ältester Sohn, sieben war und meine Medaillen einmal um den Hals haben wollte wie sein Vater. Und das dritte Mal, als mein zweiter Sohn Justin sieben war. Ich habe also zwei Bilder, auf beiden sind meine Jungs jeweils sieben und tragen die sieben Goldmedaillen ihres Vaters."

Mark Spitz war Vorbild in vielerlei Hinsicht. Schmunzelnd erzählt er: "Ein russischer Trainer hat 1972 gefragt, ob mich der Bart nicht langsamer machen würde. Ich habe ihm geantwortet, dass der Bart das Wasser ableitet und mich noch schneller macht. Im Jahr darauf trug jeder russische Schwimmer einen Schnurrbart."

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