Mittwoch, 17.12.2014

Nach Deibler-Rücktritt

Vesper: "Druck schlicht zu groß"

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bedauert den plötzlichen Rücktritt von Schwimm-Weltrekordler Markus Deibler. Die Doppelbelastung von beruflicher Perspektive und Sport sei nach Auffassung des DOSB aber nicht der Grund für das Ende der Schwimmlaufbahn gewesen.

Michael Vesper hat sich zum Rücktritt von Markus Deibler geäußert
© getty
Michael Vesper hat sich zum Rücktritt von Markus Deibler geäußert

"Der Rücktritt ist bedauerlich, scheint aber wohlüberlegt, berücksichtigt man die Argumente des Athleten, der Trainer oder der Eltern. Es stehen wohl auch noch weitere Gespräche aus", sagte DOSB-Vorstandsvorsitzender Michael Vesper dem "SID".

"Möglicherweise geht es hier nicht um einen klassischen Konflikt zwischen sportlichem Erfolg und beruflichem Weg im Sinne einer dualen Karriere, sondern darum, dass einem Spitzensportler der Druck schlicht zu groß wird", sagte Vesper und erklärte: "Und wenn sich dieser Eindruck bestätigt, dann müssen wir das akzeptieren, weil wir zwar Talente fördern, die das Zeug zum Weltmeister haben, aber nicht gegen ihren Willen und um jeden Preis."

"Seine Entscheidung steht"

Schwimm-Bundestrainer Henning Lamberz glaubt nicht mehr an weitere Gespräche mit Deibler und an einen Rücktritt vom Rücktritt. "Ich denke, seine Entscheidung steht. Die Motivation ist nicht mehr da, weil er sportlich auf der langen Bahn keine Chancen auf eine Olympiamedaille hat", sagte der Trainer.

Deibler hatte am Dienstag, keine zwei Wochen nach seinem WM-Triumph in Weltrekordzeit über 100 m Lagen (50,66 Sekunden), überraschend seinen Rücktritt bekannt gegeben. Der 24-Jährige will sich als Mitinhaber einer Eisdiele im Hamburger Stadtteil St. Pauli eine Existenz aufbauen.

Fehlende Unterstützung beklagt

Die fehlende Motivation ist aber wohl auch auf die starke Belastung zurückzuführen, der Deibler als Schwimmer und Student in den vergangenen Jahren ausgesetzt war. Das Studium zum Wirtschaftsingenieur hatte er schon schleifen lassen, "um wenigstens ein bisschen am Leben teilnehmen zu können", wie der Ausnahme-Schwimmer im "Hamburger Abendblatt" zitiert wird.

Markus und sein älterer Bruder Steffen, amtierender Kurzbahn-Weltrekordler über 50 m Schmetterling, hatten in der Vergangenheit auch öffentlich die fehlende Unterstützung beklagt. "Wenn unsere Leistungen und unsere Arbeit so wenig Anerkennung finden, dann war's das eben", sagte Markus Deibler.


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