Freitag, 06.08.2010

Schwimmen

Biedermann: "Es muss mal endlich losgehen"

Paul Biedermann ist im Hinblick auf den EM-Start der Beckenwettbewerbe in Budapest am Montag kaum zu stoppen. Er merke im Training, dass er gut drauf sei und scheue keinen Gegner.

Paul Biedermann war der erste Mensch, der 200 Meter unter 100 Sekunden geschwommen ist
© Getty
Paul Biedermann war der erste Mensch, der 200 Meter unter 100 Sekunden geschwommen ist

Längerer Bart, kürzere Hose, größerer Druck: Seit seinem Sieg über den "Außerirdischen" Michael Phelps bei der Schwimm-WM 2009 in Rom hat sich im Leben von Paul Biedermann vieles verändert.

Er steht nicht nur privat wegen seiner Beziehung mit Olympiasiegerin Britta Steffen im Fokus der Öffentlichkeit, sondern auch sportlich. Bei der EM in Budapest erwarten alle einen erneuten Doppelsieg des Hallensers, der am Samstag seinen 24. Geburtstag feiert.

"Der Jäger ist jetzt der Gejagte. Ich bin selbst gespannt zu sehen, wie ich damit umgehen kann. Vielleicht ist es eine wichtige Lehre im Hinblick auf Olympia 2012 in London", sagte Biedermann dem "sid" vor dem Start der Beckenwettbewerbe in Budapest am Montag.

"Die Laktatwerte sprechen für sich"

Auf der Margareteninsel will der Doppelweltmeister Gold über 200 und 400 m aus dem Wasser fischen. Die Form jedenfalls stimmt.

"Ich merke im Training schon, dass ich gut drauf bin. Auch die Laktatwerte sprechen für sich", sagt der Weltrekordler, der dem Startschuss der Wettbewerbe förmlich entgegenfiebert: "Das ganze Gerede im Vorfeld nervt ein bisschen, jetzt muss es auch mal endlich losgehen."

Biedermann hat sich gewissenhaft vorbereitet. Durch das Verbot der Ganzkörperanzüge sei eine "völlig neue Situation" entstanden, erklärt der Olympia-Fünfte. Die knielangen Badehosen, sogenannte Jammers, verlangen einen anderen Schwimmstil. "Der Schmerz holt dich viel früher ein", sagt der deutsche Ausnahmeschwimmer.

Trainer Embacher sieht Biedermann vorn

Etwa vier Kilogramm Körpergewicht hat Biedermann abgespeckt, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, denn die Konkurrenz schläft nicht und wird immer jünger.

Der erst 18 Jahre alte Franzose Yannick Agnel zum Beispiel liegt mit seiner Jahresbestzeit über 400 m Freistil (3:46,26 Minuten) deutlich vor Biedermann (3:48,77). "Wir werden uns einen guten Kampf liefern", sagt Biedermann, der auch optisch mit einem Vollbart angriffslustig wirkt.

Im Duell Mann gegen Mann, das durch den Wegfall der Rekordzeiten an Attraktivität gewinnt, sieht Trainer Frank Embacher seinen Schützling ganz vorne. "Cool, wie Paul die Rennen kontrolliert. Er läuft wie eine Nähmaschine, mal schneller, mal langsamer, aber jeder Stich sitzt", sagte Embacher dem Nachrichtenmagazin Stern.

Freundin und Familie zittern mit

Unterstützung erhält Biedermann bei der EM von der Tribüne, wo seine Familie und Freundin Britta Steffen mitfiebern werden.

Die Doppel-Olympiasiegerin von Peking und Doppel-Weltmeisterin von Rom hat auf ihren Start in Budapest wegen diverser Erkrankungen und Trainingsrückstands verzichtet und ist für die ARD als Expertin vor Ort.

"Natürlich werde ich ihm die Daumen drücken, aber letztlich muss Paul alleine schwimmen. Dann werden wir sehen, was er drauf hat", sagte Steffen.

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