Schach-Legende Judit Polgar im Interview: "Die Männerdominanz ist traurig"

Von Christoph Franz
Freitag, 23.03.2018 | 17:56 Uhr
Judit Polgar sagte im Interview über die Männerdominanz im Schach: "Es ist traurig".
© getty
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Judit Polgar gilt als die beste Schachspielerin aller Zeiten. Die 41-Jährige verkündete 2014 ihr Karriereende, jedoch spielt der Denksport weiterhin eine große Rolle in ihrem Leben.

Im Interview mit SPOX spricht die Ungarin über das aktuell laufende Kandidatenturnier in Berlin (jetzt im LIVETICKER), die Männerdominanz im Schachsport, künstliche Intelligenz und über das Label "beste Schachspielerin der Welt".

SPOX: Frau Polgar, 2014 haben Sie Ihr Karriereende bekanntgegeben, zwei Jahre später wurden Sie Kapitänin der ungarischen Nationalmannschaft. Was machen Sie heute?

Judit Polgar: Das Amt hat mir großen Spaß gemacht, sodass ich auch 2017 dabei geblieben bin. Ansonsten investiere ich heute viel Zeit in meine "Judit Polgar Chess Foundation". Bei dieser Organisation wollen wir eine führende Rolle bei der Förderung von Bildung und lebenslangem Lernen übernehmen. Wir haben einen starken Fokus auf Sport, der sich eben besonders auf Schach bezieht. Die Talent- und Kompetenzentwicklung ist uns dabei genauso wichtig wie die soziale Integration.

SPOX: Ist dieses Programm nur für Ungarn oder auch für weitere Länder ausgelegt?

Polgar: Wir wollen die Arbeit sowohl in Ungarn als auch im Ausland ausführen. Erst im vergangenen Jahr haben wir unser Global Chess Festival in Ungarn veranstaltet, bei dem mehrere Nationen vertreten waren. Wir hatten über 2.000 Besucher. Es war bereits das dritte Fest dieser Art und es wird definitiv nicht das letzte bleiben.

SPOX: Verfolgen Sie daneben auch weiterhin den aktuellen Schachsport?

Polgar: Klar, mein Interesse für Schach ist natürlich immer noch groß. Beim aktuellen Kandidatenturnier in Berlin bin ich unter anderem als Expertin bei den Übertragungen von worldchess.com aktiv.

Die Teilnehmer des Kandidatenturniers in Berlin:

SpielerNation
Sergej KarjakinRussland
Lewon AronjanArmenien
Ding LirenChina
Sähriyar MämmädyarovAserbaidschan
Alexander GrischtschukRussland
Wesley SoUSA
Fabiano CaruanaUSA
Wladimir KramnikRussland

SPOX: Haben Sie einen Favoriten bei diesem Turnier?

Polgar: Alle acht Teilnehmer sind sehr gut. Nicht umsonst gehören sie zu den besten der Welt. Vor dem Turnier hatte ich Wladimir Kramnik auf der Rechnung. Im Moment macht das Fabiano Caruana natürlich sehr gut. Daran sieht man, dass es schwer ist, einen Favoriten auszumachen.

SPOX: Der Gewinner dieses Turniers tritt bei der Schach-WM in diesem Jahr gegen den amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen an. Hat der beste Kandidat überhaupt Chancen gegen den Norweger?

Polgar: Durchaus. Carlsen muss sich vor jedem dieser Spieler in Acht nehmen. Sie sind alle sehr unterschiedlich, doch ich glaube, dass das Duell von Carlsen gegen den Gewinner ein sehr interessantes sein wird.

Polgar: "Es ist was anderes, die Spieler live zu beobachten"

SPOX: Glauben Sie, dass Carlsen das Kandidatenturnier verfolgt, um seinen Gegner zu begutachten? Oder verbringt er die Zeit lieber mit Urlaub?

Polgar: Ich bin davon überzeugt, dass er sich die Spiele ganz genau ansieht und seine möglichen Gegner analysiert. Denn es ist nochmal was anderes, die Spieler live zu beobachten, als sich ein Duell auf dem aufgezeichneten Schema anzugucken. So sieht man besser, wie lange jemand für einen Zug überlegt hat und kann so leichter seine Schlüsse ziehen.

SPOX: Hätten Sie eine Chance, wenn Sie heute beim Kandidatenturnier mitspielen würden?

Polgar: Da ich keine Vorbereitungszeit gehabt hätte und mir meine Gegner vorher nicht anschauen konnte, vermutlich nicht. Seit ich 2014 aufgehört habe, habe ich zudem auch nicht mehr auf diesem Niveau gespielt.

SPOX: Wie haben Sie sich früher auf Spiele vorbereitet? Spielen Online-Datenbanken bei der Vorbereitung auf kommende Spiele eine Rolle?

Polgar: Als ich mit Schach anfing, waren Online-Datenbanken natürlich noch kein Thema. Heute werden sie aber immer wichtiger. Man kann so von allen möglichen Spielern seine Analysen von mehreren Duellen festhalten. Da ist so eine Datenbank der einfachste Weg, diese zu speichern. Ansonsten habe ich es so gemacht wie jeder Schachspieler es tut: So viele Spiele wie möglich anschauen und auch selbst möglichst viele Spiele machen.

Polgar: "Ein Duell gegen einen Computer kann auch interessant sein"

SPOX: Computer können inzwischen perfekt Schach spielen und es ist beinahe unmöglich für einen Menschen geworden, gegen die künstliche Intelligenz zu gewinnen. Zerstört das den Schach-Sport?

Polgar: Nein, dieser Meinung bin ich nicht, denn wir Menschen können davon auch lernen. Auch bei der Vorbereitung auf Turniere spielen diese Systeme eine große Rolle, denn bei Spielen gegen diese Computer kann man sich etwas abschauen und zum Beispiel eine neue Taktik aneignen. Der Reiz eines jeden Schachspielers ist es ja, gegen die Besten anzutreten. Da kann so ein Duell gegen einen Computer auch interessant sein.

SPOX: In einem Interview mit uns sagte der Lewon Aronian, dass es keine Rolle spiele, ob man gegen einen Mann oder eine Frau antrete. Man registriere gar nicht mehr, wer einem gegenüber sitzt. Sind Sie der gleichen Meinung?

Polgar: Ich habe kaum gegen Frauen gespielt. Es gab nur drei Turniere, bei denen ich mich ausschließlichen mit Frauen duellierte. Aber es war tatsächlich nicht wichtig, welches Geschlecht der Gegner hatte.

SPOX: Schach ist schon immer eine Männerdomäne gewesen. Glauben Sie, dass Frauen in Zukunft eine größere Rolle in diesem Sport spielen könnten?

Polgar: Aktuell sieht es nicht danach aus. Die Chinesin Hou Yifan ist aktuell die beste Frau und sie gefällt mir. Sie ist allerdings noch nicht auf dem Niveau der besten Männer. Aber sie ist ja noch jung. Es ist natürlich traurig und ich hoffe, dass die Frauen in Zukunft wieder stärker werden.

Polgar über ihre Kinder und das Label "Beste Spielerin der Welt"

SPOX: Wie sind Sie zum Schach gekommen?

Polgar: Das hatte mit der Erziehung meiner Eltern zu tun. Ich war die jüngste von drei Töchtern, aber wir alle haben viel Bildung unserer Eltern mitgenommen. Ihnen war wichtig, dass wir uns verschiedene Bereiche aneignen. Ein Bestandteil dieser Erziehung war eben Schach. So wurde es von Zeit zu Zeit natürlich immer mehr.

SPOX: Sie haben zwei Kinder. Spielen die auch Schach?

Polgar: Ja, das haben sie sogar eine Zeit lang auf Wettkampfniveau. Allerdings haben sie das seit zwei Jahren nicht mehr gemacht. Den Spaß am Schach haben sie glücklicherweise behalten.

SPOX: Sie trugen das Label "Die beste Schachspielerin der Welt". Hat Sie das in irgendeiner Weise beeinflusst?

Polgar: Nein. Es war mir natürlich bewusst, aber ich habe mich davon nicht beeinflussen lassen. Ich hatte Spaß am Schach und das ist auch noch heute so.

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