Gegen Mozart aus dem Schatten

Von Jannik Schneider
Donnerstag, 10.11.2016 | 12:00 Uhr
Magnus Carlsen (r.) will zum dritten Mal Schach-Weltmeister werden
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Wenn sich ab Freitag Magnus Carlsen und Sergey Karjakin um den Titel des Schach-Weltmeisters duellieren, umgibt das Ganze etwas Historisches. Seit exakt 130 Jahren wird in regelmäßigen Abständen offiziell ein Weltbester gekürt. Nie hatten die Kandidaten eine zeitgemäßere Attitüde als bei der diesjährigen Auflage in New York. SPOX liefert Euch alles Wissenswerte rund um das Duell der beiden jungen Großmeister.

Der Titelverteidiger

Magnus Carlsen ist kein normaler junger Mann, das beweisen alleine die Fakten: zweitjüngster Schach-Weltmeister aller Zeiten mit 22 Jahren, Großmeister bereits mit 13 Jahren, ein Remis im gleichen Jahr gegen den damaligen Champion Garry Kasparov.

Nachdruck verleiht diesen Fakten nun ein Dokumentarfilm, der das Leben des mittlerweile zweifachen, vielleicht bald dreifachen Champions von Kindesbeinen an beleuchtet. Passend zur WM ist der Film "Magnus - Der Mozart des Schachs" in dieser Woche in den Kinos angelaufen. "Ich bin anders als die anderen in meiner Klasse", erklärt darin der schüchterne Grundschüler Magnus.

Seine Eltern merken rasch, dass ihr Junge zwar körperlich zurückhängt, aber ein selektives Gedächtnis besitzt. Dies fördern sie mit dem Schachspiel. Hier kann Carlsen sein ganzes Talent ausspielen. Er gilt wenig später als Wunderkind, wird von den Medien als "Mozart des Schachs" bezeichnet. In der Schule bleibt er dennoch ein Eigenbrödler.

Mit Mitte 20 scheint Carlsen diese Problematik überwunden zu haben. Er gibt sich in den sozialen Netzwerken - allein auf Facebook folgen ihm 428.000 User - betont lässig. In den Stores können Schachfans sogar eine nach ihm benannte App erwerben. Haben Spieler dort Erfolg, dürfen sie an einem echten Finalturnier teilnehmen und gegen den Norweger antreten. Carlsen wirkt bei öffentlichen Auftritten mit sich und seiner Welt im Reinen.

Ganz nebenbei ist er dabei, etwas zu schaffen, was vor ihm keiner so richtig zu schaffen vermochte. Den Schach-Sport aus der Nische zu holen. Der Weltmeister, der an einem möglichen Finaltag der diesjährigen Auflage 26 Jahre alt wird, hat eine globale Schacheuphorie ausgelöst - ohne absehbares Ende.

Trotz des Hypes schafft er es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Etwa einen Monat vor seinem dritten WM-Duell zog sich Magnus Carlsen in seine Blase zurück. In aller Abgeschiedenheit bereitete er sich auf das Duell gegen den Russen Sergey Karjakin vor. Keine Interviews, keine öffentlichen Auftritte, keine Kampfansagen - nahezu ohne Kontakt zur Außenwelt komponierte er die Melodien für sein nächstes großes Werk.

Der Herausforderer

Karjakin galt in der Jugend als das noch etwas größere Talent. Mit zwölf Jahren und sieben Monaten erwarb der gebürtige Ukrainer früher als Carlsen den Doktorhut des Schachs - Rekord. Er feierte die größeren Erfolge, ehe er vom rasanten Aufstieg Carlsens ge- und übertroffen wurde.

Seit sieben Jahren ist Karjakin mittlerweile russischer Staatsbürger, spielt für das dortige Nationalteam. Nach seinem herausragendem Sieg beim Kandidatenturnier in Moskau im März 2016 sagte er über den Wechsel: "Der Verbandswechsel sollte meine Chancen verbessern, Weltmeister zu werden. Mein Sieg im Kandidatenturnier ist das bisher beste Ergebnis in meiner Karriere." Spätestens dieser Erfolg gab ihm, auch wenn er dafür in seiner Heimat Kritik einsteckte, Recht.

Karjakin gilt als schüchtern, wirkt im Gegensatz zum Posterboy Carlsen etwas blass. Umso überraschender dürfen seine forschen Töne vor der WM vernommen werden: "Wenn Magnus gegen mich gewinnen will, muss er das beste Schach seines Lebens spielen", erklärte er kürzlich.

Dieses Selbstvertrauen hat er sich beim Kandidatenturnier erspielt. 2014 wurde er bereits Zweiter. Bei der diesjährigen Auflage bewies er kühlen Kopf, besiegte in der Finalpartie am Ostermontag den ärgsten Konkurrenten Fabiano Caruana und gewann das Turnier mit einem Punkt Vorsprung.

"Es wird ein unglaublich hartes WM-Match werden. Karjakin hat starke Nerven, und er ist nur schwer zu schlagen", sagte Carlsens Manager Espen Agdestein der norwegischen Nachrichtenagentur NTB. Der Champion hatte Karjakin bereits vor Beginn des Kandidatenturniers mit acht Großmeistern auf der Rechnung.

Head-To-Head und Taktik

Vor dem wichtigsten Aufeinandertreffen haben die beiden Mittzwanziger bereits 21 Partien mit klassischer Zeitkontrolle gegeneinander bestritten. Der Weltmeister siegte viermal, Karjakin ein einziges Mal. Die restlichen Partien endeten allesamt unentschieden.

Carlsen, Weltranglistenerster, gilt nicht nur deswegen als Favorit. Sein Elo-Wert, eine Kenngröße um die Spielstärke von Schachspielern einzuordnen, liegt mit 2853 immerhin 81 Punkte über dem Wert des Russen. Das macht einen Unterschied von acht Plätzen in der Weltrangliste. Den gleichen Punkteabstand hat der Russe beispielsweise zum Weltranglisten-50.

Doch der Russe hat sich beim Kandidatenturnier im März Respekt erspielt und Nervenstärke bewiesen. Dabei setzt er vermehrt auf planbare Feinheiten in den Eröffnungsvarianten. Zuletzt enttäuschte er allerdings bei einem Wettkampf in Bilbao.

Carlsen dagegen verlässt sich in der Regel vielmehr auf seine großartigen Improvisationsfähigkeiten im Mittel- und Endspiel. Zudem verfügt er über eine überragende mentale sowie körperliche Stärke, die er gegen die meist älteren Kontrahenten ausspielte. Karjakin und er sind allerdings beide 1990 geboren und begegnen sich, was das Körperliche angeht, auf zumindest ähnlichem Niveau.

Modus

Der Wettkampf geht über maximal zwölf Partien und endet vorzeitig, wenn einer der Spieler sechseinhalb Punkte vorzuweisen hat. Es geht um ein Preisgeld in Höhe von insgesamt 1,1 Millionen US-Dollar. Vor vier Jahren war die Gewinnsumme noch fast doppelt so hoch.

Jeden dritten Tag gibt es einen Ruhetag. Vor den möglichen Spielen elf und zwölf gibt es nach jeder Partie einen Tag Pause. Bei einem Gleichstand wird ein Tiebreak mit verkürzter Bedenkzeit gespielt.

Bis dahin hat ein Spieler in einer Partie 100 Minuten Zeit für die ersten 40 Züge, 50 Minuten für die folgenden 20 Entscheidungen und später nur noch 15 Minuten für alle weiteren Züge. Ab dem 60. Zug gibt es für jeden Spieler eine Beschränkung. Der Herausforderer musste sich in einem Qualifikationsturnier gegen sieben weitere Großmeister durchsetzen.

Seite 1: Unerwarteter Wandel des Herausforderers und intensiver Modus

Seite 2: Eine Frau am Mikro, erster Schach-Weltmeister endet im Irrenhaus

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