Montag, 24.11.2014

Carlsen auf den Spuren Kasparows

"Noch fünf vor mir"

Bei Champagner und Häppchen aus der norwegischen Heimat ließ es sich Magnus Carlsen gut gehen. Zwei Stunden stieß der 23-Jährige in Sotschi mit seinem Team und einigen Journalisten auf den WM-Triumph an - für einen Schachspieler ausschweifend lang. Die vor ihm liegenden Aufgaben hatte der neue und alte Champion dennoch klar vor Augen.

Magnus Carlsen fehlen noch fünf Siege, um mit Garri Kasparow gleichzuziehen
© getty
Magnus Carlsen fehlen noch fünf Siege, um mit Garri Kasparow gleichzuziehen

"Zwei geschafft, noch fünf vor mir", schrieb der Norweger auf Facebook und bezog sich damit auf seinen Mentor und früheren Trainer Garri Kasparow. Die russische Schach-Ikone hatte den Titel ab 1985 siebenmal gewonnen. Carlsen wurde erstmals bekannt, als er im Alter von 13 Jahren dem Russen ein Remis abtrotzte.

Die Antwort Kasparows ließ nicht lange auf sich warten. "Magnus meint meine sieben erfolgreichen WM-Spiele. Ich wünsche ihm das Allerbeste", teilte der heute 51-Jährige mit und lobte seinen früheren Schützling: "Gratulation an Magnus Carlsen für seine erfolgreiche Titelverteidigung und für seinen großen Sieg. Es war mehr oder weniger so zu erwarten. Carlsen ist stärker und stabiler." Gegner Viswanathan Anand habe zum Ende einer Partie hin doch Schwächen.

Aussetzer in Sotschi wird nicht bestraft

Das war auch in der vorentscheidenden und spektakulären sechsten Partie des WM-Duells in der russischen Olympiastadt Sotschi so gewesen. Mit dem 26. Zug machte Carlsen einen fatalen Fehler, der ihm eigentlich die Partie hätte kosten müssen. Doch sein 21 Jahre älterer Herausforderer sah den verheerenden Patzer zu spät und verlor. Anstatt in Führung zu gehen, lag Anand zurück und konnte den Rückstand im Verlauf der WM nicht mehr aufholen.

"Ich kann sagen, dass ich stolz bin, in Sotschi gespielt zu haben", teilte der 42 Jahre alte Anand nach der Niederlage am Sonntag mit. Der "Tiger von Madras" war zwar einem Sieg näher als noch beim letzten WM-Duell im vergangenen Jahr, doch wieder reichte es nicht. "Magnus spielte ein besseres Match. Es ist sein Moment", schrieb der Inder auf Twitter. Einen Rücktritt schloss der Unterlegene jedoch aus: "Ich hoffe, so lange spielen zu könnnen, wie es mir Spaß macht."

Anands große Zeit abgelaufen

Doch die ganz große Zeit scheint für den Inder abgelaufen zu sein. Im kommenden Jahr soll ein neuer Shooting-Star den Norweger fordern. Gemeint ist der noch um ein Jahr jüngere Fabiano Caruana. Der Italiener ist in diesem Jahr in der Weltrangliste auf Rang zwei gestürmt und hätte Carlsen fast als Nummer eins abgelöst. Viele Schachfans hoffen auf ein Duell der Youngster.

Für Kasparow dürfte der Sieger dann wieder Carlsen heißen. Der Russe verfolgt die Duelle der WM-Aspiranten nach wie vor mit großem Interesse und begleitet sie mit manchem Kalauer. Als Anand gegen Carlsen mit der so genannten "Berliner Verteidigung" verlor, frotzelte der frühere Schach-König: "Eine Berliner Mauer zu errichten, ist nur etwas für Russen." Vor 14 Jahren hatte ihm Landsmann Wladimir Kramnik mit einer solchen Variante in London den WM-Titel abgenommen.


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