"Rugby-Revolution? Das glaube ich nicht"

Von Jan Lüdeke
Freitag, 10.03.2017 | 08:53 Uhr
Italien hat gegen England die Tackle-Only-Taktik angewendet
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Beim Six Nations 2017 steht die vierte Runde auf dem Programm (Freitag, ab 21 Uhr live auf DAZN). SPOX-Rugby-Kolumnist Jan Lüdeke staunt über die Tackle-Only-Taktik der Italiener, freut sich auf den Kracher zwischen Wales und Irland und erwartet ein großes Endspiel.

Hallo Rugby-Fans,

Jetzt geht es ans Eingemachte bei den Six Nations. Dieses Wochenende wird sich entscheiden, wer noch Chancen auf den Gesamtsieg hat und wer nicht. Eins haben die ersten drei Spieltage definitiv gezeigt: Vorherzusagen ist bei diesem Turnier nichts.

Lasst uns nochmal kurz auf dieses eine Spiel vom 3. Spieltag zurückblicken. England gegen Italien. Ich hatte erwartet, dass England Italien komplett auseinandernimmt - und dann das: Die Italiener brachten mit ihrer Tackle-Only-Taktik die Engländer an den Rand des Wahnsinns. Dass die Engländer am Ende trotzdem deutlich gewonnen haben, zeigt, wie groß der Abstand zu Italien aktuell ist.

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Ganz kurz zur italienischen Taktik: Wenn die verteidigende Mannschaft keinen zweiten Spieler neben dem Tackler in eine Kontaktsituation schickt, wird kein Ruck geformt, der Schiedsrichter ruft "Tackle only". Dadurch gibt es keine Abseitslinie, die verteidigenden Spieler können auf die andere Seite des Rucks und Passwege zustellen. Damit sind die Engländer bis zur Pause überhaupt nicht klargekommen.

Danach haben ja viele Leute aufgeschrien, dieses Spiel werde Rugby revolutionieren. Das glaube ich nicht. Ab heute werden alle Mannschaften darauf eingestellt sein, wie man die Offensive anpassen muss, um gegen eine derartige Verteidigung anzugreifen. Vielleicht wird diese Tackle-Only-Taktik ein paar Mal häufiger benutzt, aber sie birgt auch so viele Risiken, dass sie nichts anderes als eine taktische Option bleiben wird.

Der Kracher Wales gegen Irland

Wir bekommen das erste Freitagabendspiel bei den Six Nations 2017. Und da wird es krachen. Wales gegen Irland, das dürfte ähnlich physisch werden wie das Spiel der Waliser gegen die Engländer - oder wie das Iren gegen die All Blacks im November.

Ich persönlich erwarte einen Sieg der Iren. Die müssen schließlich liefern, wenn sie am 18. März zuhause gegen England den Titel holen wollen. Durch die Rückkehr von Johnny Sexton, der ja zuletzt gegen Frankreich wieder dabei war, ist das Spiel der irischen Auswahl nochmal schwerer auszurechnen und besser.

Wales überzeugt mich bisher, ich glaube aber nicht, dass sie Irland das Wasser reichen können. Aber ganz ehrlich, was habe ich schon alles geglaubt bei diesen Six Nations...

Eine klare Angelegenheit

Am Samstag erwarte ich dann traditionell eine klare Angelegenheit zwischen Italien und Frankreich. Ich werde nicht müde, zu schreiben, dass die Italiener einfach das Niveau der anderen Nationen nicht mitgehen können.

Selbst mit ihrer Tackle-Only-Taktik würden sie die Franzosen nicht mehr aus der Ruhe bringen, die werden darauf vorbereitet sein. Und noch dazu hat Frankreich etwas gutzumachen. Es gab ja doch einiges an Kritik nach der 9:19-Niederlage in Dublin.

Auch wenn die französische Offensive da nicht so gut aussah, finde ich das nicht so dramatisch. Frankreich hat wieder gezeigt, dass man auf Augenhöhe mitspielen kann. Am Samstag wird auch das Angriffsspiel wieder besser laufen.

Das große Endspiel

Und zu guter Letzt England gegen Schottland. Die Schotten haben bisher starke Spiele gezeigt, auch sie haben noch die Chance, diese Six Nations zu gewinnen - aber halt nur, wenn sie in Twickenham gewinnen. Und das sehe ich nicht.

Es wird ein umkämpftes Spiel, keine Frage, aber die Engländer werden wieder einen Weg finden, das Spiel zu gewinnen - und dann wird es am 18. März eben das große Endspiel zwischen Irland und England geben. Darauf können wir uns freuen, das wird vermutlich das hochklassigste Rugbyspiel zwischen zwei europäischen Teams in diesem Jahr.

Bis zum nächsten Mal!

Euer Jan Lüdeke

Jan Lüdeke, geboren am 1. Juni 1985, verliebte sich vor vielen Jahren während eines Irland-Urlaubs in Rugby und spielte später einige Jahre als Dritte-Reihe-Stürmer für den Zweitligisten Studentenstadt Rugby München. Hofft, durch die vielen Rugby-Übertragungen auf DAZN den schönsten und ehrlichsten Sport der Welt auch vielen deutschen Sportfans näher zu bringen.

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