Dienstag, 13.07.2010

Tour de France, 9. Etappe

Drama um Evans - Schleck in Gelb

Der Col de la Madeleine hat kräftig ausgesiebt: Nach Lance Armstrong am Sonntag muss nun auch Cadel Evans, der mit gebrochenem Ellenbogen fuhr, seine Ambitionen auf den Toursieg ad acta legen (das Ergebnis der 9. Etappe). Andy Schleck und Alberto Contador fuhren im Gleichschritt, Sandy Casar gewann die Etappe.

Andy Schleck (l.) bekommt das Gelbe Trikot übergestreift, Alberto Contador ist auf Tuchfühlung
© Getty
Andy Schleck (l.) bekommt das Gelbe Trikot übergestreift, Alberto Contador ist auf Tuchfühlung

Andy Schleck ist durch eine bärenstarke Vorstellung auf der Etappe nach Saint-Jean-de-Maurienne erstmals in seiner Karriere ins Gelbe Trikot der Tour de France gestürmt.

Der 25-Jährige kam zeitgleich mit dem Tagessieger Sandy Casar (FDJ) ins Ziel und machte einen großen Schritt in Richtung seines großen Traums, dem Sieg bei der Tour.

Showdown am Madeleine

Am Col de la Madeleine, dem "Hass-Berg" von Jens Voigt und letzter Anstieg des Tages, kam es zum Showdown zwischen dem Luxemburger vom Team Saxo Bank und Astanas Alberto Contador.

Als Cadel Evans im Gelben Trikot Probleme bekam, verschärfte Astana dermaßen das Tempo, dass bis auf Contador und Schleck alle Fahrer den Anschluss verloren.

Was dann kam, glich den Szenen der Tour 2009, als sich Contador und Schleck an den steilen Rampen regelrecht zerfleischten.

Voigt: "Plan ist aufgegangen"

Der Luxemburger war es, der mehrmals attackierte und den Spanier angriff. Doch Contador blieb wie eine Klette am Hinterrad seines Kontrahenten und konnte scheinbar mühelos das unglaublich hohe Tempo Schlecks mitgehen.

"Unser Plan ist voll aufgegangen. Andy hatte sich vorgenommen, heute etwas zu versuchen, weil wir schon in Morzine gesehen haben, dass Evans Schwächen gezeigt hat", sagte Schlecks Edelhelfer Voigt. "Das wollten wir unbedingt ausnutzen."

Mega-Einbruch von Evans

Die Schwächen von Evans waren auch am Madeleine zu sehen. Nur allzu deutlich waren sie zu sehen. Der Australier, der auf dem Weg hinauf zum Gipfel des Alpenriesen regelrecht einbrach, kam mit 8:09 Minuten Rückstand ins Ziel und muss sein Gelbes Trikot nach nur einem Tag wieder abgeben.

"Ich habe heute die Quittung für meinen Sturz auf der achten Etappe bekommen. Es tut mir so leid, dass ich meine Teamkollegen im Stich lassen musste", sagte der sichtlich gezeichnete Evans nach dem Rennen.

Die besten Bilder der 9. Etappe
Völlig ausgelaugt und mit tränenverschmiertem Gesicht kommt Cadel Evans (r.) ins Ziel und findet Trost bei seinem Teamkollegen Mauro Santambrogio
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Völlig ausgelaugt und mit tränenverschmiertem Gesicht kommt Cadel Evans (r.) ins Ziel und findet Trost bei seinem Teamkollegen Mauro Santambrogio
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Der Australier hatte das Gelbe Trikot nur einen Tag inne, nachdem er mit mehr als acht Minuten Rückstand ins Ziel kam
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Der Australier hatte das Gelbe Trikot nur einen Tag inne, nachdem er mit mehr als acht Minuten Rückstand ins Ziel kam
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Und der Einbruch hatte einen triftigen Grund: Evans war mit gebrochenem Ellenbogen an den Start gegangen und hielt durch
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Und der Einbruch hatte einen triftigen Grund: Evans war mit gebrochenem Ellenbogen an den Start gegangen und hielt durch
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Über 65 Kilometer Anstiege und 4800 Höhenmeter biss der BMC-Kapitän auf die Zähne: SPOX fordert: Tapferkeitsmedaille für Evans
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Über 65 Kilometer Anstiege und 4800 Höhenmeter biss der BMC-Kapitän auf die Zähne: SPOX fordert: Tapferkeitsmedaille für Evans
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Den Tagessieg holte Sandy Casar vom Team Francaise des Jeux. Es war bereits der dritte Tourerfolg für den Franzosen
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Den Tagessieg holte Sandy Casar vom Team Francaise des Jeux. Es war bereits der dritte Tourerfolg für den Franzosen
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Derweil raste Andy Schleck (SAX) ins Gelbe Trikot. Es ist das erste Maillot Jaune in der Karriere des Luxemburgers
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Derweil raste Andy Schleck (SAX) ins Gelbe Trikot. Es ist das erste Maillot Jaune in der Karriere des Luxemburgers
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Evans mit gebrochenem Ellenbogen

Der Einbruch des Australiers kam allerdings nicht von ungefähr: "Cadel fuhr mit einem gebrochenen Ellenbogen", brachte BMC-Teamchef Jim Ochowicz Licht ins Dunkel.

"Wir wollten es für uns behalten und schauen, wie weit er kommt. Aber er konnte den frühen Attacken nicht folgen."

Armstrong besser als in Morzine

Ein Drama für den 33-Jährigen, der sich nach seinen beiden zweiten Plätzen (2007, 2008) in diesem Jahr einiges ausgerechnet hatte. Aber Sturz hin, gebrochener Ellenbogen her: Mit Evans sind Schleck und Contador einen weiteren Anwärter auf das Podium losgeworden, nachdem es Lance Armstrong bereites am Sonntag erwischt hatte.

Der 38-Jährige musste am Anstieg zum Madeleine erneut abreißen lassen, hielt aber diesmal mit einem Rückstand von knapp drei Minuten den Schaden in Grenzen.

RadioShack mit Strategie-Wechsel

Da der Amerikaner im Klassement bereits weit abgeschlagen ist, wird sich die Teamstrategie für den Rest der Tour aller Voraussicht nach grundlegend verändern.

Zwar bleibt Armstrong der Chef seines RadioShack-Teams. Der Mann, für den gefahren wird, ist aber Levi Leipheimer. Der 36-Jährige war auf dem 204 Kilometer langen Teilstück als Etappen-Zehnter einmal mehr bester Fahrer des amerikanischen Teams. Armstrong wird höchstens noch versuchen, einen Etappensieg herauszufahren.

Schleck übernimmt Gelb

In der Gesamtwertung liegt Schleck nun 41 Sekunden vor Contador. Dritter ist Olympiasieger Samuel Sanchez. Der Spanier weist allerdings bereits einen Rückstand von 2:45 Minuten auf Schleck auf.

Am Mittwoch steht die letzte Alpenetappe der 97. Tour auf dem Programm. Die 179 km von Chambery nach Gap sind jedoch deutlich einfach als die vergangenen Etappen. In der Cote de Laffey steht lediglich ein Berg der ersten Kategorie an, der bereits vor der Halbzeit der Etappe zu bewältigen ist.

Die Trikotträger nach der heutigen Etappe:

Gesamtwertung: Andy Schleck (SAX)

Sprinter: Thor Hushovd (CTT)

Bester Jungprofi: Robert Gesink (RAB)

Bergtrikot: Anthony Charteau (BTL)

Auf Seite 2 gibt's das Rennen im Re-Live zum Nachlesen

Torsten Adams

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