ARD überträgt Tour de France 2015

SID
Sonntag, 04.01.2015 | 10:37 Uhr
Die Fans der großen Schleife können sich in diesem Jahr auf Bewegbilder im Ersten freuen
© getty
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Die ARD kehrt im Sommer zu Live-Übertragungen der Tour de France zurück und ermöglicht dem Radsport wieder Auftritte auf der großen TV-Bühne. Gleichlautenden Informationen des "Spiegel" und des "SID" zufolge wird der Sender ab dem 4. Juli täglich vom bedeutendsten Radrennen der Welt berichten.

Das wurde von den Intendanten des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks beschlossen. Der Vertrag mit dem Tour-Veranstalter ASO läuft vorerst über zwei Jahre.

Anscheinend hat sich die ARD, die zuletzt 2011 live übertragen hatte, gegen Skandale abgesichert: Der Vertrag soll eine Ausstiegsklausel für weitere Dopingfälle erhalten. Weil das ZDF sich nicht an den TV-Übertragungen beteiligt, kommen auf die ARD allerdings erhebliche Mehrkosten zu. Nach "SID"-Informationen zahlt die ARD etwa 2,5 Millionen Euro pro Jahr an die ASO und hat zudem einen deutlichen erhöhten Personalaufwand.

Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), wollte die Einigung auf "SID"-Anfrage am Sonntagvormittag noch nicht offiziell bestätigen. "Das wäre so etwas wie eine erfreuliche Normalisierung. Das Publikumsinteresse war immer groß, sollte der Radsport jetzt auf diese Bühne zurückkehren, würde mich das sehr freuen", sagte er und erklärte, der Radsport habe "seine Rosskur" hinter sich.

Abschied nach Doping-Skandalen

2007 hatten ARD und ZDF während der Tour die Übertragungen abgebrochen, vorausgegangen war ein positiver Dopingtest beim damaligen T-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz. Nachdem im Jahr zuvor der Fuentes-Skandal mit dem Sturz Jan Ullrichs die Szene in den Grundfesten erschüttert hatte, war dieser Fall einer zuviel. Bis zur Tour 2011 erfüllten die Öffentlich-Rechtlichen noch ihre Vertragspflicht, seit 2012 gab es nur noch nachrichtliche Berichterstattung. Lediglich bei Eurosport waren noch Live-Bilder zu sehen.

Die deutschen Top-Radprofis begrüßen den Wiedereinstieg, geben dem Sender und ihrem Sport aber auch mahnende Worte mit auf den Weg. "Es ist schön, dass die sportlichen Leistungen gewürdigt werden, und auf der anderen Seite auch die Bemühung, zu zeigen, dass sich Dinge im Radsport geändert haben", sagte der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin (Cottbus/29) dem SID am Sonntag: "Ich erhoffe mir weiter eine kritische, aber auch faire Berichterstattung der ARD, wie es sie in anderen Sportarten auch gibt."

Sprintstar Marcel Kittel (Arnstadt/26), Gewinner von insgesamt acht Tour-Etappen 2013 und 2014, sprach von einer "schönen Botschaft und einer guten Nachricht für den deutschen Radsport". Diesen sieht er weiter in der Pflicht, skandalfrei zu sein: "Es ist eine Verpflichtung, auch in Zukunft am Ball zu bleiben und keine Gründe zu liefern, dass die ARD es sich wieder anders überlegt."

ARD lässt Hintertür offen

Auch der zweimalige Etappensieger und im vergangenen Jahr zurückgetretene Jens Voigt begrüßte den Schritt. "Das ist eine tolle Entscheidung", sagte der 43-Jährige dem SID. André Greipel (Rostock/32) reagierte ebenfalls sehr erfreut. "Das ist eine super Sache, die den Radsport natürlich weiterbringt", sagte er.

Gerade die drei derzeit erfolgreichsten deutschen Profis hatten in der Vergangenheit beständig um neues Vertrauen gekämpft; sie haben sich für die Einführung des Anti-Doping-Gesetzes eingesetzt, eine Anti-Doping-Ehrenerklärung unterzeichnet und ihre Haltung bei jeder Gelegenheit offensiv vertreten. Die sieben deutschen Tour-Etappensiege im vergangenen Sommer und andere große Erfolge waren weitere überzeugende Argumente.

Die ARD lässt sich allerdings ein Hintertürchen offen, sollte im Peloton systematisch betrogen werden. "Ich glaube, dass der Radsport enorme Anstrengungen unternommen hat. Das heißt natürlich nicht, dass es keine Dopingfälle mehr geben kann - dann wären wir ja naiv", hatte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky gesagt: "Wir müssen auch aufpassen, dass wir keine Sportart an den Rand stellen." Erst einmal hat sich der Radsport wieder in den Mittelpunkt geschoben.

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