Freitag, 24.08.2012

Jan Ullrich könnte bald vierfacher Tour-de-France-Sieger sein

Dem Radsport droht der Treppenwitz

Es wäre der Treppenwitz im Radsport: Nachdem Lance Armstrong am Freitag durch die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA lebenslang gesperrt worden ist, und er auch alle seine sieben Tour-Gesamtsiege verloren hat, könnten Jan Ullrich nun die Titel von 2000, 2001 und 2003 zufallen.

Auf der letzten Etappe der 2003er Tour schütteln Jan Ullrich (l.) und Lance Armstrong noch die Hände
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Auf der letzten Etappe der 2003er Tour schütteln Jan Ullrich (l.) und Lance Armstrong noch die Hände

Ullrich selbst war erst im Februar dieses Jahres nach jahrelangem Rechtsstreit um die sogenannte spanische Doping-Affäre vom internationalen Sportgerichtshof CAS zu einer zweijährigen Sperre verurteilt worden.

"Dass Jan Ullrich dann zum Toursieger der Jahre 2000, 2001 und 2003 erklärt wird, wäre die logische Folge", sagte der Berliner Sportrechtsexperte Roland Krause der "dapd". Und nicht nur das: "Auch stellt sich die Frage, ob Lance Armstrong die Preisgelder zurückzahlen muss und ob Jan Ullrich solche Preisgelder nachträglich erhält", erklärt Krause weiter.

Der überführte Ullrich soll nachträglich zum dann vierfachen Toursieger erklärt werden und dann auch noch die Preisgelder einstreichen? Eine ungeheuerliche Vorstellung.

Ullrich erkennt Reihenfolge an

Und nach den ersten Reaktionen zu urteilen, wäre dies Ullrich selbst nicht ganz recht. "Ich weiß, wie damals die Reihenfolge auf der Ziellinie war", ließ Ullrich am Freitag über seinen Berater ausrichten. Im Übrigen sei er auch auf seine zweiten Plätze "extrem stolz".

Am Samstag wird der 38-Jährige, der 2007 seinen Rücktritt erklärte, den Ötztaler Radmarathon für Hobbyfahrer mit einer Pressekonferenz in Sölden eröffnen und zweifellos wiederholen, dass er nicht auf vergangene Titel schaue.

Die neue Bilanz für Ullrich sähe so aus: Vier Tour-Siege (1997 unbestritten, 2000, 2001 und 2003 ursprünglich hinter Armstrong) und zweimal Zweiter (hinter Riis 1996 beziehungsweise Pantani 1998).

Der Dritte Platz von 2005, als Armstrong den letzten seiner sieben Siege einfuhr, wurde Jan Ullrich bereits nach dem Urteil des Welt-Sportgerichts im Februar 2012 aberkannt.

Noch handelt es sich nur um ein Szenario

Doch noch handelt es sich ohnehin lediglich um ein Szenario. Denn selbst wenn die amerikanische Anti-Doping Agentur USADA, wie angekündigt, alle Ergebnisse Armstrongs seit 1998 aberkennt, ist das Urteil noch nicht verbindlich.

Der Internationale Radsport-Verband (UCI) könnte den Fall noch vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS bringen. Es könnte daher noch dauern, bis der belastete Ullrich die Titel vom belasteten Armstrong übertragen bekäme.

Die Toursieger der letzten 15 Jahre
Am Mont Ventoux ließ er Pantani (r.) noch gewinnen. Aber am zweiten Sieg von Armstrong konnte im Jahr 2000 weder der noch Jan Ullrich etwas ändern (Titel annulliert)
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Am Mont Ventoux ließ er Pantani (r.) noch gewinnen. Aber am zweiten Sieg von Armstrong konnte im Jahr 2000 weder der noch Jan Ullrich etwas ändern (Titel annulliert)
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Die Tour 2001 ging in die Geschichte ein: Armstrong mimte am Berg den Leidenden, warf dann Ullrich den berühmten Blick über die Schulter zu - und weg war er! (Titel annulliert)
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Die Tour 2001 ging in die Geschichte ein: Armstrong mimte am Berg den Leidenden, warf dann Ullrich den berühmten Blick über die Schulter zu - und weg war er! (Titel annulliert)
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Beim vierten Streich von Armstrong im Jahr 2002 war Ullrich nicht am Start, dementsprechend ungefährdet radelte der Dominator zum Sieg (Titel annulliert)
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Beim vierten Streich von Armstrong im Jahr 2002 war Ullrich nicht am Start, dementsprechend ungefährdet radelte der Dominator zum Sieg (Titel annulliert)
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Ein Jahr später bot sich ein anderes Bild: Ullrich verlangte Armstrong alles ab. 61 Sekun- den betrug am Ende sein Vorsprung, aber es reichte zum fünften Sieg (Titel annulliert)
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Ein Jahr später bot sich ein anderes Bild: Ullrich verlangte Armstrong alles ab. 61 Sekun- den betrug am Ende sein Vorsprung, aber es reichte zum fünften Sieg (Titel annulliert)
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Keine Geschenke gab es 2004: Armstrong holte sich fünf Etappensiege und das Mannschaftszeitfahren - der sechste Sieg in Serie! (Titel annulliert)
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Keine Geschenke gab es 2004: Armstrong holte sich fünf Etappensiege und das Mannschaftszeitfahren - der sechste Sieg in Serie! (Titel annulliert)
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Sieben auf einen Streich: Der letzte Sieg des Texaners gelang ihm 2005. Wegen Doping wurden Armstrong aber alle Titel wieder aberkannt (Titel annulliert)
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Sieben auf einen Streich: Der letzte Sieg des Texaners gelang ihm 2005. Wegen Doping wurden Armstrong aber alle Titel wieder aberkannt (Titel annulliert)
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Eigentlich gewann Floyd Landis die Tour 2006. Drei Tage später flog er wegen Dopingmissbrauchs auf und aus dem Klassement. Der Titel ging an Oscar Pereiro
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Eigentlich gewann Floyd Landis die Tour 2006. Drei Tage später flog er wegen Dopingmissbrauchs auf und aus dem Klassement. Der Titel ging an Oscar Pereiro
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2007 holte Alberto Contador (r.) seinen ersten Sieg. Am Berg war der Spanier eine Klasse für sich. Winokurow und der Däne Rasmussen (l.) wurden des Dopings überführt
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2007 holte Alberto Contador (r.) seinen ersten Sieg. Am Berg war der Spanier eine Klasse für sich. Winokurow und der Däne Rasmussen (l.) wurden des Dopings überführt
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Überraschung! 2008 gewann der Spanier Carlos Sastre in Alpe d'Huez und siegte in Paris mit 58 Sekunden Vorsprung vor Cadel Evans
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Überraschung! 2008 gewann der Spanier Carlos Sastre in Alpe d'Huez und siegte in Paris mit 58 Sekunden Vorsprung vor Cadel Evans
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Ihn konnte auch das Comeback von Lance Armstrong nicht stoppen: Souverän holte sich Alberto Contador 2009 seinen zweiten Toursieg
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Ihn konnte auch das Comeback von Lance Armstrong nicht stoppen: Souverän holte sich Alberto Contador 2009 seinen zweiten Toursieg
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Der Luxemburger Andy Schleck (M.) bekam den Toursieg 2010 am grünen Tisch zugesprochen: Contador (l.) hatte gedopt. Verunreinigtes Steak - na klar!
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Der Luxemburger Andy Schleck (M.) bekam den Toursieg 2010 am grünen Tisch zugesprochen: Contador (l.) hatte gedopt. Verunreinigtes Steak - na klar!
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2011 durfte sich der Australier Cadel Evans in die Siegerliste eintragen. Im Zeitfahren und am Berg zermürbte er unter anderem die Gebrüder Schleck
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2012 fuhr Bradley Wiggins im Gelben Trikot am Triumphbogen vorbei. Er ist der erste Brite überhaupt, der die Frankreich-Rundfahrt gewinnen konnte
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Wieder Sky! Auch 2013 triumphierte das britische Team bei der Tour de France. Christopher Froome wurde der Nachfolger von Bradley Wiggins
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Wieder Sky! Auch 2013 triumphierte das britische Team bei der Tour de France. Christopher Froome wurde der Nachfolger von Bradley Wiggins
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Vincenzo Nibali (M.) ließ bei der 2014er Tour de France nie Zweifel an seinem Sieg aufkommen und dominierte nach Belieben
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Anfangs wie eine Maschine, am Ende mit Schwächen: Trotzdem reichte es für Froome in Paris
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Anfangs wie eine Maschine, am Ende mit Schwächen: Trotzdem reichte es für Froome in Paris
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Doch wie auch immer es kommt: Der Profi-Radsport kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Eine mögliche Erhebung Ullrichs zum dann viermaligen Toursieger wäre an Absurdität kaum zu überbieten und Wasser auf die Mühlen jener, die nur noch Spott und Hohn für den dopingverseuchten Profi-Radsport übrig haben.

Armstrong jedenfalls dürfte auch nach einer möglichen Aberkennung seiner Erfolge nicht zu einer neuen Seriosität im Radsport beitragen - dieser Schluss lässt jedenfalls die Reaktion Armstrongs auf die mögliche Aberkennung seiner Titel zu. Der 40-Jährige zeigte keinerlei Einsicht, vielmehr sieht er sich als Opfer einer Verschwörungskampagne.

So heißt es in seiner Erklärung: "Von Anfang an ging es bei dieser Untersuchung nicht um die Wahrheit, sondern darum, mich um jeden Preis zu bestrafen. (...) Die USADA hat gegen ihre eigenen Gesetze verstoßen. Zu jedem Zeitpunkt hat die USADA versucht, all jene einzuschüchtern, die die Anschuldigungen gegen mich kritisch hinterfragten - und das Ganze auf Kosten der Steuerzahler. (...) Zudem hat die USADA Deals mit anderen Fahrern gemacht, solange diese die Anschuldigungen gegen mich bestätigten."

Das Radsport-Jahr 2012

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