Dienstag, 13.07.2010

Tour de France

Weltmeister Evans fuhr Etappe mit Ellbogenbruch

Als Andy Schleck sich nach einer überragenden Klettershow erstmals das Gelbe Trikot überstreifte, weinte der geschlagene und verletzte Weltmeister Cadel Evans bittere Tränen.

Cadel Evans verlor auf der neunten Etappe über acht Minuten auf den Tagessieger
© sid
Cadel Evans verlor auf der neunten Etappe über acht Minuten auf den Tagessieger

Ein bereits am Sonntag erlittener Ellbogenbruch kostete den Australier das Gelbe Trikot und brachte ihn um alle Chancen bei der 97. Tour de France. Mit schmerzverzertem Gesicht erreichte der BMC-Kapitän über acht Minuten hinter der Spitzengruppe das Ziel in St. Jean de Maurienne und musste mit ansehen, wie sein Rivale Schleck auf den Tour-Thron stieg.

Evans hatte die Verletzung bereits auf der Etappe nach Morzine erlitten. Das sagte Sportdirektor John Lelangue nach dem Rennen. Der Australier hatte versucht, den Ellbogenbruch geheimzuhalten, in der Hoffnung, dass die Favoriten keinen Angriff starten. Dies erfüllte sich nicht. Beim Anstieg zum Col de la Madeleine musste der BMC-Profi abreißen lassen.

An jenem Berg ging indes der Stern von Schleck endgültig auf. Der junge Luxemburger nutzte die Verletzung des Spitzenreiters auf der neunten Etappe gnadenlos aus und setzte seine Attacke ins Glück.

Da lediglich der amtierende Champion Alberto Contador folgen konnte, wird das Rennen um den Tour-Sieg schon nach den Alpen auf einen Zweikampf reduziert. Den Tagessieg holte sich der Franzose Sandy Casar.

Auch Armstrong muss wieder abreißen lassen

"Unser Plan ist voll aufgegangen. Andy hatte sich vorgenommen, heute etwas zu versuchen, weil wir schon in Morzine gesehen haben, dass Evans Schwächen gezeigt hat", sagte Schlecks Edelhelfer Jens Voigt. Sein Kapitän Schleck träumt nun mehr denn je vom ersten Luxemburger Tour-Sieg seit Charly Gauls Triumph 1958.

Die besten Bilder der 8. Etappe
Die achte Etappe trennte die Spreu vom Weizen. Die Tour konnte vielleicht noch nicht gewonnen, aber doch schon verloren werden. Cadel Evans schlüpfte ins Gelbe...
© Getty
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Die achte Etappe trennte die Spreu vom Weizen. Die Tour konnte vielleicht noch nicht gewonnen, aber doch schon verloren werden. Cadel Evans schlüpfte ins Gelbe...
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... und der Luxemburger Andy Schleck setzte mit seinem Etappensieg ein dickes Ausrufezeichen
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... und der Luxemburger Andy Schleck setzte mit seinem Etappensieg ein dickes Ausrufezeichen
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Er bleibt weiter im Trikot des Besten Jungprofis - und liegt nur 20 Sekunden hinter dem führenden Cadel Evans
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Er bleibt weiter im Trikot des Besten Jungprofis - und liegt nur 20 Sekunden hinter dem führenden Cadel Evans
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Sylvain Chavanel hingegen war absolut chancenlos: Er verlor auf der Bergetappe satte 11:40 Minuten auf Schleck - und muss sich vom Maillot Jaune verabschieden
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Sylvain Chavanel hingegen war absolut chancenlos: Er verlor auf der Bergetappe satte 11:40 Minuten auf Schleck - und muss sich vom Maillot Jaune verabschieden
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Alberto Contador (l.) ist noch im Rennen. Der Vorjahressieger konnte lediglich Schlecks finale Attacke nicht mitgehen und verlor zehn Sekunden
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Alberto Contador (l.) ist noch im Rennen. Der Vorjahressieger konnte lediglich Schlecks finale Attacke nicht mitgehen und verlor zehn Sekunden
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Ganz anders erging es Lance Armstrong. Er wurde in einen Sturz verwickelt und verlor 11:45 Minuten. Damit liegt er in der Gesamtwertung auf Platz 39(!)
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Ganz anders erging es Lance Armstrong. Er wurde in einen Sturz verwickelt und verlor 11:45 Minuten. Damit liegt er in der Gesamtwertung auf Platz 39(!)
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"Das war ein schwarzer Tag, ein rabenschwarzer. Ich konnte am vorletzten Berg nicht mithalten. Das hat sehr weh getan", sagte Armstrong nach dem Rennen
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"Das war ein schwarzer Tag, ein rabenschwarzer. Ich konnte am vorletzten Berg nicht mithalten. Das hat sehr weh getan", sagte Armstrong nach dem Rennen
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Gar nicht gut ging es dem Cofidis-Fahrer Damien Monier, der nach seiner Ankunft im Ziel erst einmal Sauerstoff brauchte. Er hatte sich bei seinem 28. Platz völlig verausgabt
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Gar nicht gut ging es dem Cofidis-Fahrer Damien Monier, der nach seiner Ankunft im Ziel erst einmal Sauerstoff brauchte. Er hatte sich bei seinem 28. Platz völlig verausgabt
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Auch Bradley Wiggins schnaufte wie eine Dampflok. Der Vorjahres-Vierte verlor 1:45 Minuten auf Schleck
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Auch Bradley Wiggins schnaufte wie eine Dampflok. Der Vorjahres-Vierte verlor 1:45 Minuten auf Schleck
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Die Fans harrten trotz mörderischer Hitze stundenlang aus - und werden nun auch den Ruhetag nutzen, um wieder zu Kräften zu kommen
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Die Fans harrten trotz mörderischer Hitze stundenlang aus - und werden nun auch den Ruhetag nutzen, um wieder zu Kräften zu kommen
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"Ich bin überglücklich. Ziel war es, alle anderen zu distanzieren, nur Contador ließ sich nicht abschütteln. Der Vorsprung zu den anderen ist nun sehr groß und ich habe ein starkes Team hinter mir. Das stimmt mich zuversichtlich", sagte Schleck nach seiner Gala-Vorstellung.

Evans erreichte das Ziel mit über acht Minuten Rückstand und büßte alle Chancen auf den Tour-Sieg ein. Auch der siebenmalige Toursieger Lance Armstrong musste wieder abreißen lassen, hielt aber diemal mit einem Rückstand von knapp drei Minuten den Schaden in Grenzen.

Sogar eine halbe Stunde nach Zieldurchfahrt kullerten beim sonst so eisernen Australier am Teambus die Tränen. Bei Schleck waren es dagegen eher Tränen des Glücks. In der Gesamtwertung liegt der Luxemburger nun 41 Sekunden vor Contador.

Sonderrolle für Voigt

"Ich wusste, dass ich Andy um jeden Preis folgen musste. Das habe ich geschafft. Wir liegen nun weit vor vielen Mitfavoriten. Das ist ein gutes Zeichen", resümmierte Contador. Dritter ist Olympiasieger Samuel Sanchez.

Der Spanier weist allerdings bereits einen Rückstand von 2:45 Minuten auf Schleck auf. Etappensieger Casar verwies nach 204,5 km von Morzine-Avoriaz nach St. Jean de Maurienne den Spanier Luis Leon Sanchez und den Italiener Damiano Cunego auf die Plätze.

Ein Sonderrolle beim Angriff auf das Gelbe Trikot kam Tour-Urgestein Jens Voigt zu. Der Ausreißerkönig aus Berlin setzte sich kurz nach dem Start in einer Fluchtgruppe um den späteren Etappensieger Casar fest. "Das war Absicht", berichtete Voigt. "Einer sollte so lange wie möglich in einer Gruppe sein, um Andy als Sprungbrett zu dienen."

Schleck und Contador mit offenem Schlagabtausch

Am Madeleine, dem letzten Anstieg des Tages, kam es zum Showdown zwischen Schleck und Contador. Als Evans Probleme bekam, verschärfte Contadors Astana-Team dermaßen das Tempo, dass bis auf den Spanier und Schleck alle Fahrer den Anschluss verloren. Für Voigt "normal business".

Im Wissen um seine schlechteren Fähigkeiten im Zeitfahren attackierte Schleck dreimal, doch Contador ließ sich von dem jungen Luxemburger nicht abschütteln. Die beiden besten Kletterer des Pelotons lieferten sich regelrechte Bergsprints mit Stehversuchen und brachialen Antritten.

Bilder des Tages - 13. Juli
Die MLB-Stars Torii Hunter (l.) und David Ortiz hatten beim State Farm Home-Run-Derby ihren Spaß
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Zuvor schaute Hollywood-Star Alyssa Milano beim Gatorade All-Star Workout Day vorbei
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Weniger zu lachen hatten diese All Blacks beim Rugby-Training in Wellington. Oder glaubt ihr, dass sich die zwei Kollegen am Boden vergnügen?
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Bei den Rugby-Kollegen der Wallabies ist die Gangart noch härter: David Pocock während einer Boxeinheit in Sydney
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Eben noch bei der WM mit Neuseeland für Furore gesorgt, jetzt schon wieder im Liga-Alltag: Ricki Herbert, Chefcoach der Wellington Phoenix
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Sechs Kilometer vor dem Gipfel begruben Schleck und Contador jedoch das Kriegsbeil, arbeiteten zusammen und bauten den Vorsprung auf Evans und die anderen Konkurrenten kontinuierlich aus. Kurz vor dem Gipfel wartete Voigt und geleitete seinen Kapitän bis kurz vor dem 2000 m hohen Pass, ehe auch er abreißen lassen musste.

Milram wird sich defenitiv zurückziehen

Zu der Spitzengruppe um Tagessieger Casar gehörten neben Voigt auch Milram-Profi Johannes Fröhlinger. Die Freude über die mutige Fahrt des Freiburgers währte bei Milram ohnehin nur kurz, denn Teamchef Gerry van Gerwen übermittelte schlechte Nachrichten. Die Nordmilch AG wird ihr Sponsoring zum Ende des Jahres definitiv einstellen.

"Der Standpunkt von Nordmilch ist klar. Das haben sie bereits vor einem Jahr gesagt. Die Situation ist nicht besser geworden, aber auch nicht schlechter. Bis nächsten Mittwoch wird es eng", sagte Teamchef Gerry van Gerwen. Am zweiten Ruhetag der Tour in Pau will der Niederländer bekanntgeben, wie es um die Zukunft des Teams steht.

Am Mittwoch steht die letzte Alpenetappe der 97. Tour auf dem Programm. Die 179 km von Chambery nach Gap sind jedoch deutlich einfach als die vergangenen Etappen. In der Cote de Laffey steht lediglich ein Berg der erste Kategorie an, der bereits vor der Halbzeit der Etappe zu bewältigen ist.

Vorschau 10. Etappe: Wer mimt den Spielverderber?


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