Montag, 21.07.2008

10 Fragen an Jens Voigt

"Ich bin ein weltklasse Gameboy-Spieler"

München - Jens Voigt ist bekannt für seine Energie geladenen Ausreißversuche. 2001 und 2006 gelang dem Wahl-Berliner in seiner unnachahmlichen Manier jeweils ein Tagessieg bei der Tour de France.

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© Getty

Bei seiner elften Teilnahme stellt sich der Profi des Teams von Bjarne Riis, CSC Saxo-Bank, in den Dienst seiner Kapitäne, obwohl er kaum mehr zu halten ist: "Ich stehe unter maximaler Spannung und warte nur darauf, dass Bjarne mich endlich loslässt."

SPOX.com stellte dem 36-Jährigen 10 Fragen. In seinen Antworten spricht der "König der Ausreißer" über die Besonderheit der Tour de France, seine schlimmsten Tour-Erfahrungen und seine Qualitäten als Gameboy-Spieler.

1. Was bedeutet die Tour de France für Sie persönlich?

Jens Voigt: Die Tour ist das wichtigste Radrennen des Jahres. Es ist jedes Mal eine große Auszeichnung, dass man dabei ist und das Team einen ausgewählt hat. Es wird ja mit der Zeit nicht einfacher, sich gegen die jungen Fahrer durchzusetzen. Die Tour ist der Jahreshöhepunkt. Dort will man sich der Radsportwelt präsentieren.

2. Was ist das Besondere an der Tour de France?

Voigt: Es ist nicht das Profil. In anderen Rennen gibt es Berge, die durchaus schwieriger und steiler sind. Bei der Tour sind 180 Fahrer in der Form ihres Lebens und bereit alles zu tun, um eine große Performance abzuliefern. Hier fährt jeder alles, was er hat, voll am Anschlag. Jeder weiß: 'Das ist meine große Bühne, um aus dem Schatten des Wasserträger-Daseins in das Rampenlicht des Star-Daseins zu treten'.

3. Was war Ihr schönstes Tour-Erlebnis?

Voigt: Das Mannschaftszeitfahren im Jahr 2001. Ich fuhr für das französische Team Credit Agricole. Wir hatten Stuart O'Grady im Gelben Trikot. Es war ein schwieriges und dramatisches Rennen. Es hat geregnet, viele Fahrer sind gestürzt und wir hatten mehrere Reifenschäden. Letztendlich haben wir die Etappe gewonnen und Gelb verteidigt. Das Besondere an dem Tag war unser enormes Wir-Gefühl. Beim Mannschaftszeitfahren ist jeder gefordert, jeder fährt für den anderen. Das macht es so speziell.

4. Was war Ihr schlimmstes Tour-Erlebnis?

Voigt: Meine beiden Aufgaben. 2003 war es die Etappe nach Toulouse. Ich hatte mich schon morgens schlecht gefühlt, war krank. Meine Eltern waren extra nach Toulouse gekommen, um mich zu sehen. Doch ich musste schon vorher aufgeben, das war bitter. Ebenso im Jahr 2005, als ich einige Tage vorher noch das Gelbe Trikot getragen hatte und dann ebenfalls wegen Krankheit aufgeben musste. Das waren die beiden absoluten Tiefpunkte.

5. Was haben Sie sich für die diesjährige Tour de France vorgenommen?

Voigt: Zunächst haben wir mit Carlos Sastre einen Mann im Team, der berechtigte Ambitionen auf das Podium hat. Es hat also höchste Priorität, ihn aus dem Wind zu halten und ordentlich zu unterstützen. Wenn sich die Chance zu einer Attacke bietet und ich von Bjarne (Riis) Grünes Licht erhalte, dann bin ich natürlich dabei.

6. Worauf freuen Sie sich besonders? Vielleicht auf bestimmte Etappen oder neue Orte auf der Tour-Landkarte?

Voigt: Nee. Da bin ich in erster Linie Radprofi. Es ist mir relativ gleichgültig, wo wir entlang fahren, ob es rechts oder links rum geht. Wenn meine Beine schmerzen, dann weiß ich, es geht hoch. Sicherlich freue ich mich aber auf Paris, auf den Champs-Elysees. Danach ein schönes Bier trinken, dann ist alles gut.

7. Wovor haben Sie besonderen Respekt?

Voigt: Im Vorfeld einer jeden Tour schau ich mir an, ob der Col d'Aubisque gefahren wird. Auf der Abfahrt von diesem Berg bin ich schon drei Mal gestürzt und jedes Mal tat es richtig weh. In diesem Jahr ist er nicht drin. Darüber bin ich sehr, sehr froh.

8. Bereiten Sie sich speziell auf die Tour de France vor, anders als auf andere Rennen?

Voigt: Eigentlich nicht. Wir reisen etwas früher an als zu anderen Rennen. Und dann spürt man natürlich an jeder Kleinigkeit, dass es die Tour ist. Wir bekommen neue Fahrräder, neue Kleidung und es herrscht ein riesiger Medienrummel.

9. Haben Sie ein bestimmtes Ritual, dass Sie vor jedem Rennen befolgen?

Voigt: Klar. Wenn wir mit dem Bus zum Etappenstart fahren, spiele ich Gameboy. [kurze Stille] Ich bin ein weltklasse Gameboy-Spieler, das ist kein Witz.

10. Ist der Gameboy nicht veraltet? In der heutigen Zeit stehen ja eher Konsolen a la Playstation auf dem Programm.

Voigt: Das stimmt. Aber da bin ich eher konservativ. Ich befasse mich auch nur mit Strategiespielen, bei denen man nachdenken, eine Taktik entwickeln und am Ende die Welt retten muss.

Interview: Torsten Adams

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