Radsport

Tour de France 2019: Hagel, Schnee, Eis und Abbruch! Bernal erobert das Gelbe Trikot

SID
Buchmann ist bei der Tour de France vorne mit dabei.

Das Tour-Drama in den Alpen setzt sich fort: Die 19. Etappe der Tour de France ist am Freitag wegen extremer Wetterbedingungen abgebrochen worden. Während Mitavorit Thibaut Pinot zuvor unter Tränen aufgeben musste, deklassierte der Kolumbianer Egan Bernal die anderen Fahrer ums Gesamtklassement und übernahm das Gelbe Trikot von Julian Alaphilippe.

Die Strecke auf dem Weg zum Schlussanstieg nach Tignes war nach schwerem Hagel in der Nähe des Ortes Val d'Isere nicht mehr passierbar, die Fahrer wurden auf der letzten Abfahrt vom Col de l'Iseran gestoppt. Einen offiziellen Sieger der Etappe gibt es nicht. Der Stand des Rennens wird auf der Passhöhe des Iseran knapp 40 km vor dem Ziel gewertet.

Zu diesem Zeitpunkt führte Bernal das Rennen an, er hatte rund eine Minute Vorsprung auf eine Gruppe mit Titelverteidiger und Teamkollege Geraint Thomas (Großbritannien) sowie dem deutschen Hoffnungsträger Emanuel Buchmann (Ravensburg/Bora-hansgrohe). Der Franzose Julian Alaphilippe (Deceuninck-Quick Step) lag am Iseran rund zwei Minuten zurück und verlor damit Gelb.

Tour de France 2019: Die Gesamtwertung nach 19 von 21 Etappen

Rang

FahrerNationTeamErgebnis
1BERNAL GOMEZ Egan Arley

COL

TEAM INEOS78:00:42
2ALAPHILIPPE Julian

FRA

DECEUNINCK - QUICK - STEP+0:48
3THOMAS Geraint

GBR

TEAM INEOS+1:16
4.KRUIJSWIJK Steven

NED

TEAM JUMBO - VISMA+1:28
5.BUCHMANN Emanuel

GER

BORA - HANSGROHE+1:55
6.LANDA MEANA Mikel

ESP

MOVISTAR TEAM+4:35
7.URAN Rigoberto

COL

EF EDUCATION FIRST+5:14
8.QUINTANA Nairo

COL

MOVISTAR TEAM+5:17
9.VALVERDE Alejandro

ESP

MOVISTAR TEAM+6:25
10PORTE Toni

AUS

TREK - SEGAFREDO+6:28

Tour de France: 19. Etappe abgebrochen - "Die richtige Entscheidung"

In der Nähe von Val d'Isere war die Straße nach dem Hagelschauer mit einer dicken weißen Schicht überzogen, Raumfahrzeuge versuchten vergeblich, den Weg rechtzeitig freizuräumen. Zu sehen war, wie sie Wassermassen von der Straße schoben. Es waren Bilder wie im Winter. Die Bedingungen wären für die Profis viel zu gefährlich gewesen, das Verletzungsrisiko war unkalkulierbar.

"Auf jeden Fall war die Entscheidung richtig", sagte Ralph Denk, Teamchef bei Bora-hansgrohe, in der ARD: "Es liegen Schnee und Schlamm auf der Strecke. Mit 80 km/h wäre das viel zu gefährlich gewesen, man hat eine gute Lösung gefunden."

Begleitfahrzeuge und -motorräder stoppten die Spitzenreiter des Rennens in der rasenden Abfahrt, Seite an Seite fuhren Buchmann und Tour-Titelverteidiger Thomas ins Tal und diskutierten augenscheinlich über die Geschehnisse.

Am Iseran hatte es bereits ein gnadenloses Ausscheidungsrennen gegeben, Buchmann hatte bis dahin mit einem Löwenherzen seine nächste Weltklasseleistung gezeigt. Alaphilippe musste im oberen Abschnitt nach einer Tempoverschärfung abreißen lassen.

Tour de France 2019: Verletzungsdrama um Mitfavorit Pinot

Für Frankreichs Tour-Träume war der Tag schon zuvor dramatisch verlaufen. Thibaut Pinot, bis zur 19. Etappe der Fünftplatzierte in der Gesamtwertung, nach rund 40 Kilometern verletzungsbedingt und in Tränen aufgelöst aufgeben. Nach offiziellen Angaben hatte Pinot einen Muskelfaserriss im linken Oberschenkel erlitten. "Er hatte die 18. Etappe mit starken Schmerzen beendet. Sein Zustand hat sich am Freitag nicht gebessert", teilte Pinots Team mit.

Bei der laufenden Tour hatte sich Pinot in starker Form gezeigt. Obwohl er auf der 10. Etappe nach Albi an einer Windkante den Anschluss und 1:40 Minuten verloren hatte, besaß er noch alle Chancen auf den ersten französischen Toursieg seit Bernard Hinault 1985. Pinot, Dritter von 2014, gab bei der Tour damit nach 2016 und 2017 zum dritten Mal in Serie auf. 2018 war er wegen der Folgen einer beim Giro d'Italia erlittenen Lungenentzündung nicht am Start.

Tour de France 2019: Buchmann und "die große Finalschlacht"

"Es war eine tolle Leistung von Emanuel, aber auch von Gregor (Mühlberger (d. Red.). Wir haben alles richtig gemacht, jetzt gibt es am Samstag die große Finalschlacht", sagte Denk und meinte mit Blick auf Buchmanns Chancen: "Jeder wird alles in die Waagschale werfen. Das Podium ist für Emanuel nicht weit weg. Die Motivation wird da sein, die Beine werden entscheiden."

Buchmann selbst sagte: "So etwas ist mir noch nicht passiert, die Entscheidung der Jury war aber schon richtig. Ich war gut dabei, bis zum Ziel wäre noch was gegangen. Morgen ist die entscheidende Etappe, da gebe ich alles, ich muss nichts mehr sparen."

Für Buchmann, Alaphilippe, Bernal und Co. folgt am Samstag "der Showdown" dieser Tour de France. Allerdings wird der ganz anders aussehen als ursprünglich geplant. Wegen der Wetterprognosen und der Gefahr weiterer Erdrutsche verkürzte der Veranstalter das Teilstück zwischen Albertville und Val Thorens von 130 auf nur noch 59 Kilometer.

33,4 km bergauf werden den Profis nach fast drei Wochen Anstrengung als letzte gewaltige Schwierigkeit abverlangt, fast 1900 Höhenmeter sind zu überwinden. Im höchstgelegenen Skiort Europas dürfte damit der Tour-Sieger gekürt werden - irgendwie passend angesichts der Bilder vom Freitag.

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