Flandern-Rundfahrt

Schwermut über dem Jubiläum

SID
Freitag, 01.04.2016 | 12:00 Uhr
Die Flandern-Rundfahrt hätte ein glücklicheres Jubiläum verdient gehabt
© getty
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Es ist der inoffizielle Nationalfeiertag, das hohe Fest des Radsports in Belgien. Doch ausgerechnet über dem 100. Jubiläum der Flandern-Rundfahrt am Sonntag (ab 12.30 Uhr) liegt Schwermut.

Der Tod der belgischen Profis Antoine Demoite und Daan Myngheer hat die radsportverrückten Flamen und Wallonen in große Trauer versetzt, dazu steht das Land noch immer unter dem Eindruck der Terroranschläge von Brüssel.

Demoitiés Team Wanty-Groupe Gobert mit dem Frankfurter Björn Thurau wird seinem verstorbenen Fahrer bei der "Ronde van Vlaanderen" mit großer Symbolik die Ehre erweisen. Zur Startzeremonie auf dem Grotemarkt in Brügge werden die Fahrer in speziellen T-Shirts erscheinen, und auf den Rädern soll der Schriftzug "RideForAntoine" - "Fahren für Antoine" eingraviert werden. "Das Einzige, was wir für Antoine - und auch für Daan - tun können, ist, ein Ergebnis zu holen, das sie stolz macht", sagte Wanty-Sportdirektor Hilaire Van Der Schueren.

Es ist der erste Rennstart des Teams seit der Tragödie um Demoitié - auch Thurau wird am Sonntag Teil des Wanty-Aufgebots sein und sich auf den 255 Kilometer langen Ritt nach Oudenaarde über 18 giftige Hellingen begeben. Nach Aussage seines Vaters Dietrich Thurau ist der 27-Jährige noch immer sehr mitgenommen von den furchtbaren Ereignissen beim Klassiker Gent-Wevelgem am Ostersonntag. "Demoitie war ein Freund meines Sohnes. Jetzt aufzuwachen, und das Bett des Kameraden neben dir bleibt leer, das ist schwer zu verkraften", sagte Thurau der Münchner Abendzeitung. Am Montag soll Demoitie beerdigt werden.

Thurau will Beistand leisten

Thurau senior, der 1977 15 Tage lang im Gelben Trikot der Tour de France fuhr, will am Samstag zum Team stoßen und Beistand leisten. "Ich werde versuchen, für sie da zu sein. Björn wollte das so", erzählte der 61-Jährige und gab zu, nun auch um seinen Sohn noch mehr Angst zu haben. "Ja, absolut", sagte Thurau: "Man muss nicht drumherum reden, das hätte genauso der Björn sein können, der da vom Motorrad überrollt wird."

Ob letztlich die Kollision mit dem Begleitvehikel oder der Sturz selbst zum Tod Demoités führte, wird wohl nie abschließend geklärt werden. Die Staatsanwaltschaft Dünkirchen ließ diese Frage nach der Autopsie des 25-Jährigen am Donnerstag jedenfalls offen. Die Diskussion um die Sicherheit der Fahrer sowie die Anzahl der Autos und Motorräder im Tross des Pelotons ist dennoch längst wieder entbrannt.

"Wir müssen uns alle der Verantwortung bewusst sein, die wir für uns selbst und unser Umfeld haben. Vielleicht wird unser Sport auf diese Weise ein Erbe haben, das Antoine Demoitie verdient", sagte UCI-Präsident Brian Cookson in dieser Woche. Björn Thurau und seine Teamkollegen von Wanty-Groupe Gobert werden ihrem verstorbenen Freund schon am Sonntag die Ehre erweisen.

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