Freitag, 08.04.2016

120 Jahre Paris-Roubaix

"Es ist ein Stück Scheiße!"

In diesem Jahr feiert Paris-Roubaix seinen 120. Geburtstag. In ihrer Historie sorgte die "Königin der Klassiker" für zahlreiche Anekdoten: Anfangs waren tierische Hindernisse an der Tagesordnung, später stand ein Zug im Weg. 1949 gab es gleich zwei Sieger, während ein Niederländer den Ritt durch die Hölle liebte. Und: Johan Museeuw feierte zur Jahrtausendwende ein furioses Comeback.

Unfälle und Stürze sind auf den engen Wegen keine Seltenheit
© getty
Unfälle und Stürze sind auf den engen Wegen keine Seltenheit

1896 - Tierische Begegnungen

Zwar bekam Paris-Roubaix erst nach dem ersten Weltkrieg wegen der Zerstörungen in der Region den Beinamen "Hölle des Nordens", ein angenehmes Rennen war es aber schon bei der Premiere 1896 nicht. Der deutsche Sieger Josef Fischer wurde von Kühen auf der Straße aufgehalten und auf dem Weg ins Ziel fast von einem Pferd vom Sattel getreten.

Eine Begegnung der tierischen Art hatte auch der Brite Arthur Linton, dem zu Beginn des Rennens ein Hund vor das Rad lief. Insgesamt stürzte der Waliser an diesem Tag ganze sechs Mal und wurde dennoch Vierter.

1919 - Zug im Weg

Bei der ersten Austragung nach dem ersten Weltkrieg setzte sich ein Spitzen-Trio um den Franzosen Henri Pelissier ab. Auf ihrem Weg wurden die drei Fahrer jedoch von einem stehenden Zug an einem Bahnübergang aufgehalten.

Pelissier schulterte sein Rad, trug es durch einen Zugwaggon und fuhr auf der anderen Seite wieder los. Dieser Pragmatismus brachte ihm schließlich den Sieg.

1949 - Wer hat gewonnen?

Auch 30 Jahre später lief das Rennen nicht reibungslos ab. Andre Mahe hatte zwar als Erster die Ziellinie überquert, doch der Führende des Hauptfeldes, Serse Coppi, protestierte gegen die Wertung, weil Mahe einen falschen Eingang zum Schluss-Velodrome benutzt hatte.

Mahe berichtete von Menschenmassen, durch die er den richtigen Weg nicht fand und von Polizisten, die ihn falsch geleitet hätten. Ein Reporter lotste ihn schließlich durch den Journalisten-Eingang. Einige Monate vergingen bis Mahe und Coppi schließlich zum gemeinsamen Sieger erklärt wurden.

1985 - Theo liebt die Hölle

Theo de Rooy saß völlig fertig im Teamfahrzeug. Ein Sieg war für den Niederländer möglich, doch er musste wegen eines Sturzes aufgeben. Der amerikanische Reporter John Tesh interviewte den frustrierten de Rooy, der die "Hölle des Nordens" knapp zusammenfasste: "Dieses Rennen ist totaler Schwachsinn. Du arbeitest wie ein Tier, du hast keine Zeit zu pissen, du machst dir in die Hose. Du fährst in diesem Dreck, du rutschst. Es ist ein Stück Scheiße."

Daraufhin fragte der Reporter, ob er das Rennen überhaupt nochmal bestreiten wolle. De Rooy schaute ihn an und antwortete deutlich: "Sicher, es ist das wundervollste Rennen der Welt."

2000 - Museeuws Comeback

1998 war ein rabenschwarzes Jahr für Johan Museeuw, den Klassikerspezialisten. Der Belgier stürzte im Wald von Arenberg so schwer, dass er sich sein linkes Knie zertrümmerte. Eine Folge der ohnehin schweren Verletzung war eine böse Infektion. Zeitweise sah es so aus, als müssten die Ärzte Museeuws linkes Bein amputieren.

Doch der Belgier hatte Glück im Unglück. 2000 folgte seine Sternstunde, als er Roubaix zum zweiten Mal gewann. Museeuw hielt im Ziel sein linkes, mitterweile wieder kräftiges Bein in die Kameras. Er hatte die Hölle des Nordens besiegt.


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