Ullrich und Zabel "haben niemanden betrogen"

Roche verteidigt Ullrich und Zabel

Von Adrian Franke
Samstag, 25.07.2015 | 16:28 Uhr
Stephen Roche bei seinem Tour-Triumph 1987
© getty
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Stephen Roche hat eine klare Meinung, was die Tour-Sieger der späten 90er Jahre angeht. Weder Jan Ullrich, Erik Zabel, noch Lance Armstrong verurteilt der inzwischen 55-Jährige, der 1987 die Tour als erster Ire überhaupt gewann. Roche sieht die Stars aus der von nachträglich aufgedeckten Doping-Eklats geprägten Zeit des Radsports vielmehr als "unglücklicherweise gebrandmarkt".

Im Gespräch mit der Bild stellte Roche mit Blick auf Ullrich und Zabel klar: "Sie sind Denkmäler! Erik Zabel ist ein unglaublicher Typ, eine Ikone des deutschen Radsports. So gut auf dem Rad und neben dem Rad. Eine großartige Persönlichkeit. Jan Ullrich war der bessere Rundfahrer. Mit dem konnte man sich persönlich sehr gut unterhalten. Diese beiden sind nun aber unglücklicherweise gebrandmarkt durch eine Ära, in der sie nicht die einzigen waren, die gebrandmarkt wurden."

Schließlich standen in der Zeit "alle auf demselben Spielfeld. Die haben niemanden betrogen, denn alle haben auf demselben Platz gespielt. Sie sind daher trotzdem Champions." Deshalb könne er auch verstehen, dass beide noch immer von Fans bejubelt werden: "Man kann nicht nur auf die schießen und sagen: 'Du bist ein Betrüger, wir wollen dich hier nicht.' Das war in den 90ern nun mal der Lifestyle, die Mentalität."

Dass Armstrong in der Nähe der Tour eine Charity-Aktion begleitet, stört Roche somit trotz der vereinzelten medialen Kritik nicht: "Da waren so viele, die gedopt waren in der damaligen Zeit. Warum wird er geächtet, aber andere dürfen hier sein? Da sind viele hier, aber nur einer muss die Rechnung zahlen. Das war eine große Familie, aber ein Mitglied wird ausgestoßen."

"Es gibt keinen Plan B mehr"

Außerdem äußerte sich der Ire auch über die generellen Entwicklungen im Radsport. So habe sich im Vergleich zu den späten 80er Jahren "alles" verändert, "außer dem Wetter. Die Räder, das Material, das Training, die Taktik, alles. Und es gibt keinen Plan B mehr, wenn etwas nicht klappt. Das ist schlimm."

Weiter kritisierte er: "Dieser Funk im Ohr, wo das Rennen aus dem Auto gesteuert wird, da ist nichts für mich. Ich liebe Radsport, hatte damals 130 Renntage. Heute hat man 60 und sonst nur Training, Training, Training. Da herrscht eine total andere Mentalität."

Für die Zukunft des Sports sieht Roche einen wachsenden Einfluss aus Afrika: "Die haben eine große Population, gerade in Südafrika. Da entsteht was, wie man an MTN-Qhubeka sieht. Die tun was für den Radsport in Afrika, statten Kinder mit Rädern aus und werden durch ihre Erfolge zu Vorbildern. Das natürliche, körperliche Talent haben sie ohnehin. Über die Afrikaner werden wir in 15 Jahren reden, unabhängig von MTN-Qhubeka."

Tour de France 2015: Die Gesamtwertung

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